Wenige Tage nach dem vorläufigen Ende des Mordprozesses gegen Lindsay Clancy haben sich sowohl ihr Verteidiger als auch ein Anwalt ihres früheren Ehemanns öffentlich geäußert. Während Verteidiger Kevin Reddington Präsident Donald Trump um eine Begnadigung bat, ging die rechtliche Vertretung von Patrick Clancy gegen unbelegte Anschuldigungen im Internet vor.
Eine Richterin im US-Bundesstaat Massachusetts hatte das Verfahren am 4. September für gescheitert erklärt, nachdem sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten. Die Staatsanwaltschaft wirft der 36-jährigen Lindsay Clancy vor, ihre drei Kinder Cora, Dawson und Callan im Jahr 2023 vorsätzlich getötet zu haben. Die Verteidigung argumentiert dagegen, sie sei aufgrund einer Wochenbettpsychose zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig gewesen. Eine rechtskräftige Verurteilung liegt nicht vor.
Bezirksstaatsanwalt Tim Cruz will demnächst entscheiden, ob er einen neuen Prozess anstrebt. Verteidiger Reddington erklärte in der Sendung „Good Morning America“, er sei grundsätzlich bereit, über eine Einigung zu sprechen. Nach den im Verfahren vorgelegten Beweisen hoffe er jedoch, dass die Staatsanwaltschaft ihre Position noch einmal überdenke und eine für beide Seiten tragbare Lösung gefunden werde.
Zugleich richtete Reddington einen Appell an Präsident Trump. Dieser solle berücksichtigen, was seine Mandantin durchgemacht habe, und eine Begnadigung prüfen. Eine solche Maßnahme wäre in diesem Fall allerdings rechtlich nicht möglich: Der US-Präsident darf nur wegen Straftaten auf Bundesebene begnadigen. Gegen Clancy wird hingegen nach dem Strafrecht des Bundesstaates Massachusetts vorgegangen.
Trump hatte den Fall zuvor als eine schreckliche Situation bezeichnet. Er erklärte, Clancy habe etwas Entsetzliches getan und müsse mit einer Unterbringung im Gefängnis oder in einer psychiatrischen Einrichtung rechnen. Über Schuld und mögliche Konsequenzen ist nach dem ergebnislosen Prozess jedoch weiterhin nicht abschließend entschieden.
Unterdessen wehrt sich Patrick Clancy gegen Verschwörungserzählungen, die nach Angaben seines Anwalts Howard Cooper im Internet verbreitet werden. Influencer, kleinere Prominente und Verschwörungstheoretiker hätten ohne Belege behauptet, der Vater sei am Tod seiner Kinder beteiligt gewesen.
Cooper bezeichnete dies als eine eskalierende und zerstörerische Verleumdungskampagne. Die Strafverfolgungsbehörden seien informiert worden. Gegen Verantwortliche könnten rechtliche Schritte eingeleitet werden. Ziel sei es, die Verbreitung falscher Behauptungen zu stoppen und Patrick Clancy zu ermöglichen, sich wieder dem Gedenken an seine Kinder und der Unterstützung von Frauen mit psychischen Erkrankungen rund um Schwangerschaft und Geburt zu widmen.
Nach dem Abbruch des Prozesses hatte Patrick Clancy den Geschworenen über einen weiteren Anwalt für ihren Einsatz gedankt. Zugleich ließ er erklären, dass die Aussicht auf ein erneutes Verfahren und die damit verbundene Wiederholung der tragischen Ereignisse für ihn und seine Familie außerordentlich belastend sei.
Kommentar hinterlassen