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Millionenprojekt am Everest verrottet: Tausende Menschen offenbar ohne funktionierendes Flutwarnsystem

Eknbg (CC0), Pixabay
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Ein millionenschweres Frühwarnsystem, das im Everest-Gebiet eigentlich tausende Menschen vor einer möglichen Gletschersee-Katastrophe schützen sollte, ist nach Angaben nepalesischer Behörden und lokaler Bewohner offenbar über Jahre vernachlässigt worden. Sirenentürme rosten, Batterien sollen gestohlen worden sein, und selbst die Übertragung wichtiger Satellitendaten funktioniert laut Behörden nur unzuverlässig.

Damit steht ausgerechnet in einer der gefährdetsten Hochgebirgsregionen der Welt die zentrale Schutzmaßnahme gegen eine mögliche Flut aus dem Imja-Gletschersee in Frage.

Frühwarnsystem nach Millioneninvestition offenbar marode

Der Imja-See liegt auf mehr als 5.000 Metern Höhe in der Everest-Region Nepals und gilt seit Jahren als potenziell gefährlicher Gletschersee. Bereits 2016 war er im Rahmen eines 3,5-Millionen-Dollar-Projekts teilweise kontrolliert abgesenkt worden, um das Risiko eines Ausbruchs zu reduzieren. Teil des Projekts war auch ein Frühwarnsystem mit Sirenen und mobiler Alarmierung.

Doch genau dieses System könnte heute kaum noch einsatzfähig sein.

Lokale Sherpa-Gemeinden berichteten der BBC, dass seit Jahren keine regelmäßigen Inspektionen mehr stattgefunden hätten. Sirenenanlagen seien sichtbar verrostet, einzelne Türme stünden schief oder drohten umzustürzen. In einigen Dörfern sollen zudem Batterien aus den Anlagen gestohlen worden sein.

Behörde räumt Probleme ein

Die nepalesische Behörde für Hydrologie und Meteorologie (DHM) bestätigte gegenüber der BBC, dass man nicht sicher sagen könne, ob die Sirenen im Ernstfall überhaupt noch funktionieren.

Ein leitender Meteorologe erklärte, für Wartung und Instandhaltung habe die Zentralregierung kein Budget bereitgestellt. Pläne, die Kosten teilweise über Wasserkraftbetreiber im Tal zu decken, seien bislang gescheitert.

Zusätzlich gibt es offenbar Probleme bei der Echtzeitübertragung der Pegeldaten des Sees. Diese Daten sind entscheidend, um bei kritischen Veränderungen Warnungen per Mobiltelefon an die Bevölkerung zu senden. Laut DHM kommen diese Daten jedoch nicht zuverlässig genug an.

Sechs Dörfer und zehntausende Touristen potenziell gefährdet

Die Sorge vor einem Ausbruch des Imja-Sees ist in der Region groß. Nach Angaben lokaler Vertreter wären mindestens sechs Dörfer im Abflussbereich betroffen. Hinzu kommen die jährlich mehr als 60.000 Touristen, Trekking-Reisenden und Bergsteiger, die in die Region kommen.

Besonders gefährdet wäre das Dorf Chhukung, das im Fall eines Gletschersee-Ausbruchs als erstes getroffen würde.

Einwohner berichten, ihnen sei bei Inbetriebnahme des Systems zugesichert worden, dass staatliche Stellen jährlich Kontrollen durchführen würden. Das sei jedoch nicht geschehen. Stattdessen müssten Dorfbewohner selbst regelmäßig in Kathmandu vorsprechen, um auf Reparaturen zu drängen – bislang offenbar ohne Erfolg.

Klimawandel verschärft die Gefahr im Himalaya

Die Lage ist brisant, weil der Klimawandel die Risiken im Himalaya deutlich erhöht. Wissenschaftler warnen seit Jahren, dass rasch schmelzende Gletscher immer mehr Hochgebirgsseen anwachsen lassen. Solche Seen können plötzlich ausbrechen und gewaltige Flutwellen auslösen, die Dörfer, Brücken, Wege und Infrastruktur zerstören.

Nach aktuellen Analysen hat sich der Eisverlust in der Region Hindu Kush-Himalaya seit 2000 verdoppelt. Gleichzeitig nehmen Hanginstabilitäten, Felsstürze und Gletscherabbrüche zu – Ereignisse, die zusätzliche Fluten auslösen können.

Allein in der Everest-Region kam es in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu mindestens fünf Flutereignissen durch Gletscherseen.

Milliarden für neue Projekte – aber altes System verfällt

Besonders brisant: Während das Imja-System offenbar verkommt, hat das UN-Entwicklungsprogramm UNDP nach Angaben der BBC bereits weitere 36 Millionen Dollar für ähnliche Projekte an vier anderen Standorten in Nepal erhalten.

UNDP betont, man habe aus den „Lehren von Imja“ Konsequenzen gezogen. Künftige Projekte sollten von Beginn an stärker auf langfristige Finanzierung, klare Zuständigkeiten und nachhaltige Wartung ausgelegt werden.

Für viele Menschen vor Ort klingt das jedoch wie Hohn.

Ein lokaler Vertreter aus der Region sprach von einem „reinen Blendwerk“: Millionen seien im Namen des Katastrophenschutzes ausgegeben worden – doch die Bevölkerung lebe weiterhin täglich mit der Angst vor dem Verlust von Leben und Eigentum.

Fazit

Der Fall Imja zeigt exemplarisch ein Problem, das viele internationale Klima- und Katastrophenschutzprojekte kennen:
Der Bau wird finanziert – die Wartung nicht.

Am Ende stehen dann rostende Sirenen in einer Hochrisikoregion, während Dörfer unterhalb eines gefährlichen Gletschersees darauf hoffen müssen, dass im Ernstfall wenigstens irgendjemand rechtzeitig merkt, dass die Flut kommt.

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