5,7 Milliarden Euro – so hoch ist laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft der Schaden, den sogenannte „Naturereignisse“ im vergangenen Jahr allein bei Sach- und Autoversicherungen in Deutschland verursacht haben. Schwere Überschwemmungen, besonders in Baden-Württemberg und Bayern, haben Häuser zerstört, Existenzen gefährdet und einmal mehr die Frage aufgeworfen, wie wir eigentlich mit der Natur und ihrer zunehmenden Wucht umgehen.
Dabei drängt sich eine unbequeme Wahrheit auf: Nicht die Natur ist die eigentliche Verursacherin dieser Schäden – wir sind es.
Was wir euphemistisch „Elementarschäden“ nennen, ist vielfach das Ergebnis menschlichen Handelns, jahrzehntelanger Verdrängung und politischer Versäumnisse. Es sind die zubetonierten Flächen, die Flüsse, die wir in Korsette gezwängt haben, das Versagen bei der Anpassung an den Klimawandel – und nicht zuletzt der Klimawandel selbst, den wir mit unserer fossilen Lebensweise befeuern. Die Natur ist kein zerstörerischer Feind, sie ist in Wahrheit ein Spiegel: Sie zeigt uns, was passiert, wenn man ökologische Grenzen dauerhaft überschreitet.
Die Schäden, die in den Versicherungsbilanzen auftauchen, sind nur ein Teil der Wahrheit. Vieles bleibt unversichert – und ungenannt: kaputte Existenzen, psychische Belastungen, ländliche Gemeinden, die kaum noch aus eigener Kraft auf die Beine kommen.
Die Antwort auf diese Entwicklung darf nicht nur eine Pflichtversicherung für Wohnhäuser sein, wie sie Justizministerin Hubig jetzt angekündigt hat. Sie ist zweifellos notwendig – aber sie kurbelt lediglich an der Oberfläche der Katastrophenbewältigung.
Was fehlt, ist ein ganzheitliches Konzept zur Klimafolgenanpassung. Das fordern nicht nur Umweltverbände, sondern auch die Versicherungswirtschaft selbst. Doch noch immer wird das Thema vielerorts wie ein zukünftiges Szenario behandelt – dabei ist es längst Realität. Überschwemmungen, Hitzesommer, Starkregenereignisse: Das sind keine Launen der Natur. Das sind Reaktionen auf ein zerstörtes Gleichgewicht, das wir mit Tempo untergraben.
Wann beginnt die Politik, konsequent umzusteuern?
Die eigentliche Katastrophe ist nicht der Starkregen – sondern die fehlende Weitsicht. Eine Klimapolitik, die sich nicht in kurzfristigem Aktionismus erschöpft, sondern langfristig Umbau, Prävention und Gerechtigkeit zusammendenkt, ist überfällig. Es geht um mehr als Deiche, Drainagen und Dämme. Es geht um eine neue Haltung gegenüber der Natur – und damit auch gegenüber uns selbst.
Denn wenn wir weiter tun, als sei das alles „höhere Gewalt“, entmündigen wir uns selbst – und lassen zu, dass die nächste Rechnung noch teurer wird.
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