Quantencomputer sind inzwischen als eigenes Börsenthema investierbar. Für deutsche Privatanleger gibt es mindestens zwei spezialisierte UCITS-ETFs. Dazu kommen ein US-ETF, einzelne Quantencomputer-Aktien, Beteiligungen großer Technologiekonzerne sowie private Venture-Capital-Fonds.
Bei Anleihen ist der Markt dagegen noch kaum entwickelt: Einen breit handelbaren Publikumsfonds für Quanten-Anleihen oder eine Anleihe, deren Erlös ausschließlich für Quantencomputer vorgesehen ist, habe ich bei der Marktprüfung nicht gefunden.
Warum Quantencomputer für Anleger interessant werden
Quantencomputer sollen klassische Rechner nicht allgemein ersetzen. Ihr möglicher Vorteil liegt bei bestimmten, besonders komplexen Aufgaben – etwa Materialsimulationen, Medikamentenentwicklung, Optimierung, Kryptografie oder ausgewählten industriellen Berechnungen.
Der investierbare Markt umfasst deshalb mehr als die eigentlichen Rechner:
- Quantenprozessoren und unterschiedliche Hardwareverfahren
- Kühlsysteme, Laser, Photonik und Steuerelektronik
- Software und Cloud-Zugänge
- Quantennetzwerke und Sensorik
- quantensichere Verschlüsselung
- Halbleiter und andere Zulieferer
Noch bestehen erhebliche technische Probleme bei Fehlerraten, Stabilität und Skalierung. Der wirtschaftliche Durchbruch ist daher nicht garantiert und dürfte sich je nach Anwendungsbereich unterschiedlich schnell vollziehen.
Börsengehandelte Quantencomputer-Fonds
| Produkt | Kennzahlen | Charakter |
|---|---|---|
| VanEck Quantum Computing UCITS ETF | ISIN IE0007Y8Y157, WKN A418QM, Ticker QNTM, Kostenquote 0,55 %, aufgelegt am 21. Mai 2025, Fondsvolumen rund 805 Mio. US-Dollar am 14. Juli 2026 | Breiter Quanten-ETF mit direkten Quantenunternehmen und großen Konzernen, die relevante Patente besitzen |
| WisdomTree Quantum Computing UCITS ETF | ISIN IE000W8WMSL2, WKN A419HV, Xetra-Ticker WQTM, Kostenquote 0,50 %, aufgelegt am 27. August 2025, Fondsvolumen rund 349 Mio. US-Dollar am 14. Juli 2026 | Stärker auf Unternehmen mit konkreter Beteiligung am Quanten-Ökosystem ausgerichtet |
| Defiance Quantum ETF | US-Ticker QTUM, zuletzt rund 3,7 Mrd. US-Dollar Fondsvolumen | Älterer und größerer US-ETF, allerdings keine reine Quantenanlage; enthält auch Halbleiter-, KI- und Messtechnikunternehmen |
VanEck Quantum Computing UCITS ETF
Der VanEck-Fonds bildet den MarketVector Global Quantum Leaders Index ab. Unternehmen können aufgenommen werden, wenn ein wesentlicher Teil ihrer Tätigkeit aus dem Quantencomputing stammt oder wenn sie mindestens fünf einschlägige Patente besitzen.
Der Index soll ungefähr 30 Unternehmen enthalten. Mindestens 20 Prozent des Indexgewichts sind für Unternehmen mit vergleichsweise hoher Quanten-Reinheit vorgesehen. Daneben können Konzerne aufgenommen werden, deren Quantenaktivitäten gemessen am Gesamtumsatz noch klein sind, die aber über relevante Patente verfügen.
Das macht den ETF relativ breit. Neben spezialisierten Unternehmen können dadurch etablierte Technologie-, Halbleiter- und Industriekonzerne vertreten sein. Das reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Quantencomputer-Verfahren, verwässert aber zugleich den direkten Bezug zum Thema.
WisdomTree Quantum Computing UCITS ETF
Der WisdomTree-ETF bildet den WisdomTree Classiq Quantum Computing UCITS Index ab. Die Unternehmen werden danach bewertet, wie relevant und wie unmittelbar ihre Aktivitäten für das Quantencomputing sind.
Zu den größten Positionen gehörten am 14. Juli 2026 D-Wave Quantum, Rigetti Computing und IonQ. Daneben waren Fujitsu, Dell, IBM, AMD, Microsoft, Intel und Amazon vertreten. Rund 63 Prozent des Fonds entfielen auf die USA und mehr als 81 Prozent auf den Informationstechnologiesektor.
