Amerika verteilt Gratis-Eis – Deutschland diskutiert vermutlich noch über die korrekte Kugelgröße
Am Sonntag, dem 19. Juli, feiern die USA den National Ice Cream Day. Einen ganzen Tag lang dreht sich alles um Eis, Rabatte, Gratisportionen und die wichtige gesellschaftliche Frage, ob Vanille wirklich eine Geschmacksrichtung oder nur die sichere Flucht vor Entscheidungen ist.
Der Feiertag wurde bereits 1984 von US-Präsident Ronald Reagan eingeführt. Er erklärte nicht nur den dritten Sonntag im Juli zum nationalen Eiscremetag, sondern gleich den gesamten Juli zum nationalen Eiscrememonat.
Das war vermutlich die beliebteste politische Entscheidung seiner Amtszeit.
Seitdem gilt in den USA: Im Juli darf Eis nicht nur gegessen, sondern patriotisch konsumiert werden.
Vanille gewinnt erneut die Wahl
Nach Daten des Lieferdienstes Instacart war Vanille auch 2025 die meistbestellte Eissorte in den Vereinigten Staaten. Fast 21 Prozent aller Bestellungen entfielen auf die klassische Sorte.
Vanille gewann dabei in allen 50 Bundesstaaten und zusätzlich in Washington, D.C.
Das ist eine politische Mehrheit, von der amerikanische Präsidenten nur träumen können.
Auf den weiteren Plätzen folgten Schokolade, Cookie Dough, Cookies & Cream sowie Chocolate Fudge Brownie.
Mit anderen Worten: Die Amerikaner mögen ihr Eis entweder klassisch oder so reichhaltig, dass der Löffel beim ersten Kontakt einen Kreditantrag stellen muss.
Häagen-Dazs liegt vorne
Bei den Marken führte Häagen-Dazs die Bestellliste an, dicht gefolgt von Ben & Jerry’s. Breyers belegte Platz drei, dahinter folgten Tillamook und Halo Top.
Auch kleinere Premiumhersteller legten deutlich zu. Besonders gefragt waren Marken, die ihr Eis als biologisch, hochwertig, proteinreich, kohlenhydratarm oder anderweitig moralisch vertretbar verkaufen.
Denn moderne Konsumenten möchten nicht nur Eis essen.
Sie möchten dabei auch das Gefühl haben, etwas für Gesundheit, Klima und persönliche Weiterentwicklung getan zu haben.
Das funktioniert besonders gut, solange man die Nährwerttabelle geschlossen hält.
Gratis-Eis für alle – zumindest mit App
Zum National Ice Cream Day locken zahlreiche amerikanische Ketten mit Sonderaktionen.
Bei Dairy Queen erhalten Mitglieder des Bonusprogramms zu einer Bestellung ab einem Dollar einen kostenlosen Dilly Bar.
Voraussetzung sind eine App, eine Anmeldung, ein Kundenkonto und vermutlich die Zustimmung zu ungefähr 47 Seiten Datenschutzbestimmungen.
Früher sagte man einfach:
„Hier ist ein Eis.“
Heute lautet die moderne Variante:
„Bitte erstellen Sie zunächst ein Passwort mit mindestens acht Zeichen, einer Zahl und einem Sonderzeichen.“
Friendly’s nimmt den Feiertag ernst
Besonders großzügig zeigt sich die Restaurantkette Friendly’s. Dort bekommt am 19. Juli jeder Gast eine kostenlose Eiswaffel oder einen Eisbecher – ganz ohne Kaufpflicht.
Das ist bemerkenswert.
Kein Mindestbestellwert.
Keine App.
Keine Punkte.
Kein QR-Code.
Einfach Eis.
Ein Geschäftsmodell aus einer längst vergangenen Zeit, als Kunden noch Menschen und keine Datensätze waren.
Dippin’ Dots verschenkt kleine Kügelchen
Auch Dippin’ Dots beteiligt sich an der Feier. An teilnehmenden Standorten gibt es während eines festgelegten Zeitfensters einen kostenlosen Mini-Becher.
Dippin’ Dots bezeichnet sich gern als „Eis der Zukunft“. Die Zukunft ist dabei offenbar klein, rund und nur zwei Stunden lang verfügbar.
Zusätzlich gibt es Rabatte bei Onlinebestellungen und die Chance, Eis für ein ganzes Jahr zu gewinnen.
Was „Eis für ein Jahr“ genau bedeutet, bleibt vermutlich absichtlich unklar.
Eine Portion pro Woche?
Eine Portion pro Tag?
Oder ein industrieller Tiefkühlcontainer, den man anschließend dem Vermieter erklären muss?
Wendy’s verkauft Frostys für einen Dollar
Wendy’s bietet Schokoladen- und Vanille-Frostys für einen Dollar an. Mitglieder des Bonusprogramms dürfen bereits am 19. Juli zugreifen, alle anderen erst ab dem folgenden Tag.
Damit gibt es nun sogar beim Eis eine Zweiklassengesellschaft.
Wer registriert ist, bekommt früher Nachtisch.
Wer anonym bleiben möchte, muss 24 Stunden länger leiden.
