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Pokémon Go: Millionen wollten Pikachu fangen – und trainierten offenbar nebenbei Militärdrohnen

succo (CC0), Pixabay
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2016 glaubten Millionen Menschen noch, sie würden einfach nur auf der Jagd nach Pikachu durch Parks, Innenstädte und Vorgärten laufen. Zehn Jahre später stellt sich heraus: Vielleicht waren die eigentlichen Pokémon gar nicht Pikachu, Glumanda oder Bisasam – sondern die Spieler selbst.

Während die einen begeistert ihr Handy auf Brunnen, Bushaltestellen und Kirchen richteten, sammelte das Spiel ganz nebenbei Milliarden Datenpunkte aus der echten Welt. Wer damals dachte, er trainiere nur sein Schrittkonto, hat womöglich gleichzeitig an der weltweit größten unbezahlten Kartierungsaktion teilgenommen.

Laut aktuellen Berichten sollen die von Millionen Spielern erfassten Umgebungsdaten inzwischen dabei helfen, künstliche Intelligenz zu trainieren. Ursprünglich hieß es, damit würden Lieferroboter den Weg zum Hauseingang finden. Klingt harmlos. Doch inzwischen tauchen plötzlich Begriffe wie Militärdrohnen, US-Armee und GPS-unabhängige Navigation auf.

Oder anders gesagt: Aus „Schnapp sie dir alle!“ wurde offenbar „Finde jedes Ziel auf dem Planeten!“.

Die Ironie ist kaum zu übertreffen. Jahrelang rannten Menschen freiwillig gegen Laternenpfähle, weil irgendwo ein Relaxo auftauchte. Nun könnte genau dieses Verhalten dazu beigetragen haben, dass Maschinen künftig selbstständig durch unbekanntes Gelände navigieren.

Besonders beeindruckend: Angeblich wurden rund 30 Milliarden Umgebungsscans gesammelt. Das dürfte die größte freiwillige Vermessungsaktion der Menschheitsgeschichte sein. Kolumbus brauchte Jahre, Magellan umrundete die Welt – Pokémon-Go-Spieler erledigten ähnliche Datenerfassung zwischen Dönerbude, Supermarkt und Bushaltestelle.

Natürlich betonen die beteiligten Unternehmen, dass alles ordnungsgemäß und mit Zustimmung der Nutzer erfolgt sei. Das mag sogar stimmen. Allerdings dürfte kaum jemand beim Akzeptieren der Nutzungsbedingungen gedacht haben: „Ja klar, ich möchte nicht nur Pikachu fangen, sondern eventuell auch die Navigation zukünftiger Hightech-Systeme unterstützen.“

Der durchschnittliche Spieler wollte schließlich nur ein Taubsi. Bekommen hat die Industrie eine gigantische Datenbank der realen Welt.

So bleibt eine bemerkenswerte Erkenntnis: Während manche Menschen glaubten, sie würden ein Spiel spielen, spielte das Spiel vielleicht längst ein ganz anderes Spiel.

Und irgendwo sitzt vermutlich ein ehemaliger Pokémon-Trainer vor seinem Smartphone und fragt sich: „Moment mal … ich wollte doch eigentlich nur Arena-Meister werden.“

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