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Marcel Schäfer: Salzburg is Calling

jorono (CC0), Pixabay
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Mal ehrlich, Herr Schäfer: Können Sie bei RB Leipzig überhaupt allein entscheiden, wenn es um einen möglichen Verkauf von Yan Diomande geht?

Diese Frage ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Denn wer sich an das Sommertheater rund um die Trainerentscheidung bei Ole Werner erinnert, bekam nicht unbedingt den Eindruck, dass die wirklich wichtigen Weichen ausschließlich in Leipzig gestellt werden. In der entscheidenden Phase wirkte es vielmehr so, als sei Salzburg die eigentliche Kommandozentrale gewesen.

Vielleicht wurde dort bei ein paar vergorenen Energy-Drinks besonders kreativ nachgedacht. Anders lässt sich zumindest manche Personalidee nur schwer erklären.

Wer kam eigentlich auf Demichelis?

Zum Beispiel die Entscheidung, Martín Demichelis als Trainer nach Leipzig zu holen.

Damit wir uns richtig verstehen: Als Spieler war Demichelis zweifellos erfolgreich, erfahren und respektiert. Aber als Trainer?

Welche Erfolge kann er vorweisen, die einen Klub mit den Ansprüchen von RB Leipzig wirklich überzeugen müssten? Welche sportliche Entwicklung rechtfertigte diese Verpflichtung? Und wer übernimmt eigentlich die Verantwortung, sollte sich der Trainer tatsächlich als jener berühmte Griff in die Kloschüssel erweisen, den inzwischen manche Fans befürchten?

Mindestens ebenso spannend wäre die Frage, was eine vorzeitige Trennung an Abfindung kosten würde. Bei RB wird gerne über wirtschaftliche Vernunft gesprochen. Die sollte dann aber nicht erst beim Verkauf von Spielern beginnen, sondern bereits bei der Auswahl des Trainers.

Die Never Ending Story um Diomande

Nun also Yan Diomande.

Aus einer Transferfrage entwickelt sich langsam eine Never Ending Story. Bleibt er? Geht er? Will Real Madrid ihn? Schaltet sich noch ein anderer Großklub ein? Und wie lange kann RB Leipzig warten, ohne die eigene Kaderplanung zu gefährden?

Solange nicht klar ist, ob Diomande bleibt oder verkauft wird, lässt sich auch kaum seriös beantworten, ob ein Ersatz verpflichtet werden muss. Wobei „Ersatz“ bei einem solchen Spieler ohnehin ein großes Wort ist. Einen Diomande bestellt man schließlich nicht einfach im Katalog nach.

Das Problem ist nicht nur die mögliche Ablöse. Das Problem ist die Zeit. Je länger sich die Entscheidung hinzieht, desto kleiner wird das Angebot an geeigneten Spielern und desto teurer werden die Alternativen.

Entscheidet Leipzig – oder entscheidet Salzburg?

Besonders interessant ist deshalb ein Hinweis aus einem Bericht der „Bild“. Dort heißt es sinngemäß, dass für einen möglichen Deal nicht nur die Zustimmung der Leipziger Verantwortlichen erforderlich sei, sondern auch jene des Aufsichtsrates unter Oliver Mintzlaff.

Damit wäre meine Frage, wo über Diomandes Zukunft tatsächlich entschieden wird, wohl durchaus berechtigt.

In Leipzig?

In Salzburg?

Oder vielleicht während eines Telefonats zwischen beiden Städten, bei dem am Ende alle mitentschieden haben, aber später niemand allein verantwortlich gewesen sein will?

Wenn Oliver Mintzlaff bereits bei der Verpflichtung Diomandes eingebunden war, dann ist es nur logisch, dass er auch bei einem möglichen Verkauf ein gewichtiges Wort mitredet. Nur sollte man das dann auch offen sagen.

Denn der Eindruck, Marcel Schäfer entscheide als Geschäftsführer Sport eigenständig über die großen sportlichen Fragen, bekommt dadurch zumindest ein paar Risse.

Was macht an diesem Job noch Spaß?

Ich frage mich ohnehin, was Ihnen an diesem Job in Leipzig noch Freude bereitet, Herr Schäfer.

Sie stehen öffentlich für die sportliche Linie. Sie führen Gespräche, erklären Transfers und müssen anschließend Entscheidungen verteidigen. Gleichzeitig entsteht immer wieder der Eindruck, dass bei besonders wichtigen Fragen Salzburg oder Oliver Mintzlaff zumindest mit am Tisch sitzen.

Das ist eine bemerkenswerte Konstruktion: In Leipzig trägt man die Verantwortung, in Salzburg möglicherweise die letzte Entscheidung.

So kann man natürlich arbeiten. Besonders angenehm dürfte es aber nicht sein.

Leistung ja – aber der Sommer verändert den Blick

Natürlich haben Sie bei RB Leipzig einiges geleistet. Das soll nicht bestritten werden. Doch die Erfahrungen dieses Sommers relativieren dieses Bild.

Die Trainerfrage, die unklare Machtverteilung und nun das zähe Tauziehen um Diomande vermitteln nicht gerade den Eindruck einer souveränen, klar geführten sportlichen Abteilung.

Vielleicht täuscht dieser Eindruck. Vielleicht sind die Entscheidungswege intern eindeutig geregelt. Dann wäre es allerdings an der Zeit, sie auch nach außen verständlich zu erklären.

Denn Fans merken sehr schnell, wenn Zuständigkeiten nur auf dem Briefpapier klar aussehen.

Ein kleiner Fan mit einer unbequemen Frage

Ich bin selbstverständlich nur ein kleiner RB-Fan. Einer von vielen, die keine Sitzungen besuchen, keine vertraulichen Verträge kennen und nicht wissen, wer bei welchem Telefonat tatsächlich das letzte Wort hat.

Aber genau deshalb darf man Fragen stellen.

Auch unbequeme.

Und selbst dann, wenn Sie mich persönlich möglicherweise nicht besonders mögen sollten. Damit kann ich hervorragend leben.

Schwieriger wäre es für mich, mit dem Eindruck zu leben, dass RB Leipzig wichtige Entscheidungen öffentlich in Leipzig erklärt, während sie tatsächlich anderswo vorbereitet oder zumindest maßgeblich mitbestimmt werden.

Darum bleibt die Frage:

Herr Schäfer, entscheiden Sie bei Diomande wirklich selbst – oder heißt es am Ende wieder: Salzburg is calling?

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