Graeter’s feiert 156 Jahre mit 1,56 Dollar
Die traditionsreiche Kette Graeter’s verkauft einzelne Eiskugeln für 1,56 Dollar – passend zum 156-jährigen Firmenjubiläum.
Das ist eine erfreulich nachvollziehbare Rabattlogik.
Bei einem 200-jährigen Jubiläum könnte die Kugel allerdings zwei Dollar kosten.
Man sollte deshalb vorsichtig sein, was man Traditionsunternehmen wünscht.
DoorDash liefert den Rabatt nach Hause
Auch Lieferdienste steigen ein. DashPass-Mitglieder können beim Kauf von zwei Häagen-Dazs-Bechern sparen und erhalten unter bestimmten Voraussetzungen einen kostenlosen Wendy’s Frosty.
Damit kann man den National Ice Cream Day vollständig feiern, ohne das Sofa zu verlassen.
Die amerikanische Freiheit besteht schließlich auch darin, dass selbst der Weg zur Eisdiele optional geworden ist.
Dunkin’ feiert den Eiscremetag mit Donuts
Dunkin’ vergibt am National Ice Cream Day zusätzliche Punkte für Donuts und Munchkins.
Warum ein Donut-Anbieter den Eiscremetag mit Gebäck feiert, wird nicht näher erläutert.
Vermutlich gilt in der amerikanischen Lebensmittelwirtschaft die einfache Regel:
Jeder Feiertag ist ein guter Anlass für Zucker.
Und damit liegt Dunkin’ vermutlich nicht völlig falsch.
Deutschland braucht ebenfalls einen Eisfeiertag
An dieser Stelle stellt sich eine ernsthafte Frage:
Wäre der Nationale Eiscremetag nicht auch ein großartiger Feiertag für Deutschland?
Das Land verfügt über hervorragende Eisdielen, engagierte Besitzer, lange Schlangen und Menschen, die bei 14 Grad und Nieselregen erklären:
„Für ein Eis ist es nie zu kalt.“
Deutschland wäre also bestens vorbereitet.
Man müsste nur einen Termin bestimmen.
Der dritte Sonntag im Juli wäre geeignet. Allerdings müsste vorher geklärt werden, ob der Eisverkauf am Sonntag mit Ladenöffnungszeiten, kommunalen Satzungen und der Ruhezone vor dem Eiscafé vereinbar ist.
Außerdem bräuchte es selbstverständlich eine DIN-Norm für die Mindestgröße einer Kugel.
Der deutsche Eisfeiertag könnte so aussehen
Ein möglicher Nationaler Eiscremetag in Deutschland könnte folgende Regeln haben:
Jeder Bürger erhält eine kostenlose Kugel.
Bei Vorlage des Personalausweises gibt es eine zweite.
Kinder bekommen Streusel.
Rentner Sahne.
Und wer „Stracciatella“ korrekt ausspricht, wird sofort zum Ehrenbürger ernannt.
Natürlich müsste auch die Sortenfrage demokratisch entschieden werden.
Vanille wäre vermutlich stärkste Kraft, Schokolade käme knapp dahinter und Pistazie würde erklären, sie sei wegen ihrer hohen Preise Opfer internationaler Rohstoffmärkte.
Schwierige Koalitionsverhandlungen an der Eistheke
In Deutschland könnte die Zusammenstellung eines Eisbechers schnell politische Dimensionen annehmen.
Vanille und Schokolade bilden eine große Koalition.
Erdbeere fordert mehr soziale Gerechtigkeit.
Zitrone verlangt strengere Klimaziele.
Pistazie erklärt, Qualität habe nun einmal ihren Preis.
Schlumpfeis weigert sich, seine Zutaten offenzulegen.
Und Malaga scheitert an der Alterskontrolle.
Am Ende erhält jeder drei Kugeln, aber niemand genau die Sorten, die er ursprünglich bestellt hatte.
Ein Feiertag mit echtem Nutzen
Ein nationaler Eiscremetag hätte zahlreiche Vorteile.
Er würde die Stimmung verbessern, lokale Eisdielen unterstützen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Menschen unterschiedlicher Herkunft, politischer Überzeugung und Fußballvereine könnten friedlich nebeneinanderstehen und gemeinsam über die gestiegenen Kugelpreise schimpfen.
Das wäre gelebte Demokratie.
Vielleicht ist Eis sogar das letzte Thema, bei dem sich Deutschland noch auf einen gemeinsamen Nenner einigen kann.
Außer bei Lakritz.
Da endet die nationale Einheit.
Fazit
Die USA feiern am 19. Juli ihren National Ice Cream Day mit kostenlosen Portionen, Rabatten und Sonderaktionen.
Vanille bleibt die beliebteste Sorte, Häagen-Dazs die meistbestellte Marke und zahlreiche Unternehmen nutzen den Tag für sehr kaltes Marketing.
Deutschland schaut bislang nur zu.
Dabei wäre ein nationaler Eiscremetag möglicherweise genau das, was das Land braucht:
weniger Streit, mehr Kugeln und wenigstens für einen Tag eine Politik, die wirklich jedem schmeckt.
Also ernsthaft: Wäre das nicht auch ein toller Tag für Deutschland?
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