Die Aufregung dürfte groß werden. „China in Sachsen?“ Für manche klingt das bereits wie ein politischer Tabubruch. Doch die Realität in Zwickau ist deutlich nüchterner: Den Beschäftigten dürfte es am Ende ziemlich egal sein, ob künftig ein VW-, BYD- oder anderer chinesischer Schriftzug auf den Fahrzeugen steht – solange die Werkstore offen bleiben und die Arbeitsplätze erhalten werden.
Genau deshalb bekommt der Vorstoß von Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter eine enorme Brisanz. Der SPD-Politiker brachte nun offen ein Joint Venture zwischen Volkswagen und chinesischen Herstellern für das Werk in Zwickau ins Gespräch.
Und ehrlich gesagt:
Warum eigentlich nicht?
Denn die entscheidende Frage lautet doch nicht, aus welchem Land ein Investor kommt. Die entscheidende Frage lautet:
Bleibt industrielle Wertschöpfung in Sachsen – oder verschwindet sie?
Die Angst vor dem Niedergang sitzt tief
Das VW-Werk in Zwickau gilt als Symbol der ostdeutschen Industrie. Tausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an dem Standort. Doch die Probleme der deutschen Autoindustrie werden immer sichtbarer:
schwache Nachfrage nach Elektroautos, hohe Energiekosten, internationale Konkurrenz und enorme Unsicherheit auf den Weltmärkten.
Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller massiv nach Europa – technologisch stark, preislich aggressiv und längst nicht mehr nur Billiganbieter.
Viele in Deutschland reagieren darauf reflexartig mit Angst oder Ablehnung. Doch vielleicht wäre etwas mehr Pragmatismus sinnvoller.
Den Mitarbeitern dürfte Ideologie egal sein
Wer jeden Monat seine Familie ernähren muss, denkt anders über Industriepolitik als manche Talkshowrunde in Berlin.
Für die Beschäftigten in Zwickau dürfte entscheidend sein, dass produziert wird. Dass Maschinen laufen. Dass Löhne gezahlt werden. Und dass die Region nicht erneut einen industriellen Kahlschlag erlebt.
Natürlich wird auch Sachsens Ministerpräsident am Ende lieber chinesische Autos „Made in Zwickau“ sehen als leere Hallen und Massenentlassungen.
Denn die Alternative wäre brutal:
Verliert Sachsen seine industrielle Basis, verschwinden nicht nur Jobs, sondern langfristig ganze Wertschöpfungsketten.
Europa wird sich entscheiden müssen
Die eigentliche Wahrheit lautet:
China ist längst Teil der globalen Autoindustrie geworden – ob Europa das mag oder nicht.
Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob chinesische Hersteller kommen.
Die Frage ist nur noch:
Produzieren sie künftig in Europa – oder verdrängen sie europäische Hersteller vom Markt?
Wenn ein Joint Venture dafür sorgt, dass Know-how, Arbeitsplätze und Produktion in Sachsen bleiben, könnte genau darin am Ende sogar eine Chance liegen.
Voraussetzung bleibt allerdings, dass europäische Standards gelten:
faire Wettbewerbsbedingungen, Tarifbindung, Umweltauflagen und Schutz strategischer Technologien.
Doch eines dürfte ebenfalls klar sein:
Mit ideologischen Debatten allein wird kein Arbeitsplatz gerettet.
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