Die EU feiert das Mercosur-Abkommen als historischen Meilenstein für fairen Handel. Kritiker nennen es eher ein Recyclingprogramm für Pestizide, die in Europa längst als zu gefährlich gelten.
Denn während europäische Bauern bei jedem zweiten Pflanzenschutzmittel inzwischen einen Behördenroman ausfüllen müssen, dürfen in Südamerika weiterhin hunderte Wirkstoffe versprüht werden, die in der EU längst verboten sind. Praktischerweise landen die behandelten Produkte danach trotzdem wieder auf europäischen Tellern.
Laut einer neuen Studie werden in den Mercosur-Staaten insgesamt 523 Pestizidwirkstoffe eingesetzt – fast die Hälfte davon ist in der EU verboten oder nicht zugelassen.
Mit anderen Worten:
Was europäische Verbraucher angeblich schützen soll, wird einfach exportiert – inklusive möglicher Gesundheitsrisiken.
Besonders elegant funktioniert dabei der Kreislauf:
- Europäische Chemiekonzerne produzieren Pestizide,
- die sie in Europa nicht mehr verkaufen dürfen,
- exportieren sie nach Südamerika,
- dort werden Lebensmittel damit behandelt,
- und anschließend importiert Europa die Produkte wieder zurück.
Globalisierung kann so effizient sein.
Natürlich beruhigt die EU sofort:
Die Kontrollen seien streng. Teilweise würden Fleischimporte sogar zu 100 Prozent kontrolliert. Das klingt beeindruckend – bis man liest, dass Greenpeace trotzdem in österreichischem Paprikapulver zwölf in der EU verbotene Pestizide gefunden hat.
Aber immerhin:
Die Belastung kommt jetzt vermutlich „regelkonform“ ins Land.
Besonders absurd wirkt der politische Spagat:
In Europa diskutiert man über Biodiversität, Insektensterben und nachhaltige Landwirtschaft, während gleichzeitig ein Handelsabkommen gefördert wird, das laut Kritikern genau jene Produktionsweisen begünstigt, die man innerhalb der EU zunehmend verbietet.
Die Botschaft lautet offenbar:
„Was unseren Bauern nicht mehr erlaubt ist, importieren wir künftig einfach günstiger.“
Für die Menschen in Lateinamerika hat das Ganze allerdings deutlich weniger satirische Züge:
Dort stieg der Pestizideinsatz laut FAO seit 1990 um rund 500 Prozent. Forscher berichten von:
- Fehlbildungen,
- Fruchtbarkeitsproblemen,
- Fehlgeburten,
- und Pestizidrückständen in Muttermilch.
Aber Hauptsache, die Avocado bleibt im europäischen Supermarkt bezahlbar.
Die EU-Kommission spricht trotzdem weiter von „fairen Handelsbeziehungen“.
Wahrscheinlich ist damit gemeint:
Europa exportiert die Risiken – und importiert anschließend die Produkte wieder zurück.
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