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BBC-Recherche: Epstein soll Missbrauchsopfer in Londoner Luxuswohnungen untergebracht haben

DesignFife (CC0), Pixabay
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Neue Recherchen der BBC belasten den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein schwer – und werfen zugleich erneut Fragen zum Vorgehen britischer Behörden auf. Demnach soll Epstein über Jahre hinweg mehrere Wohnungen im Londoner Nobelbezirk Kensington and Chelsea angemietet haben, in denen Frauen untergebracht wurden, die später angaben, von ihm missbraucht worden zu sein.

Die BBC stützt sich dabei auf Mietunterlagen, E-Mails, Bankdaten und weitere Dokumente aus den sogenannten Epstein-Files, die im Zuge von US-Ermittlungen zusammengetragen wurden.

Vier Londoner Wohnungen identifiziert

Nach Angaben der BBC lassen sich vier Wohnungen in London nachweisen, die Epstein genutzt oder finanziert haben soll. Mindestens sechs Frauen, die dort zeitweise gelebt haben sollen, seien später als Missbrauchsopfer Epsteins in Erscheinung getreten.

Viele dieser Frauen sollen aus Russland, Osteuropa und anderen Ländern gekommen sein. Nach Darstellung der BBC wurden einige von ihnen auch noch in die britische Hauptstadt gebracht, nachdem die Londoner Polizei 2015 entschieden hatte, keine Ermittlungen wegen einer Anzeige von Virginia Giuffre aufzunehmen.

Giuffre hatte damals erklärt, sie sei international nach London gebracht und dort sexuell ausgebeutet worden. Die Metropolitan Police betonte später mehrfach, man habe „angemessenen Ermittlungsansätzen“ nachgegangen und mit US-Behörden kooperiert.

Vorwürfe: Wohnungen als Teil eines Systems

Die BBC beschreibt die Londoner Wohnungen nicht als bloße Unterkünfte, sondern als Teil einer mutmaßlich strukturierten Infrastruktur.

Demnach sollen einige Frauen:

  • in den Wohnungen untergebracht worden sein,
  • von dort aus regelmäßig nach Paris gereist sein,
  • teilweise mit dem Eurostar transportiert worden sein,
  • und in einzelnen Fällen unter Druck gesetzt worden sein, weitere junge Frauen für Epstein anzuwerben.

Laut der Recherche soll Epstein zwischen 2011 und 2019 mindestens 53 Eurostar-Tickets für Frauen zwischen Frankreich und Großbritannien gekauft haben. 33 dieser Tickets sollen erst nach der 2015 erhobenen Menschenhandels-Beschwerde gekauft worden sein.

In den letzten sechs Monaten vor seiner Festnahme 2019 soll Epstein Frauen laut BBC noch zehnmal per Eurostar zwischen London und Paris bewegt haben.

Frauen offenbar finanziell abhängig gemacht

Aus den Unterlagen ergibt sich laut BBC außerdem, dass Epstein mehreren Frauen in London:

  • Miete bezahlte,
  • Kreditkarten oder Ausgabenbudgets zur Verfügung stellte,
  • Englischkurse finanzierte,
  • teilweise auch Studien- oder Ausbildungskosten übernahm.

In einem Fall soll eine Frau über eine auf Epsteins Konto laufende Karte über ein monatliches Budget von 2.000 US-Dollar verfügt haben. In anderen Nachrichten soll Epstein Mietzahlungen als „Geschenk“ bezeichnet haben – allerdings unter Bedingungen, wonach diese bei fehlender „Arbeit“ für ihn als Darlehen zurückzuzahlen seien.

Die BBC beschreibt damit ein System, in dem finanzielle Abhängigkeit offenbar gezielt genutzt worden sein könnte.

Neue Fragen an die britische Polizei

Besonders brisant ist die Recherche, weil sie die Frage aufwirft, warum in Großbritannien nie ein umfassendes Ermittlungsverfahren gegen Epstein eingeleitet wurde.

