Die ohnehin angespannte Sicherheitslage im Persischen Golf hat sich weiter verschärft. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters sollen iranische Streitkräfte am Dienstag drei zivile Handelsschiffe in den Hoheitsgewässern Omans nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus angegriffen haben. Washington spricht von einem schwerwiegenden Verstoß gegen das bestehende Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran.
Besonders betroffen war nach Angaben des katarischen Außenministeriums der unter der Flagge Katars fahrende Flüssiggastanker „Al-Rakiyat“. Das Schiff sei während der Durchfahrt in der Nähe der Meerenge getroffen worden. Die britische Schifffahrtsüberwachungsstelle UK Maritime Trade Operations (UKMTO) berichtete, der Tanker sei an der Backbordseite beschädigt worden, wodurch ein Feuer ausgebrochen sei. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand, auch Umweltschäden wurden zunächst nicht gemeldet.
Das katarische Außenministerium machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einem „schwerwiegenden und eindeutigen Verstoß gegen das Völkerrecht“. Teheran wurde aufgefordert, alle Handlungen einzustellen, die die Sicherheit der internationalen Schifffahrt gefährden könnten.
Aus dem Iran selbst gibt es bislang keine offizielle Bestätigung. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, ein katarischer Tanker sei angegriffen worden, nachdem er angeblich wiederholte Warnungen iranischer Behörden missachtet habe. Gleichzeitig räumte die Agentur ein, dass diese Darstellung bislang von keiner offiziellen Stelle bestätigt worden sei.
Der Vorfall ereignete sich unmittelbar vor der Abreise von US-Präsident Donald Trump zum NATO-Gipfel in Ankara. Dort dürfte die Sicherheitslage rund um die Straße von Hormus zu den zentralen Themen gehören. Gleichzeitig ruhen derzeit die ohnehin schwierigen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran während der mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten für den getöteten iranischen Revolutionsführer Ali Chamenei.
Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen könnten nur stattfinden, wenn Drohungen gegen den Iran beendet würden. Gleichzeitig verweist das Memorandum of Understanding ausdrücklich darauf, dass der Iran sichere und freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus gewährleisten müsse.
Die rund 50 Kilometer breite Meerenge zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Vor Beginn des jüngsten Konflikts wurde rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls über die Straße von Hormus transportiert. Entsprechend aufmerksam beobachten Regierungen und Finanzmärkte jede neue Eskalation in der Region.
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