FIFA-Präsident Gianni Infantino denkt über eine Weltmeisterschaft mit 64 Mannschaften nach. Nach dem Ausbau auf 48 Teams könnte das Teilnehmerfeld damit innerhalb weniger Jahre erneut deutlich wachsen. Das Ergebnis wären 128 Spiele – also noch mehr Fußball, noch mehr Sendezeit und vermutlich noch weniger Menschen, die sich am Ende an alle Begegnungen erinnern können.
Infantino verweist auf die globale Teilhabe. Kleinere Fußballnationen müssten die Chance erhalten, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, um sich weiterzuentwickeln. Ozeanien könnte zwei Startplätze bekommen, Afrika 13 und Asien zwölf.
Das klingt überzeugend. Schließlich ist der sicherste Weg zur sportlichen Exklusivität, irgendwann fast niemanden mehr auszuschließen.
Mehr Teilnehmer, mehr Märchen, mehr 1:7-Ergebnisse
Die laufende WM habe gezeigt, dass zusätzliche Mannschaften nicht automatisch für schlechte Spiele sorgen. Neben deutlichen Niederlagen gab es Überraschungen und Fußballmärchen. Kap Verde erreichte die nächste Runde, Curacao begeisterte mit seinen Fans und durfte nebenbei erfahren, wie sich sieben deutsche Tore aus unmittelbarer Nähe anfühlen.
Mit 64 Teams würde das Überraschungspotenzial weiter steigen. Irgendwo zwischen Favoriten, Außenseitern und Mannschaften, deren Qualifikation selbst die eigenen Spieler überrascht hat, findet sich garantiert eine schöne Geschichte.
Auch komplizierte Rechnereien über die besten Gruppendritten könnten entfallen. Zuschauer müssten dann nicht mehr gleichzeitig Punkte, Tordifferenzen, Fair-Play-Wertungen und mögliche Absprachen berechnen.
Die FIFA könnte sich wieder auf ihre Kernkompetenz konzentrieren: sehr viele Spiele verkaufen.
Sechs Spiele pro Tag – Erholung ist etwas für nach dem Turnier
Eine 64er-WM hätte allerdings kleinere organisatorische Nebenwirkungen. Die zusätzlichen 24 Spiele müssten irgendwo im Kalender untergebracht werden.
Möglich wären sechs Spiele pro Tag. Der durchschnittliche Fan könnte morgens beim Frühstück beginnen, während des Mittagessens weiterschauen und kurz vor dem Schlafengehen feststellen, dass bereits die nächste Vorberichterstattung läuft.
Alternativ könnte das Turnier sechs Wochen dauern. Dann wäre die WM nicht mehr nur ein Sportereignis, sondern eine vollständige Jahreszeit.
Qualifikation künftig als freundliche Voranmeldung
Kritiker warnen, die Qualifikation könne an Bedeutung verlieren. Wenn immer mehr Nationen teilnehmen, wird aus dem mühsam erkämpften WM-Ticket irgendwann eine höflich bestätigte Reservierung.
Das „Gefühl einer echten Leistung“ müsse erhalten bleiben, heißt es. Die FIFA könnte dafür künftig Urkunden ausstellen: „Herzlichen Glückwunsch, Sie gehören zu den 64 besten oder organisatorisch verfügbaren Teams der Welt.“
Gastgeber gesucht – mehrere Länder bevorzugt
Auch die Infrastruktur wäre eine Herausforderung. Für 128 Spiele braucht es zahlreiche Stadien, Trainingsplätze, Hotels und Verkehrsverbindungen. Eine einzelne Nation könnte das kaum noch bewältigen.
Künftige Weltmeisterschaften dürften deshalb auf mehrere Länder, Zeitzonen und möglicherweise Kontinente verteilt werden. Der Spielplan könnte dann zugleich als Geografieprüfung dienen.
Am stärksten spricht allerdings ein Argument für die Erweiterung: mehr Einnahmen. Mehr Spiele bedeuten mehr Übertragungen, Werbung, Tickets und Sponsorenflächen.
Die sportliche Debatte dürfte deshalb noch lange dauern. Die wirtschaftliche Entscheidung scheint dagegen bereits hervorragend qualifiziert.
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