Es gibt Parteitage, auf denen über Steuerpolitik gestritten wird. Und es gibt den AfD-Parteitag in Erfurt. Dort wurde zunächst das Überraschendste überhaupt verkündet: Alice Weidel und Tino Chrupalla bleiben Vorsitzende. Gegenkandidaten? Offenbar hatten alle anderen schon etwas vor.
Während draußen Zehntausende demonstrierten, feierte man drinnen die neuesten Umfragewerte wie andere Leute den Jackpot im Lotto. Chrupalla träumte bereits von Alleinregierungen im Osten, Weidel erklärte die AfD kurzerhand zur „neuen Volkspartei“. Selbstbewusstsein ist schließlich steuerfrei.
Björn Höcke wiederum erklärte die berühmte „Brandmauer“ für gescheitert. Nach seiner Logik hat sie der Partei sogar genutzt. Man könnte sagen: Wenn man lange genug gegen eine Mauer läuft, hält man sie irgendwann für eine Rolltreppe.
Besonders originell verlief die Wahl der Stellvertreter. Plötzlich erklang aus versteckten Bluetooth-Lautsprechern der „Imperial March“ aus Star Wars. Manchmal schreibt die Satire eben nicht die Kolumnisten, sondern die Tonanlage. Darth Vader dürfte jedenfalls kurz irritiert gewesen sein, warum seine Einzugsmusik plötzlich auf einem Parteitag läuft.
Auch beim Thema Verfassungsschutz zeigte sich die Partei kreativ. Chrupalla kündigte an, man wolle den Inlandsgeheimdienst künftig daran hindern, politische Parteien zu beobachten – vorausgesetzt, man stelle den zuständigen Innenminister. Frei nach dem Motto: Der beste Weg, den Schiedsrichter loszuwerden, ist, selbst die Pfeife in die Hand zu nehmen.
Vor der Halle versammelten sich unterdessen Zehntausende Demonstrierende. Drinnen sprach man von Aufbruch, draußen von Alarm. Erfurt bot damit das wohl passendste Bild dieses Wochenendes: zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wohin Deutschland steuern sollte – getrennt durch Polizeigitter und eine Menge Blaulicht.
Am Ende blieb alles beim Alten: Weidel und Chrupalla führen die Partei weiter, Höcke liefert die markigen Schlagzeilen, der Verfassungsschutz bleibt Gesprächsthema – und irgendwo in einer Asservatenkammer liegen jetzt vier Bluetooth-Boxen, die wahrscheinlich den kultigsten Auftritt des gesamten Parteitags hingelegt haben.
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