US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat dem früheren amerikanischen Seuchenexperten Anthony Fauci vorgeworfen, die Öffentlichkeit während der Corona-Pandemie nicht ausreichend über Masken, Impfungen und andere Schutzmaßnahmen informiert zu haben.
In einem Interview mit „USA Today“ bezog sich Kennedy auf ein kürzlich veröffentlichtes Tagebuch Faucis. Die insgesamt 1.141 Seiten umfassenden Aufzeichnungen stammen aus den Jahren 2019 bis 2022 und wurden auf Regierungscomputern verfasst.
Erkrankung nach Corona-Impfung
Kennedy hob besonders einen Eintrag hervor, wonach Fauci im Juni 2021 einen Lungeninfarkt erlitten habe. Zu diesem Zeitpunkt lag seine Impfung mit dem Moderna-Impfstoff etwa sechs Monate zurück.
Kennedy erklärte, Fauci habe sich öffentlich impfen lassen, um Vertrauen in die Sicherheit der Impfstoffe zu schaffen. Dass er später über ein mögliches gesundheitliches Ereignis nach der Impfung nicht öffentlich gesprochen habe, bezeichnete Kennedy als nicht entschuldbar.
Ein direkter Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Lungeninfarkt ist jedoch nicht belegt. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC führt einen Lungeninfarkt nicht als häufige Nebenwirkung des Moderna-Impfstoffs an. Häufigste Ursache eines Lungeninfarkts ist eine Lungenembolie, also ein Blutgerinnsel in der Lunge.
Frühere Untersuchungen der US-Arzneimittelbehörde FDA hatten mögliche Risiken wie Lungenembolien geprüft, zunächst jedoch keinen Anlass für besondere Besorgnis festgestellt. Spätere Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Mehrere Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass das Risiko entsprechender Komplikationen durch eine Covid-19-Erkrankung höher sein kann als durch die Impfung.
Die große Mehrheit medizinischer Fachleute bewertet die Corona-Impfstoffe weiterhin als sicher und wirksam.
Fauci bei Senatsanhörung unter Druck
Fauci trat am selben Tag vor einem Ausschuss des US-Senats auf. Dort wurde die Reaktion der amerikanischen Regierung auf die Pandemie untersucht.
Das von dem republikanischen Senator Rand Paul geleitete Gremium hatte Faucis Tagebuch per Vorladung erhalten. Republikanische Ausschussmitglieder warfen Fauci vor, in seinen privaten Aufzeichnungen teilweise andere Einschätzungen vertreten zu haben als in öffentlichen Stellungnahmen.
Demokraten bezeichneten die Anhörung dagegen als parteipolitisch motiviert. Nach ihrer Darstellung werde Fauci zum Sündenbock für Entscheidungen gemacht, die unter großem Zeitdruck und bei einer damals unklaren wissenschaftlichen Lage getroffen worden seien.
Streit über Masken und Ursprung des Virus
Kennedy griff außerdem frühere Diskussionen über den Ursprung des Coronavirus sowie wechselnde Aussagen zur Wirksamkeit von Masken und Abstandsregeln auf.
Die CDC empfiehlt Masken weiterhin als mögliche Schutzmaßnahme gegen verschiedene Atemwegserkrankungen.
Kennedy gilt seit Jahren als Kritiker zahlreicher Impfprogramme. Seit seinem Amtsantritt als Gesundheitsminister hat er mehrere Änderungen in der amerikanischen Impfpolitik vorgenommen. Dazu gehörten die Entlassung sämtlicher 17 Mitglieder eines staatlichen Impfgremiums und die Ernennung neuer Mitglieder, darunter auch Personen mit impfkritischen Positionen.
Mehrere Fachverbände und Gesundheitsexperten warnen, dass Änderungen bei Impfempfehlungen insbesondere für Kinder gesundheitliche Risiken erhöhen könnten. Einige Maßnahmen Kennedys werden inzwischen gerichtlich überprüft.
Eine Frage zu Impfungen mit Blick auf die kommende Grippesaison beantwortete Kennedy in dem Interview nicht.
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