Prinz Harry hat vor dem High Court in London eine empfindliche juristische Niederlage erlitten. Der Herzog von Sussex und sechs weitere prominente Kläger scheiterten mit ihrer Klage gegen den Verlag Associated Newspapers, der die britischen Zeitungen „Daily Mail“ und „Mail on Sunday“ herausgibt. Das Gericht sah den Vorwurf einer systematischen rechtswidrigen Informationsbeschaffung als nicht bewiesen an.
Richter Nicklin erklärte in seinem Urteil, dass bloßer Verdacht für derart schwerwiegende Anschuldigungen nicht ausreiche. Die Kläger hätten keine ausreichenden Belege dafür vorgelegt, dass Journalisten der Boulevardzeitungen private Informationen auf illegale Weise beschafft hätten. Stattdessen akzeptierte das Gericht die Erklärungen der beteiligten Redakteure und Reporter, wonach die beanstandeten Berichte auf rechtmäßigem Wege recherchiert worden seien.
Zu den Klägern gehörten neben Prinz Harry auch Musiker Sir Elton John und dessen Ehemann David Furnish, Schauspielerin Elizabeth Hurley, Schauspielerin Sadie Frost, der frühere liberaldemokratische Politiker Sir Simon Hughes sowie Baroness Doreen Lawrence, die Mutter des ermordeten Stephen Lawrence.
Im Mittelpunkt des Verfahrens standen insgesamt 97 Vorwürfe. Die Kläger warfen dem Verlag unter anderem Täuschung, unzulässige Informationsbeschaffung und Eingriffe in ihre Privatsphäre vor. Das Gericht prüfte jeden einzelnen Fall separat und kam zu dem Ergebnis, dass die vorgelegten Beweise nicht ausreichen, um rechtswidrige Methoden nachzuweisen.
Auch der Vorwurf, frühere und heutige Führungskräfte des Verlagshauses hätten bereits bei der Leveson-Untersuchung falsche Aussagen über angeblich illegale Recherchemethoden gemacht, wurde zurückgewiesen.
Associated Newspapers sprach nach dem Urteil von einer vollständigen Entlastung. Das Unternehmen bezeichnete die Entscheidung als „überwältigenden Sieg“ für den Journalismus der „Daily Mail“ und verwies darauf, dass sämtliche Vorwürfe abgewiesen worden seien. Verlagschef Paul Dacre kritisierte die Klage scharf und sprach von einem Verfahren, das seiner Ansicht nach niemals hätte geführt werden dürfen.
Für Prinz Harry ist das Urteil ein Rückschlag in seiner langjährigen Auseinandersetzung mit Teilen der britischen Boulevardpresse. Zwar hatte er in früheren Verfahren gegen andere Medienhäuser teilweise Erfolge erzielt und Entschädigungen erhalten, im Verfahren gegen Associated Newspapers blieb er nun jedoch ohne Erfolg. Ende Juli soll sich das Gericht noch mit offenen Fragen zu den Verfahrenskosten befassen.
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