Die BBC berichtet, dass:

  • bereits 2015 eine konkrete Beschwerde wegen Menschenhandels vorlag,
  • bis Anfang 2020 offenbar eine zweite Frau bei der Metropolitan Police Missbrauchsvorwürfe in Großbritannien erhob,
  • britische Behörden 2020 offenbar wussten, dass Epstein mindestens eine der Londoner Wohnungen angemietet hatte,
  • und die britische National Crime Agency (NCA) Finanzinformationen zu Epsteins UK-Transaktionen an das FBI weitergab.

Menschenrechtsanwältin Tessa Gregory sagte der BBC, sie sei „fassungslos“, dass es offenbar nie eine britische Untersuchung gegeben habe. Bei glaubhaften Hinweisen auf Menschenhandel habe der Staat eine klare Pflicht zu einer zügigen, wirksamen und unabhängigen Ermittlung.

Auch Kevin Hyland, früherer Anti-Sklaverei-Beauftragter Großbritanniens und ehemaliger leitender Ermittler, sprach von verpassten Chancen. Es habe „mehr als genug“ Hinweise gegeben, um Ermittlungen zu beginnen.

Metropolitan Police verteidigt Vorgehen

Die Metropolitan Police hält dagegen an ihrer Darstellung fest, man habe in mehreren Jahren und zu verschiedenen Zeitpunkten geprüft, ob andere internationale Behörden besser geeignet seien, die Vorwürfe zu verfolgen.

In Stellungnahmen aus den Jahren 2016, 2019, 2021, 2022 und 2025 hatte die Polizei erklärt, dass andere internationale Behörden „am besten platziert“ gewesen seien, um die Vorwürfe zu bearbeiten.

Nach Angaben der Met wurden Virginia Giuffre 2015 und 2016 mehrfach befragt. Man habe außerdem Kontakt zu weiteren potenziellen Betroffenen aufgenommen. Eine direkte Straftatbeschuldigung gegen eine in Großbritannien ansässige Person sei dabei nach eigener Darstellung nicht erhoben worden.

Allerdings reagierte die Met laut BBC nicht konkret auf die neuen Erkenntnisse zu den Londoner Wohnungen und den Eurostar-Fahrten.

Auch Umfeld in Großbritannien rückt in den Fokus

Die BBC identifizierte zudem mehrere Personen im Vereinigten Königreich, die demnach für Epstein oder Ghislaine Maxwell gearbeitet haben sollen – darunter:

  • einen mutmaßlichen Fahrer,
  • eine frühere Assistentin Maxwells,
  • sowie eine frühere Haushaltsmitarbeiterin, die später in Großbritannien lebte und weiter engen Kontakt zu Epstein gehabt haben soll.

Ob und in welchem Umfang diese Personen strafrechtlich relevante Kenntnisse oder Beteiligungen hatten, bleibt offen. Die BBC berichtet, mehrere der Betroffenen hätten auf Anfragen nicht oder ausweichend reagiert.

Forderungen nach öffentlicher Untersuchung

Die neuen Enthüllungen verstärken die Forderungen nach einer öffentlichen Untersuchung in Großbritannien.

Mehrere Stimmen – darunter Überlebende, Anwälte und Frauenrechtsorganisationen – verlangen inzwischen eine gesetzlich abgesicherte Untersuchungskommission, die:

  • Behördenversagen,
  • mögliche institutionelle Schutzmechanismen,
  • und mögliche Mitwisser oder Helfer

umfassend aufarbeitet.

Die Gründerin des Centre for Women’s Justice, Harriet Wistrich, sprach im BBC-Radio von einem Fall, der den Eindruck erwecke, als habe es in Polizeikreisen möglicherweise Zurückhaltung gegenüber mächtigen und gut vernetzten Personen gegeben.

Fazit

Die BBC-Recherche zeichnet das Bild eines offenbar weit verzweigten Londoner Netzwerks, das weit über einzelne Aufenthalte hinausgegangen sein könnte: Wohnungen, Reisen, finanzielle Unterstützung, mutmaßliche Rekrutierung weiterer Frauen – und all das offenbar noch Jahre nach ersten Warnsignalen.

Ob daraus nun späte Ermittlungen folgen, ist offen. Klar ist aber:
Die Fragen an britische Behörden werden lauter – und sie dürften sich nicht mehr lange mit dem Verweis auf ausländische Zuständigkeiten beantworten lassen.

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