Vier Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl beginnt in den USA bereits das traditionelle Lieblingshobby Washingtons: über Kandidaten spekulieren, die offiziell noch gar nicht kandidieren.
Eine neue Umfrage des Instituts AtlasIntel bringt dabei zwei Namen nach vorne, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Auf demokratischer Seite führt überraschend Alexandria Ocasio-Cortez, bei den Republikanern liegt Außenminister Marco Rubio deutlich vorne.
AOC plötzlich Spitzenreiterin
Die progressive Kongressabgeordnete aus New York erreicht laut Umfrage 26 Prozent unter demokratischen Vorwahlwählern – und landet damit erstmals vor prominenten Parteikollegen wie Ex-Verkehrsminister Pete Buttigieg und Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom.
Dass ausgerechnet AOC nun die Demokraten anführt, zeigt vor allem eines: Die Partei sucht noch immer nach einer klaren Identität zwischen linkem Aktivismus, Obama-Nostalgie und der verzweifelten Hoffnung, endlich jemanden zu finden, der gleichzeitig TikTok versteht und in Pennsylvania gewinnt.
Offiziell denkt Ocasio-Cortez natürlich nicht an eine Kandidatur. Jedenfalls nicht öffentlich. In einem Interview sagte sie kürzlich, ihre „Ambition“ sei größer als ein Amt oder ein Titel. Sie wolle „das Land verändern“. Ein Satz, der in amerikanischer Politik traditionell bedeutet: Die Berater testen bereits erste Wahlkampflogos.
Rubio dominiert Republikaner
Bei den Republikanern führt Marco Rubio mit komfortablen 45 Prozent. Vizepräsident JD Vance und Floridas Gouverneur Ron DeSantis folgen mit deutlichem Abstand.
Donald Trump selbst hält sich offiziell noch zurück – zumindest halbwegs. Bei einem Auftritt im Weißen Haus bezeichnete er Rubio und Vance als „perfektes Ticket“, schob aber sofort hinterher, das bedeute selbstverständlich keine offizielle Unterstützung. In Trump-Sprache entspricht das ungefähr einer öffentlichen Verlobung mit anschließendem Hinweis, man sei „einfach gute Freunde“.
Die USA im permanenten Vorwahlmodus
Bemerkenswert ist weniger die konkrete Umfrage als der Zeitpunkt: Die Wahl 2028 liegt noch Jahre entfernt, doch Amerikas Politikbetrieb befindet sich längst wieder im Dauerwahlkampf.
Während außenpolitisch über China, Iran und neue Krisen diskutiert wird, kreist die Innenpolitik bereits um dieselbe ewige Frage: Wer wird der nächste große Hoffnungsträger der Nation?
Die Antwort lautet derzeit offenbar:
Bei den Demokraten eine linke Social-Media-Ikone aus der Bronx.
Bei den Republikanern ein außenpolitischer Hardliner aus Florida.
Und irgendwo dazwischen versucht Donald Trump weiterhin so zu tun, als würde sich die Zukunft der Republikanischen Partei nicht ausschließlich um ihn drehen.
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