Nach neuen ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Energieanlagen wird auf der von Russland annektierten Krim nun Benzin rationiert. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow kündigte Einschränkungen beim Verkauf von Kraftstoff an.
Besonders betroffen ist Benzin der Sorte AI-95, vergleichbar mit Superbenzin in Europa. Dieser Treibstoff soll künftig vorrangig für öffentliche Verkehrsmittel und soziale Fahrdienste bereitgestellt werden. Privatpersonen dürfen nur noch mit speziellen Bezugsscheinen tanken. Für die Sorte AI-92 gilt eine Obergrenze von 20 Litern pro Fahrzeug. Das Befüllen von Kanistern wurde komplett untersagt.
Aksjonow versuchte zugleich, die Bevölkerung zu beruhigen. Die Lage solle sich innerhalb eines Monats stabilisieren. Bürger wurden aufgefordert, keine Vorräte anzulegen und „wie gewohnt“ zu tanken.
Hintergrund der Maßnahmen dürften die verstärkten ukrainischen Angriffe auf Russlands Energieinfrastruktur sein. In der Nacht auf Sonntag griffen ukrainische Drohnen unter anderem ein großes Öllager nahe Taganrog am Asowschen Meer an. Dort brach ein Großbrand aus, örtliche Behörden riefen den Notstand aus. Nach Angaben der Stadtverwaltung standen Tausende Quadratmeter in Flammen, auch Wohnhäuser und Geschäfte wurden beschädigt.
Nach ukrainischen Angaben wurde außerdem ein wichtiger Verteilerpunkt einer Erdölpipeline in der Region Kirow getroffen. Die Leitung transportiert Öl aus Sibirien zu russischen Ostseehäfen und nach Belarus.
Auch eine Raffinerie in Saratow an der Wolga soll Ziel der Angriffe gewesen sein. Die Anlage gehört dem staatlichen Ölkonzern Rosneft und war bereits mehrfach attackiert worden. Russische Behörden bestätigten Schäden an ziviler Infrastruktur, nannten jedoch keine Details.
Die Krim kämpft bereits seit einiger Zeit mit Problemen bei der Treibstoffversorgung. Ursache sind unter anderem ukrainische Angriffe auf wichtige Transportwege in den von Russland besetzten Gebieten im Süden der Ukraine. Die sogenannte Landbrücke zur Halbinsel gilt als zentrale Versorgungsroute für Benzin und Diesel.
Gleichzeitig profitiert Russland derzeit von hohen Ölpreisen infolge der Spannungen im Nahen Osten und der Unsicherheit rund um die Straße von Hormus. Da russisches Öl wegen westlicher Sanktionen vor allem nach Asien exportiert wird, versucht die Ukraine verstärkt, Russlands Energieexporte und damit wichtige Einnahmequellen des Kremls zu treffen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte zuletzt, allein die Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur hätten Russland im März Einnahmeverluste von mehr als zwei Milliarden Dollar verursacht.
Auch Russland setzte seine Angriffe auf die Ukraine fort. Nach ukrainischen Angaben wurde am Wochenende unter anderem ein Gebäude des Paketdienstes Nowa Poschta durch eine Drohne getroffen und zerstört.
Kommentar hinterlassen