Ein ungewöhnliches Wohnungsangebot aus Kalifornien hat in den USA für heftige Diskussionen gesorgt. In Walnut Creek, einer wohlhabenden Stadt in der Nähe von San Francisco, wurde ein neu gebautes Einzimmerhaus zur Miete angeboten. Die monatliche Miete betrug 3.250 US-Dollar und umfasste bereits Internet, Nebenkosten und Gartenpflege.
Im Kleingedruckten fand sich jedoch eine zusätzliche Bedingung: Wer regelmäßig von zu Hause arbeitete, sollte weitere 200 Dollar pro Monat bezahlen.
Wohnungsanzeige sorgt für Empörung
Die Anzeige verbreitete sich rasch in sozialen Netzwerken. Viele Nutzer bezeichneten die Gebühr als absurd und nicht nachvollziehbar. Besonders groß war die Kritik, weil die Mieten in der San Francisco Bay Area ohnehin zu den höchsten in den Vereinigten Staaten gehören.
Das Inserat ist inzwischen nicht mehr online. Die Eigentümer reagierten laut „USA Today“ nicht auf eine Anfrage.
Auch aus anderen Teilen des Landes wurden ähnliche Fälle bekannt. Ein Nutzer berichtete, er habe auf eine Wohnung in North Carolina verzichtet, nachdem der Vermieter eine monatliche Homeoffice-Gebühr von 300 Dollar angekündigt hatte.
Höhere Nebenkosten als Begründung
Seit der Corona-Pandemie arbeiten deutlich mehr Menschen regelmäßig von zu Hause. Dadurch achten Vermieter stärker auf mögliche Mehrkosten bei Strom, Wasser, Heizung und Klimaanlage.
Nach Angaben von Immobilienexperten verlangen einzelne Eigentümer deshalb höhere Pauschalen von Menschen im Homeoffice. Üblich sei das jedoch nicht.
In Mehrfamilienhäusern würden Nebenkosten häufiger über eigene Zähler oder nach Wohnungsgröße, Zimmerzahl und Anzahl der Bewohner verteilt. Eine pauschale Gebühr allein für das Arbeiten am Computer gelte dagegen als ungewöhnlich.
Teurer Wohnungsmarkt schafft Spielraum
Walnut Creek liegt in einem besonders angespannten Mietmarkt. Die Preise für Einzimmerwohnungen in der Region sollen innerhalb eines Jahres um 23 Prozent auf durchschnittlich 4.180 Dollar gestiegen sein. Zweizimmerwohnungen verteuerten sich demnach um 26 Prozent auf rund 6.020 Dollar.
In einem solchen Markt könnten Vermieter eher versuchen, zusätzliche Gebühren durchzusetzen, erklärt Alexandra Alvarado von der American Apartment Owners Association. Die starke Nachfrage mache eine Homeoffice-Gebühr jedoch weder üblich noch empfehlenswert.
Immer mehr Mieter durch Zusatzkosten belastet
Etwa die Hälfte aller Mieter in den USA gilt inzwischen als finanziell überlastet. Sie geben mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Miete und Nebenkosten aus.
Zusätzliche Gebühren für Verwaltung, Haustiere, Parkplätze, Müllentsorgung oder technische Dienstleistungen können die monatlichen Wohnkosten nochmals deutlich erhöhen. Gegen solche sogenannten Junk Fees gehen Mieter zunehmend auch gerichtlich vor.
Der öffentliche Ärger über die Homeoffice-Gebühr zeige, dass viele Menschen klare und vorhersehbare Mietpreise erwarten.
Experten halten Gebühr für schwer begründbar
Früher enthielten Mietverträge häufig Klauseln, die den Betrieb eines Unternehmens in einer Wohnung einschränkten. Dabei ging es vor allem um Kundenverkehr, Lärm oder zusätzliche Mitarbeiter im Gebäude.
Ruhige Bildschirmarbeit von zu Hause sei damit jedoch kaum vergleichbar, so Alvarado. Eine besondere Gebühr nur wegen einer Remote- oder Hybridtätigkeit lasse sich deshalb nur schwer rechtfertigen.
Der Stanford-Ökonom Nick Bloom geht noch weiter. Menschen im Homeoffice hätten in der Regel ein geregeltes Einkommen und würden ihre Wohnung besonders sorgfältig behandeln, weil sie zugleich ihr Arbeitsplatz sei. Vermieter sollten ihnen daher eher einen Rabatt anbieten, statt zusätzliche Gebühren zu verlangen.
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