Mit einem ausgewiesenen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 72 war das Portfolio zuletzt sehr hoch bewertet. Diese Kennzahl ist bei jungen, teilweise noch verlustreichen Quantenunternehmen allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Sie verdeutlicht dennoch, wie viel zukünftiger Erfolg bereits in den Kursen erwartet wird.
Defiance Quantum ETF
Der in den USA notierte Defiance Quantum ETF investiert nicht ausschließlich in Quantencomputerunternehmen. Er verbindet spezialisierte Anbieter wie IonQ, D-Wave und Rigetti mit Halbleiterherstellern, Messtechnikunternehmen und anderen Technologiekonzernen.
Damit ist QTUM eher ein Fonds für das erweiterte Umfeld aus Quantencomputing, maschinellem Lernen und technologischer Infrastruktur. Als US-ETF ist er kein UCITS-Produkt. Ob deutsche Privatanleger ihn handeln können, hängt unter anderem vom Broker und den verfügbaren europäischen Produktunterlagen ab.
Welcher der beiden UCITS-ETFs ist „reiner“?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, weil beide Indizes Quantenaktivitäten unterschiedlich definieren.
WisdomTree wirkt derzeit offensiver, weil mehrere börsennotierte Quantencomputer-Spezialisten weit oben im Portfolio stehen. Dadurch reagiert der Fonds stärker auf die Kurse von IonQ, Rigetti oder D-Wave.
VanEck erscheint breiter und etwas stärker diversifiziert. Seine patentbasierte Auswahl kann jedoch dazu führen, dass große Konzerne aufgenommen werden, für die Quantencomputing wirtschaftlich bislang nur ein kleiner Geschäftsbereich ist.
Die Unterschiede sind dennoch nicht so groß, wie die Produktnamen vermuten lassen. Beide Fonds enthalten zahlreiche Unternehmen aus dem Halbleiter-, Cloud- und klassischen Technologiesektor. Vor einer Anlage sollte deshalb nicht nur der Name, sondern die aktuelle vollständige Zusammensetzung geprüft werden.
Gibt es Quantencomputer-Anleihen?
Bei meiner Recherche fand sich kein etablierter, liquider „Quantum Bond“ für Privatanleger und auch kein dedizierter Quanten-Anleihenfonds.
Finanzierungen über Fremdkapital gibt es dennoch. Junge Quantenunternehmen erhalten beispielsweise:
- staatlich geförderte Kredite
- private Unternehmensdarlehen
- Venture Debt
- Wandelanleihen
- Finanzierungen durch Entwicklungsbanken
Solche Instrumente werden in der Regel privat zwischen Unternehmen und institutionellen Geldgebern vereinbart. Sie sind normalerweise weder an der Börse frei handelbar noch für gewöhnliche Privatanleger zugänglich.
Eine Anleihe eines Konzerns wie IBM oder Microsoft wäre nur eine sehr indirekte Quantenanlage: Der Käufer finanziert den Gesamtkonzern und hat keinen Anspruch darauf, dass das Kapital für dessen Quantenprogramm eingesetzt wird.
Der Begriff „Quantum“ taucht im Anleihebereich aktuell eher im Zusammenhang mit der Technologie für den Anleihehandel auf. HSBC und IBM testeten beispielsweise quantenbasierte Berechnungen zur Verbesserung von Handelsentscheidungen bei europäischen Unternehmensanleihen. Dabei handelte es sich aber nicht um eine Quanten-Anleihe als Anlageprodukt.
Private Quantenfonds
Für professionelle und vermögende Investoren existieren spezialisierte Venture-Capital-Fonds. Ein Beispiel ist Quantonation, das in junge Unternehmen aus Quantencomputing, Quantennetzwerken, Sensorik und angrenzender Physik investiert.
Der Fonds Quantonation II investiert schwerpunktmäßig von der Vorgründungsphase bis zur Series A und selektiv auch in spätere Finanzierungsrunden. Medienberichten zufolge verfügt er über ein Volumen von rund 220 Millionen Euro. Zu den unterstützenden Investoren zählen institutionelle und staatlich geprägte Kapitalgeber.
Solche Fonds haben meist hohe Mindestanlagebeträge, lange Kapitalbindungen und nur eingeschränkte Rückgabemöglichkeiten. Sie sind nicht mit täglich handelbaren ETFs vergleichbar.
