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Mord mit dem Regenschirm: Der KGB-Anschlag, der London erschütterte

pdimaria (CC0), Pixabay
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Es war ein Mord wie aus einem Spionagethriller – nur dass er tatsächlich geschah. Am 7. September 1978 wartete der bulgarische Dissident, Journalist und Schriftsteller Georgi Markov an einer Bushaltestelle in London, als er plötzlich einen stechenden Schmerz im Oberschenkel spürte. Hinter ihm stand ein Mann mit einem Regenschirm, entschuldigte sich – und verschwand.

Vier Tage später war Markov tot. Zunächst vermuteten Ärzte eine Blutvergiftung. Doch Ermittler fanden in seinem Oberschenkel ein winziges Metallkügelchen, kaum größer als ein Stecknadelkopf. Es verfügte über vier mikroskopisch kleine Öffnungen, die offenbar eine tödliche Dosis Gift enthielten. Britische Experten kamen zu dem Schluss, dass wahrscheinlich Rizin verwendet worden war.

Besonders beunruhigend: Markovs Familie war schon Monate zuvor gewarnt worden. Seine Ehefrau Annabel berichtete später, ein unbekannter Mann habe erklärt, auf höchster politischer Ebene in Bulgarien sei beschlossen worden, Markov zu töten. Auch sein Bruder Nikola hatte bereits 1977 einen anonymen Anruf erhalten. Die Botschaft war unmissverständlich: Georgi solle „ohne jede Spur beseitigt“ und bei der ersten Gelegenheit vergiftet werden.

Markov war 1969 aus dem kommunistischen Bulgarien geflohen und hatte sich in Großbritannien niedergelassen. Dort arbeitete er unter anderem für den BBC World Service und Radio Free Europe. In seinen Sendungen berichtete er über Korruption, Machtmissbrauch und das Leben innerhalb der bulgarischen Führungsschicht. Besonders seine Beiträge über Staatschef Todor Schiwkow sollen das Regime erzürnt haben.

Der Verdacht auf eine staatlich organisierte Operation verstärkte sich durch einen zweiten Fall. Nur wenige Tage vor Markovs Tod war der bulgarische Exilant Vladimir Kostov in Paris auf ähnliche Weise verletzt worden. Auch aus seinem Körper wurde später ein nahezu identisches Metallkügelchen entfernt. Kostov überlebte vermutlich nur deshalb, weil die darin enthaltene Giftmenge zu gering war.

Ehemalige Geheimdienstmitarbeiter erklärten später, ein solcher Anschlag wäre ohne Wissen der sowjetischen Führung kaum denkbar gewesen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde zudem bekannt, dass der KGB tatsächlich einen Regenschirm entwickelt hatte, mit dem sich Rizin-Kügelchen in den Körper eines Opfers schießen ließen. Zwei ehemalige KGB-Offiziere behaupteten später, der sowjetische Geheimdienst habe bei der Operation geholfen.

Bis heute wurde niemand wegen des Mordes an Georgi Markov angeklagt. Bulgarien stellte seine Ermittlungen 2013 mangels Verdächtiger ein, in Großbritannien gilt der Fall weiterhin als offen.

Die eigentliche Botschaft des Anschlags ging jedoch weit über den Tod eines einzelnen Mannes hinaus. Ein ehemaliger KGB-Offizier brachte sie später auf einen erschreckenden Satz: Dissidenten im Westen sollten wissen, dass Entfernung und westliche Sicherheitsdienste sie nicht schützen würden.

Die Botschaft lautete sinngemäß: Wir können euch jederzeit erreichen.

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