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Mexikos Fußballkultur: Warum die WM dort mehr Volksfest als Sportereignis ist

jorono (CC0), Pixabay
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Wenige Tage vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 rückt Mexiko nicht nur als Gastgeberland in den Mittelpunkt, sondern auch wegen seiner einzigartigen Fußballkultur. Während viele Nationen für ihre Leidenschaft für den Sport bekannt sind, verbinden Fans weltweit mit Mexiko vor allem eine Tradition, die längst zu einem festen Bestandteil großer Sportveranstaltungen geworden ist: die berühmte „Mexikanische Welle“.

Rund 40 Jahre nachdem die Welle während der Weltmeisterschaft 1986 weltweit bekannt wurde, haben tausende Menschen in Mexiko-Stadt nun versucht, einen neuen Weltrekord für die größte jemals durchgeführte Welle aufzustellen. Auf dem Paseo de la Reforma bewegten sich die Teilnehmer über mehrere Minuten hinweg synchron und sorgten damit für ein beeindruckendes Bild.

Auch wenn die genaue Herkunft der Welle bis heute umstritten ist und ihre Ursprünge vermutlich in den USA liegen, wurde sie durch die WM 1986 in Mexiko weltweit populär. Millionen Fernsehzuschauer sahen damals erstmals die Zuschauerbewegung in den Stadien, weshalb sie international bis heute häufig als „Mexican Wave“ bezeichnet wird.

Für viele Mexikaner ist die Welle längst mehr als nur eine Stadionaktion. Sie gilt als Ausdruck von Gemeinschaft, Lebensfreude und nationaler Identität. Der mexikanische Nationalismusforscher Fernando Vizcaíno beschreibt die Welle als Symbol dafür, wie sich die Menschen als Gemeinschaft erleben – unabhängig davon, was gerade auf dem Spielfeld geschieht.

Doch die Welle ist nur ein Teil der besonderen Fußballatmosphäre in Mexiko.

Bereits eine Woche vor dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika herrschte bei einem Freundschaftsspiel gegen Serbien in Toluca eine Stimmung, die eher an ein Musikfestival als an ein Fußballspiel erinnerte. Trommeln, Hörner, Gesänge und traditionelle Musik verwandelten das Stadion in eine riesige Party. Immer wieder hallten die bekannten „Olé, Olé, Olé“-Rufe durch die Arena.

Die mexikanischen Stadien sind bekannt für ihre laute und emotionale Atmosphäre. Fans begleiten die Spiele mit Gesängen, Musik und traditionellen Lärminstrumenten wie den sogenannten „Matracas“, hölzernen Ratschen, oder den „Cornetas“, speziellen Plastikhörnern. Bei der Weltmeisterschaft 2026 werden einige dieser Instrumente allerdings aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen sein.

Zu den bekanntesten Fan-Gesängen gehört auch der legendäre „Chiquitibum“-Ruf, der bereits während der WM 1986 durch eine Bierwerbung populär wurde und bis heute bei Fußballspielen zu hören ist. Gleichzeitig bemühen sich der mexikanische Fußballverband und die FIFA seit Jahren darum, diskriminierende und beleidigende Gesänge aus den Stadien zu verbannen.

Fußball wird in Mexiko jedoch nicht nur im Stadion gefeiert. In Bars, Restaurants und sogenannten „Partidos en Cantina“ verfolgen Fans gemeinsam die Spiele. Dabei gehören Tacos, scharfe Snacks, lokale Biere und ausgelassene Stimmung ebenso dazu wie das gemeinsame Anfeuern der Mannschaft.

Besonders bekannte Treffpunkte wie das traditionsreiche „Salon Corona“ im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt werden während der Weltmeisterschaft erneut zu Zentren der Fußballbegeisterung. Dort treffen sich seit Jahrzehnten Fans, Politiker und Prominente, um gemeinsam große Spiele zu verfolgen.

Viele Mexikaner sind überzeugt, dass ihr Land bei jeder Weltmeisterschaft etwas Besonderes zur Atmosphäre beiträgt. Nicht nur der Fußball selbst stehe im Mittelpunkt, sondern vor allem die Menschen, die Musik, die Gastfreundschaft und die Freude am gemeinsamen Feiern.

Wenn die Weltmeisterschaft am 11. Juni beginnt, dürfte Mexiko deshalb einmal mehr zeigen, warum Fußball dort oft weniger als sportlicher Wettbewerb und vielmehr als großes gesellschaftliches Fest verstanden wird.

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