Einzelaktien als direkterer Zugang
Zu den bekanntesten börsennotierten Spezialisten gehören:
- IonQ
- D-Wave Quantum
- Rigetti Computing
Diese Aktien bieten eine direktere Beteiligung am Quantencomputer-Thema, weisen aber entsprechend hohe Einzelunternehmensrisiken auf. Viele Anbieter befinden sich noch in einer frühen Kommerzialisierungsphase, verbrauchen erhebliches Kapital und erzielen teilweise nur geringe Umsätze.
Eine defensivere, aber stark verwässerte Alternative sind große Konzerne wie IBM, Microsoft, Amazon, Intel, AMD oder Fujitsu. Dort ist Quantencomputing nur einer von vielen Forschungs- und Geschäftsbereichen. Selbst ein technischer Erfolg des Quantenprogramms muss daher nicht unmittelbar einen großen Einfluss auf den Gesamtkurs haben. Die entsprechenden Unternehmen sind auch in den Quanten-ETFs vertreten.
Weitere indirekte Anlagefelder
Neben den eigentlichen Quantencomputern könnten mehrere Zuliefer- und Ergänzungsmärkte profitieren:
Post-Quantum-Kryptografie: Unternehmen und Behörden müssen ihre Verschlüsselung langfristig gegen leistungsfähige Quantencomputer absichern. Dieser Markt kann wachsen, bevor universell einsetzbare Quantencomputer verfügbar sind.
Photonik und Laser: Bestimmte Quantencomputer benötigen präzise optische Systeme.
Kryotechnik: Supraleitende Quantenchips müssen bei extrem niedrigen Temperaturen betrieben werden.
Steuerelektronik und Messtechnik: Quantenprozessoren benötigen komplexe klassische Hardware zur Kontrolle und Fehlerauswertung.
Cloud-Infrastruktur: Viele Nutzer werden Quantencomputer voraussichtlich nicht selbst besitzen, sondern über Cloud-Plattformen darauf zugreifen.
Gerade diese „Schaufel-und-Spaten“-Anbieter können wirtschaftlich interessanter sein als der Versuch, frühzeitig den späteren Gewinner unter den eigentlichen Quantencomputerherstellern auszuwählen.
Die wichtigsten Risiken
Das Thema ist hochspekulativ. Besonders relevant sind:
- Ungewisser technischer Gewinner: Noch ist offen, ob sich supraleitende Qubits, Ionenfallen, Photonik, neutrale Atome oder andere Verfahren durchsetzen.
- Langer Zeithorizont: Technische Demonstrationen sind nicht automatisch kommerziell rentable Produkte.
- Hoher Kapitalbedarf: Forschung, Fertigung und Fehlerkorrektur sind teuer.
- Starke Kursschwankungen: Kleine Quantenaktien reagieren empfindlich auf Forschungsankündigungen, Partnerschaften und Kapitalerhöhungen.
- Hohe Bewertungen: Ein großer Teil des erwarteten Wachstums kann bereits eingepreist sein.
- Thematische Verwässerung: Viele Fonds halten Unternehmen, deren Quantenumsätze noch unbedeutend sind.
- Währungsrisiko: Die Produkte und viele enthaltene Aktien sind stark vom US-Dollar abhängig.
Einordnung für deutsche Privatanleger
Die derzeit klarsten regulierten Anlageprodukte sind der VanEck Quantum Computing UCITS ETF und der WisdomTree Quantum Computing UCITS ETF. Beide sind thesaurierend, in Irland aufgelegt und in Deutschland registriert.
Der VanEck-Fonds bietet das größere Fondsvolumen und einen breiteren, teilweise patentbasierten Ansatz. WisdomTree besitzt eine etwas niedrigere Kostenquote und wirkt aufgrund seiner größeren Positionen in Quanten-Spezialisten offensiver. Keiner der beiden ist jedoch ein reiner Korb ausschließlich aus Quantencomputerherstellern.
Quanten-Anleihen sind derzeit keine realistische eigene Anlageklasse für Privatanleger. Wer weniger Aktienrisiko sucht, findet momentan kein direkt vergleichbares Anleiheprodukt. Eine Unternehmensanleihe eines beteiligten Großkonzerns bietet zwar geringere Abhängigkeit von der Quantenentwicklung, ist dadurch aber auch kaum noch eine gezielte Quantenanlage.
Diese Übersicht ist eine Marktanalyse und keine persönliche Anlageempfehlung. Vor einer Entscheidung sind insbesondere die aktuellen Holdings, Spreads, Fondsgröße, steuerliche Behandlung und das individuelle Verlustrisiko zu prüfen.
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