Die US-Notenbank soll schlanker werden. Fed-Chef Kevin Warsh hat vor dem Bankenausschuss des Senats erklärt, er wünsche sich eine „schlankere und effizientere Bilanz“. Gemeint ist die derzeit rund 6,8 Billionen Dollar schwere Bilanz der Zentralbank – also eine Form von Schlankheit, bei der selbst Großbanken kurz nach Luft schnappen.
Warsh betonte, er wolle den Ergebnissen einer eigens eingesetzten Arbeitsgruppe nicht vorgreifen. Persönlich sei er jedoch der Meinung, das Wertpapierportfolio der Fed solle möglichst klein gehalten werden. Die Zentralbank müsse schließlich nicht jede Staatsanleihe besitzen, die ihr auf dem Weg begegnet.
Ganz verschwinden soll die finanzielle Reserve allerdings nicht. In Krisenzeiten dürfe die Bilanz wieder wachsen, erklärte Warsh. Sie sei schließlich ein geldpolitisches Instrument – gewissermaßen der Notfallkoffer der amerikanischen Wirtschaft, nur mit Staatsanleihen statt Verbandsmaterial.
Keine Radikaldiät über Nacht
Warsh versicherte, Veränderungen würden nicht plötzlich erfolgen. Die Finanzmärkte bekämen ausreichend Zeit, sich anzupassen. Eine beruhigende Nachricht für Investoren, die bereits bei kleinsten Andeutungen der Fed beginnen, hektisch Milliarden umzuschichten.
„Wir haben fast 18 Jahre gebraucht, um in diese Bilanzsituation zu gelangen“, erklärte Warsh. Deshalb könne man die großen Bestände an langfristigen Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren nicht von heute auf morgen abbauen.
Mit anderen Worten: Wer fast zwei Jahrzehnte lang finanzpolitische Vorräte angelegt hat, sollte nicht erwarten, sie an einem Wochenende auf dem Flohmarkt loszuwerden.
Vor der Finanzkrise 2008 lag die Bilanz der Fed noch unter einer Billion Dollar. Dann kamen Finanzkrise, Rezession und Pandemie – und die Notenbank kaufte Anleihen, als gäbe es dafür Bonuspunkte. Zwischenzeitlich wuchs die Bilanz auf rund neun Billionen Dollar.
Nun soll abgespeckt werden, aber kontrolliert, transparent und möglichst ohne Kreislaufprobleme an den Märkten. Die Fed beginnt damit eine geldpolitische Langzeitdiät: weniger Wertpapiere, mehr Effizienz und hoffentlich kein gefürchteter Jo-Jo-Effekt bei der nächsten Krise.
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