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Touristenboom in Spanien: Profit auf Rekordniveau – doch die Stimmung kippt

stux (CC0), Pixabay
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Spanien erlebt einen neuen Tourismusrekord nach dem anderen. Während Konflikte im Nahen Osten viele Urlauber von Reisezielen wie Dubai, Ägypten oder Teilen der östlichen Mittelmeerregion fernhalten, profitiert das Land auf der Iberischen Halbinsel massiv von der Unsicherheit anderswo.

Allein 2025 kamen rund 97 Millionen ausländische Besucher nach Spanien. Für 2026 rechnet die Branche sogar mit der magischen Marke von 100 Millionen Touristen. Für Hoteliers und Reiseanbieter ist das eine Erfolgsgeschichte. Für viele Spanier hingegen wird der Boom zunehmend zum Problem.

Besonders deutlich wird die Entwicklung in Benidorm an der Costa Blanca. Die Stadt mit ihren knapp 77.000 Einwohnern wächst im Sommer auf das Fünffache ihrer eigentlichen Bevölkerung an. Tourismusvertreter sprechen von wirtschaftlichen Chancen und einem Erfolgsmodell. Doch nicht überall wird diese Begeisterung geteilt.

Krisen anderswo werden zum Geschäft für Spanien

Branchenvertreter räumen offen ein, dass internationale Konflikte die Buchungszahlen zusätzlich antreiben. Immer dann, wenn es im östlichen Mittelmeerraum oder im Nahen Osten zu Spannungen kommt, profitieren spanische Urlaubsregionen von zusätzlichen Gästen.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im April verzeichnete Spanien mit 9,1 Millionen internationalen Besuchern einen neuen Rekordwert für diesen Monat. Gleichzeitig gingen die Passagierzahlen am Flughafen Dubai infolge der regionalen Krise drastisch zurück.

Für die spanische Wirtschaft ist das ein wichtiger Wachstumsmotor. Rund 13 Prozent der Wirtschaftsleistung hängen direkt vom Tourismus ab. Spanien wächst derzeit deutlich stärker als viele andere große europäische Volkswirtschaften.

Immer mehr Spanier haben genug

Doch hinter den Rekordzahlen wächst der Frust. Was für Urlauber Sonne, Strand und günstige Apartments bedeutet, wird für viele Einheimische zum täglichen Problem.

Vor allem die Wohnungsnot sorgt für Wut. In Städten wie Barcelona, Valencia oder auf den Balearen werfen Bürger dem Massentourismus vor, die Mieten in die Höhe zu treiben. Vermieter orientieren sich zunehmend an den deutlich höheren Einkommen internationaler Besucher statt an den Möglichkeiten der lokalen Bevölkerung.

Aktivisten berichten von Bewohnern, die ihre Wohnungen verlassen müssen, weil die Mieten nach Vertragsverlängerungen sprunghaft steigen. Ganze Stadtviertel drohen sich zu touristischen Kulissen zu entwickeln, während normale Familien verdrängt werden.

In Asturien tauchten zuletzt Graffiti mit der Botschaft auf: „Euer Geschäft, unser Ruin.“

Regierung greift ein

Auch die Politik reagiert mittlerweile. Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte bereits, Spanien habe „zu viele Airbnbs und zu wenige Wohnungen“. Die Regierung verhängte hohe Strafen gegen Anbieter nicht genehmigter Ferienwohnungen.

Barcelona geht noch weiter. Bis 2028 sollen sämtliche rund 10.000 Lizenzen für Kurzzeitvermietungen auslaufen. Zudem wird die Touristensteuer für Kreuzfahrtgäste deutlich erhöht.

Die Tourismusbranche warnt allerdings vor wirtschaftlichen Schäden und dem Verlust tausender Arbeitsplätze. Kritiker halten dagegen, dass die Lebensqualität der Einwohner nicht dauerhaft dem Wachstum geopfert werden könne.

Das Erfolgsmodell stößt an seine Grenzen

Spanien befindet sich in einem Dilemma. Einerseits sorgt der Tourismus für Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Andererseits wächst die Unzufriedenheit in vielen Städten und Regionen, die unter überfüllten Innenstädten, steigenden Mieten und einer zunehmenden Verdrängung der Bevölkerung leiden.

Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, wie Spanien noch mehr Touristen anlocken kann. Sondern wie das Land verhindern will, dass der Rekordboom am Ende die Akzeptanz der eigenen Bevölkerung verliert.

Denn selbst Vertreter der Branche warnen inzwischen: Wenn sich Touristen irgendwann nicht mehr willkommen fühlen – oder die Einheimischen sich im eigenen Wohnort fremd vorkommen –, könnte aus dem spanischen Erfolgsmodell schnell ein gesellschaftliches Problem werden.

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