In den USA sind acht Personen wegen ihrer Beteiligung an einem gewaltsamen Angriff auf ein Abschiebezentrum im Bundesstaat Texas zu insgesamt rund 450 Jahren Haft verurteilt worden. Nach Angaben des US-Justizministeriums sollen die Verurteilten Verbindungen zur linksradikalen Antifa-Bewegung gehabt haben.
Besonders hart traf es den ehemaligen Reservisten des US Marine Corps, Benjamin Hanil Song. Er wurde wegen versuchten Mordes an einem Polizeibeamten zu 100 Jahren Gefängnis verurteilt. Die weiteren Angeklagten erhielten Haftstrafen zwischen 30 und 70 Jahren.
Der Vorfall ereignete sich am 4. Juli vergangenen Jahres vor dem Prairieland Detention Center südlich von Dallas. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatten Teilnehmer der Demonstration Feuerwerkskörper auf das Gelände geworfen, Fahrzeuge beschädigt und Sicherheitsanlagen angegriffen. Während der Ausschreitungen wurde ein Polizeibeamter angeschossen.
Das US-Justizministerium wertete die Tat als gezielten Angriff auf staatliche Einrichtungen und Sicherheitskräfte. Ein Gericht bezeichnete die Ereignisse als „Angriff auf die Demokratie“.
Die Verurteilten wurden unter anderem wegen Aufruhrs, Waffen- und Sprengstoffdelikten, Unterstützung terroristischer Aktivitäten sowie Behinderung der Strafverfolgung schuldig gesprochen.
Die Verteidigung und Angehörige der Angeklagten kritisierten die ausgesprochenen Strafen als unverhältnismäßig hoch. Unterstützer der Verurteilten argumentieren, dass die Beteiligten ursprünglich an einer Demonstration zur Unterstützung von Migranten teilnehmen wollten. Einige Teilnehmer hätten die Veranstaltung als reine Protestaktion ohne geplante Gewalt verstanden.
Benjamin Hanil Song erklärte nach dem Urteil, er habe geschossen, weil er geglaubt habe, ein Beamter wolle auf einen Demonstranten feuern. Seine Familie bestreitet zudem, dass er gezielt auf den Polizisten geschossen habe.
Die US-Behörden sehen in der sogenannten North Texas Antifa Cell hingegen eine organisierte Gruppe, die sich gegen staatliche Institutionen und die bestehende Rechtsordnung richte. Das Justizministerium wirft der Gruppierung vor, den Sturz staatlicher Strukturen anzustreben.
Die Antifa-Bewegung ist seit Jahren ein politischer Streitpunkt in den USA. Präsident Donald Trump stufte die Bewegung 2025 per Dekret als inländische Terrororganisation ein. Kritiker dieser Einstufung verweisen darauf, dass Antifa keine zentral organisierte Organisation mit formaler Mitgliedschaft sei, sondern vielmehr eine politische Ideologie beziehungsweise ein loses Netzwerk unterschiedlicher Gruppen.
Gegen mehrere weitere Beteiligte laufen noch Verfahren. Die Urteile gegen zusätzliche Angeklagte sollen Anfang Juli verkündet werden.
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