Rund neun Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt eine neue Umfrage für erhebliche politische Brisanz. Erstmals würde das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) den Einzug in den Landtag schaffen – und könnte gemeinsam mit der AfD eine parlamentarische Mehrheit bilden. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) stünde damit vor einer äußerst schwierigen Ausgangslage.
Der Umfrage zufolge bleibt die AfD mit 41 Prozent deutlich stärkste Kraft, verliert gegenüber der Erhebung im Mai jedoch einen Prozentpunkt. Die CDU kommt nur noch auf 23 Prozent und erreicht damit ihren niedrigsten Umfragewert seit 2013. Im Juni 2025 hatte die Union noch bei 34 Prozent gelegen.
Die Linke würde unverändert auf 13 Prozent kommen, die SPD auf sechs Prozent. Das BSW verbessert sich von vier auf fünf Prozent und würde damit erstmals in den Landtag einziehen. Grüne und FDP liegen mit jeweils vier Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde und wären nach derzeitigem Stand nicht im Parlament vertreten.
Hochgerechnet auf den Landtag
Legt man die aktuellen Umfragewerte zugrunde und berücksichtigt nur die Parteien, die den Einzug in den Landtag schaffen würden, ergäbe sich folgende Sitzverteilung im 97 Sitze umfassenden Landtag von Sachsen-Anhalt:
- AfD: 45 Mandate
- CDU: 25 Mandate
- Die Linke: 14 Mandate
- SPD: 7 Mandate
- BSW: 6 Mandate
Damit kämen AfD und BSW gemeinsam auf 51 von 97 Mandaten und hätten damit eine eigene Mehrheit im Landtag. CDU, Linke und SPD würden zusammen lediglich 46 Sitze erreichen und könnten ohne weitere Partner keine Regierung bilden.
Wagenknecht spricht von möglichem Machtwechsel
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht wertete die Umfrage als Bestätigung ihres Kurses. Gegenüber Bild erklärte sie, dass sich eine Mehrheit der Bürger in Sachsen-Anhalt Veränderungen wünsche. Nur mit dem BSW im Landtag könne der CDU-Ministerpräsident abgelöst werden.
Die AfD hält unterdessen an ihrem Ziel fest, aus eigener Kraft die stärkste Regierungspartei zu werden. Parteisprecher Patrick Harr betonte, der Anspruch bleibe bestehen, die Landesregierung selbst zu stellen.
Politikwissenschaftler sieht Zusammenarbeit als möglich an
Der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke hält eine Zusammenarbeit von AfD und BSW nach der Wahl zumindest für denkbar. Die jüngsten Signale von Sahra Wagenknecht deuteten darauf hin, dass das BSW bereit sein könnte, der AfD zu einer parlamentarischen Mehrheit zu verhelfen.
Wagenknecht will den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt in den kommenden Wochen weiter intensivieren. Ab dem 19. August sind mehrere Auftritte unter anderem in Halberstadt, Stendal, Dessau-Roßlau, Magdeburg und Halle geplant.
Hinweis: Die Mandatsberechnung basiert auf einer proportionalen Hochrechnung der veröffentlichten Umfragewerte unter Berücksichtigung der Fünf-Prozent-Hürde. Das tatsächliche Wahlergebnis kann aufgrund von Direktmandaten, Rundungen und dem endgültigen Stimmenverhältnis davon abweichen.
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