Trotz der seit April geltenden Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ist die Lage im Nahen Osten erneut eskaliert. In der Nacht kam es zu gegenseitigen Angriffen, bei denen der Iran Ziele in Kuwait und Bahrain attackierte und die USA militärisch auf iranischem Gebiet reagierten.
Flughafen in Kuwait getroffen
Besonders schwer traf es Kuwait. Nach Angaben der kuwaitischen Behörden wurde der internationale Flughafen des Landes bei einem iranischen Angriff beschädigt. Ein indischer Staatsbürger kam ums Leben, mindestens 63 weitere Menschen wurden verletzt, sieben davon so schwer, dass Notoperationen erforderlich waren. Das Passagierterminal erlitt erhebliche Schäden, der Flugverkehr musste ausgesetzt werden.
Die kuwaitische Regierung reagierte scharf und erklärte zwei Mitglieder der iranischen Botschaft zu unerwünschten Personen („Persona non grata“). Gleichzeitig wurde dem iranischen Geschäftsträger offiziell Protest übermittelt.
Iran greift US-Ziele in der Golfregion an
Nach iranischen Angaben richteten sich die Angriffe gegen amerikanische Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain sowie gegen ein Schiff nahe der Straße von Hormus. Teheran bezeichnete die Attacken als Vergeltung für vorausgegangene US-Militäraktionen.
Die USA hatten zuvor nach Angaben des Regionalkommandos CENTCOM einen mit dem Iran in Verbindung gebrachten Öltanker mittels einer Hellfire-Rakete außer Gefecht gesetzt. Zudem wurden Luftangriffe auf militärische Ziele auf der iranischen Insel Qeschm durchgeführt. Washington sprach von „Selbstverteidigungsschlägen“.
Breite Kritik an Iran
Mehrere Staaten der Region verurteilten die iranischen Angriffe scharf. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Jordanien, Kuwait, Bahrain und weitere Länder warfen Teheran vor, die Stabilität der Region zu gefährden und gegen internationales Recht zu verstoßen.
Trump kritisiert Netanjahu
US-Präsident Donald Trump äußerte sich zugleich überraschend kritisch gegenüber Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er sei „verärgert“ beziehungsweise „beunruhigt“ über die anhaltenden israelischen Angriffe im Libanon gewesen. Nach eigenen Angaben habe er Netanjahu aufgefordert, die militärischen Aktivitäten einzuschränken, um die laufenden Bemühungen um ein Friedensabkommen mit dem Iran nicht zu gefährden.
Friedensverhandlungen weiter ungewiss
Ob die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran Fortschritte machen, bleibt unklar. Während Trump von positiven Kontakten spricht und sogar ein Treffen mit Irans Oberstem Führer Mojtaba Khamenei nicht ausschließt, berichten iranische Medien von stockenden Verhandlungen. Demnach habe Teheran bislang nicht auf einen amerikanischen Vorschlag für ein mögliches Abkommen reagiert.
Sorge vor neuer Eskalation
Obwohl beide Seiten offiziell an der Waffenruhe festhalten, zeigen die jüngsten Angriffe, wie fragil die Situation weiterhin ist. Mit jedem neuen Schlagabtausch wächst die Gefahr, dass der Konflikt erneut außer Kontrolle gerät und die gesamte Golfregion in eine neue Eskalationsspirale gezogen wird.
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