„Nichts bringt mir meinen Sohn zurück“ – schon dieser eine Satz reicht, um zu verstehen, was an diesem Tag passiert ist. Und doch beschreibt er nur einen Bruchteil der Realität.
Im Süden Beiruts, im Viertel Hay el Sellom, ist von Alltag nichts mehr übrig. Wo früher Menschen lebten, stehen heute nur noch Betonreste, verbogene Metallteile und offene Kabel. Häuser sind zu Staub geworden, Treppen führen ins Leere. Stille hat das Leben ersetzt.
Am 8. April änderte sich alles innerhalb von Minuten. Gegen 14:15 Uhr begann eine Serie von Luftangriffen. Laut Israel wurden rund 100 Ziele im ganzen Land innerhalb von nur zehn Minuten getroffen. Für die Menschen vor Ort war es ein Moment, der alles zerstörte.
Mohammed verlor an diesem Tag seinen Sohn Abbas. Der Junge schlief, als die Bombe einschlug. „Die drei Stockwerke über mir sind alle in einen Raum gestürzt“, erzählt er. Sein Sohn wurde unter den Trümmern begraben. „Dieses Haus kann man wieder aufbauen. Aber meinen Sohn bekomme ich nie zurück.“
Die Bilanz dieses Tages ist verheerend: Über 360 Tote und mehr als 1.000 Verletzte. Allein in diesem Viertel sollen über 80 Menschen gestorben sein, darunter auch viele Kinder.
Überlebende berichten von Szenen, die kaum zu begreifen sind. Menschen, die unter Trümmern eingeklemmt waren und um Hilfe riefen. Einer von ihnen ist Ghassan Jawad. Er wurde unter seinem eingestürzten Haus begraben. „Ich dachte, ich bin tot“, sagt er. Seine Katze begann, ein Loch zu graben, durch das er atmen konnte, bis Nachbarn ihn befreiten. Seine Mutter und weitere Familienmitglieder überlebten nicht.
Zur gleichen Zeit traf es auch andere Teile Beiruts und des Landes. In einem belebten Stadtviertel explodierten Bomben ohne Vorwarnung mitten im Alltag. Menschen im Fitnessstudio, im Restaurant oder beim Friseur wurden überrascht. Auch dort gab es Tote und Verletzte.
Israel erklärte, militärische Ziele der Hisbollah angegriffen zu haben. Die libanesischen Behörden hingegen sagen, die meisten Opfer seien Zivilisten gewesen. Eine vollständige Klärung, wer genau getroffen werden sollte, gibt es bisher nicht.
Für die Menschen vor Ort spielt das kaum noch eine Rolle. Für sie bleibt dieser Tag als „Schwarzer Mittwoch“ in Erinnerung – zehn Minuten, die ganze Leben ausgelöscht haben.
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