Microsoft und das französische KI-Unternehmen Mistral AI vertiefen ihre Zusammenarbeit. Für mehrere Milliarden Euro soll Europas Infrastruktur für künstliche Intelligenz ausgebaut werden.
Oder einfacher gesagt: Europa bekommt mehr Rechenzentren, Mistral bekommt Zugang zu Microsofts Vertriebsapparat und Microsoft bekommt noch eine KI-Firma, falls es mit OpenAI irgendwann kompliziert wird.
Im Mittelpunkt des Deals steht eine deutliche Ausweitung der Rechenkapazitäten. Microsoft will künftig Teile der von Mistral aufgebauten Hardware direkt nutzen.
Das ist verständlich. Künstliche Intelligenz benötigt enorme Mengen an Rechenleistung, Strom und Geld. Microsoft besitzt davon vor allem Letzteres.
Europäische Daten mit amerikanischer Begleitung
Viele europäische Unternehmen und Behörden haben beim Einsatz amerikanischer KI-Dienste rechtliche Bedenken. Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse und die Frage, in welchem Land welche Behörde auf Daten zugreifen könnte, sorgen regelmäßig für Stirnfalten.
Die neue Partnerschaft soll dieses Problem elegant lösen: Die amerikanische Technik arbeitet künftig mit französischer KI auf europäischen Servern.
Damit ist alles europäisch – bis auf den Konzern, der große Teile davon verkauft.
Kunden sollen Anwendungen künftig in der öffentlichen Cloud, in lokal angebundenen Systemen oder vollständig vom Internet getrennt betreiben können.
Die letzte Variante richtet sich vor allem an Banken, Krankenhäuser und kritische Infrastrukturen. Dort ist man offenbar zu dem Schluss gekommen, dass eine KI besonders sicher ist, wenn sie mit niemandem sprechen darf.
Mistral zieht bei Windows ein
Auch auf Softwareebene wird die Zusammenarbeit ausgebaut. Mistrals neue Modelle sollen über Microsofts Entwicklungsplattform angeboten und in Copilot Studio integriert werden.
Das Modell Mistral Medium 3.5 soll kostengünstige Unternehmensanwendungen ermöglichen. OCR 4 ist für die automatische Verarbeitung von Dokumenten vorgesehen.
Künftig kann eine KI also Rechnungen, Verträge und Formulare lesen, bevor der zuständige Mitarbeiter überhaupt Gelegenheit hatte, sie ungelesen abzulegen.
Microsoft und Mistral wollen die Produkte gemeinsam vermarkten. Microsoft liefert die Kunden, Mistral die Modelle und der Anwender vermutlich weiterhin das Passwort, das er vergessen hat.
Microsoft will nicht nur von OpenAI abhängig sein
Der Deal zeigt auch, dass Microsoft seine KI-Zukunft nicht vollständig an OpenAI hängen möchte.
Das ist bemerkenswert, schließlich hat Microsoft bereits Milliarden in OpenAI investiert. Doch selbst in der Technologiebranche gilt offenbar: Vertrauen ist gut, ein zweiter KI-Anbieter ist besser.
Mistral bietet sich dafür hervorragend an. Das Unternehmen stammt aus Europa, genießt politische Unterstützung und kann bei Bedarf als Beleg dafür dienen, dass Microsoft den Kontinent nicht nur als Absatzmarkt betrachtet.
Für Mistral wiederum öffnet sich das weltweite Vertriebsnetz des US-Konzerns. Ein französisches Start-up erhält damit Zugang zu Millionen Unternehmenskunden – und Microsoft kann anschließend verkünden, die europäische digitale Souveränität zu stärken.
Europas unabhängige KI – präsentiert von Microsoft
Offiziell soll die Partnerschaft Europas Stellung im internationalen KI-Wettbewerb verbessern. Das dürfte auch stimmen.
Europa erhält mehr Infrastruktur, ein eigenes KI-Unternehmen wächst und Kunden bekommen zusätzliche Auswahlmöglichkeiten.
Allerdings hat die europäische technologische Unabhängigkeit nun einen amerikanischen Vertriebspartner, eine amerikanische Cloud und vermutlich eine Rechnung in US-Dollar.
Aber irgendwo muss man mit der Souveränität schließlich anfangen.
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