Donald Trump ist mal wieder enttäuscht. Diesmal von Deutschland. Das kommt ungefähr so überraschend wie Regen im November oder eine Baustelle bei der Deutschen Bahn.
Der US-Präsident beklagt, Berlin habe ihm im Iran-Konflikt nicht den gewünschten „kleinen Stups“ oder gar ein „kleines Küsschen“ gegeben. Eine bemerkenswerte Wortwahl für jemanden, der ansonsten gern den starken Mann gibt. Diplomatie à la Trump eben.
Die eigentlich spannende Frage lautet aber: Interessiert Friedrich Merz überhaupt, was Donald Trump über ihn sagt oder denkt?
Man darf daran durchaus zweifeln.
Denn während Trump öffentlich mit Lob und Tadel um sich wirft wie ein Fußballtrainer nach einer 0:4-Niederlage, dürfte der Bundeskanzler andere Sorgen haben, als auf die Tagesform des Mannes im Weißen Haus Rücksicht zu nehmen. Schließlich gehört es inzwischen fast zum politischen Alltag, dass Trump morgens jemanden lobt, mittags kritisiert und abends beides wieder relativiert.
Immerhin gab es diesmal auch ungewohnt freundliche Worte. Ausgerechnet Wolodymyr Selenskyj, den Trump in der Vergangenheit immer wieder scharf kritisiert hatte, wurde plötzlich als mutig gelobt. Der ukrainische Präsident schlage sich „ziemlich gut“, sagte Trump. Das dürfte in Kiew für ebenso hochgezogene Augenbrauen gesorgt haben wie seine Kritik in Berlin.
Und dann war da noch NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Der versuchte den Präsidenten mit einer Schautafel voller roter Balken und der goldenen Überschrift „The Trump Trillion“ zu beeindrucken. Fast fehlte nur noch ein Pokal und ein „Mitarbeiter des Monats“-Schild.
Ob das alles beim NATO-Gipfel tatsächlich für bessere Stimmung sorgt, wird sich zeigen. Eines scheint jedoch sicher: Donald Trump wird weiterhin sehr genau sagen, was er denkt.
Die größere Frage bleibt allerdings, ob Friedrich Merz deswegen auch nur eine Minute schlechter schläft. Wahrscheinlich nicht. Denn wer Bundeskanzler ist, weiß: In Washington wechseln die Schlagzeilen manchmal schneller als Donald Trump seine Meinung.
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