Startseite Allgemeines Fortuna Düsseldorf Fan analysiert:Alte Haudegen, neuer Hunger: Wie groß sind Fortunas Chancen auf den direkten Wiederaufstieg?
Allgemeines

Fortuna Düsseldorf Fan analysiert:Alte Haudegen, neuer Hunger: Wie groß sind Fortunas Chancen auf den direkten Wiederaufstieg?

jorono (CC0), Pixabay
Teilen

Eine Woche vor dem Saisonstart steht Fortuna Düsseldorf vor einer Aufgabe, die auf dem Papier einfach und in der Realität brutal schwierig ist: Der Traditionsverein soll die 3. Liga möglichst sofort wieder verlassen.

Natürlich nach oben.

Nach dem schmerzhaften Absturz aus der 2. Bundesliga wäre alles andere als der direkte Wiederaufstieg eine Enttäuschung. Doch die 3. Liga ist kein kurzer Betriebsunfall mit eingebautem Rückfahrtticket. Sie ist eng, körperlich, unberechenbar und voller Vereine, die nur darauf warten, dem großen Namen aus Düsseldorf die nächste unangenehme Auswärtsfahrt zu bescheren.

Fortuna gehört trotzdem zum engsten Favoritenkreis. In einer Umfrage unter den Drittligatrainern nannten 14 Übungsleiter die Düsseldorfer als möglichen Aufsteiger. Mehr Stimmen erhielt lediglich Hansa Rostock. Auch die Wettmärkte führen Fortuna vor dem Saisonstart als einen der aussichtsreichsten Kandidaten.

Aber reicht ein großer Name für Platz eins oder zwei?

Nein.

Reicht dieser Kader?

Vielleicht.

Sechs Routiniers sollen Fortuna sofort wieder hochziehen

Der neue Sportvorstand Samir Arabi hat deutlich gemacht, dass Düsseldorf keine gemütliche Übergangssaison plant. Der Kader wurde nahezu vollständig umgebaut und mit Spielern verstärkt, die schon einiges erlebt haben.

Fabian Schleusener ist 34 Jahre alt, Matthias Zimmermann ebenfalls. Dominique Heintz ist 32, Jorrit Hendrix und Philipp Förster sind jeweils 31. Tim Oberdorf feiert kurz nach dem Saisonstart seinen 30. Geburtstag.

Das ist kein Perspektivkader für das Jahr 2031. Das ist eine Mannschaft, die jetzt funktionieren soll.

Hendrix wurde zum Kapitän bestimmt. Zum Mannschaftsrat gehören außerdem Schleusener, Heintz, Oberdorf und Jordi Paulina. Die Hierarchie wurde also bewusst um erfahrene Spieler herum aufgebaut.

Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: In der 3. Liga gewinnt nicht immer die Mannschaft mit den elegantesten Einzelspielern. Häufig gewinnt das Team, das an einem kalten Dienstagabend nach 70 Minuten Kampf immer noch konzentriert verteidigt, bei Standards wach bleibt und sich von einem rustikalen Gegenspieler nicht beeindrucken lässt.

Schleusener, Heintz, Hendrix, Zimmermann und Förster kennen solche Spiele. Sie haben zusammen Hunderte Partien in der Bundesliga und 2. Bundesliga absolviert.

Fortuna setzt damit auf Erfahrung statt auf Experimente.

Die Erinnerung an Aleks Ristic

Das Konzept ist in Düsseldorf nicht neu.

Nach dem Absturz in die Drittklassigkeit 1993 setzte Trainer Aleks Ristic ebenfalls auf eine Gruppe erfahrener Profis. Seine Begründung war ebenso einfach wie erfolgreich: Wer kurzfristigen Erfolg wolle, brauche ältere Spieler.

Fortuna stieg damals nicht nur sofort auf, sondern marschierte anschließend sogar bis in die Bundesliga durch.

Die Verantwortlichen dürften nichts dagegen haben, wenn sich zumindest der erste Teil dieser Geschichte wiederholt. Allerdings lässt sich die Vergangenheit nicht einfach kopieren. Die heutige 3. Liga ist sportlich und wirtschaftlich deutlich professioneller. Fast jeder Gegner verfügt über Spieler mit Zweitligaerfahrung, moderne Analyseabteilungen und ausgefeilte Pressingsysteme.

Die alten Haudegen allein werden es deshalb nicht richten können.

Schleusener soll die Tore garantieren

Fabian Schleusener dürfte eine Schlüsselrolle übernehmen. Der Stürmer kam ablösefrei vom Karlsruher SC und unterschrieb bis 2028. Er bringt Erfahrung aus Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga mit und soll genau das liefern, was Fortuna in einer Aufstiegssaison benötigt: Tore, Präsenz und Verlässlichkeit.

Beim 2:1 im Vorbereitungsspiel gegen Borussia Dortmund traf Schleusener bereits zum Ausgleich. Anas Slimani erzielte anschließend den Siegtreffer. Der Erfolg vor 23.300 Zuschauern war ein starkes Signal, auch wenn der BVB mit zahlreichen jungen Spielern und ohne mehrere prominente WM-Teilnehmer antrat.

Ein Testspielsieg macht noch keinen Aufsteiger. Er zeigt aber, dass die neu zusammengestellte Mannschaft Widerstand leisten und ein Spiel drehen kann.

Gerade nach der vergangenen Abstiegsaison ist das wichtig. Fortuna braucht wieder das Gefühl, schwierige Situationen gemeinsam bewältigen zu können.

Förster schließt eine entscheidende Lücke

Mit Philipp Förster wurde kurz vor dem Saisonstart zudem ein offensiver Mittelfeldspieler verpflichtet, der der Mannschaft zuletzt noch fehlte.

Der Linksfuß bringt Kreativität, Abschlussstärke und gefährliche Standards mit. In der vergangenen Saison absolvierte er 27 Zweitligaspiele für den Karlsruher SC. Insgesamt stehen in seiner Laufbahn bereits 83 Bundesliga- und 137 Zweitligaeinsätze.

Förster könnte für Fortuna besonders gegen tief stehende Gegner wichtig werden. Genau diese Spiele entscheiden häufig über den Aufstieg.

Wenn ein Gegner mit zehn Spielern hinter dem Ball verteidigt, helfen Erfahrung und Kampfbereitschaft allein nicht weiter. Dann braucht es jemanden, der den entscheidenden Pass spielt, einen Freistoß verwandelt oder aus 20 Metern einfach einmal abzieht.

Diese Rolle ist Förster zuzutrauen.

Das finanzielle Fundament stimmt – trotz des Absturzes

Der Abstieg hat Fortuna wirtschaftlich hart getroffen. Die Fernsehgelder sind eingebrochen, Arbeitsplätze wurden abgebaut und der Sportetat musste deutlich reduziert werden.

Nach öffentlich genannten Zahlen plant Düsseldorf dennoch mit einem Spieleretat von rund 7,5 Millionen Euro. Damit gehört der Verein finanziell zur Spitzengruppe der 3. Liga. Auch der Marktwert des Kaders liegt im oberen Ligabereich.

Geld schießt zwar nicht automatisch Tore. Es ermöglicht aber einen breiteren Kader, erfahrenere Spieler und bessere Reaktionsmöglichkeiten bei Verletzungen.

Das ist über 38 Spieltage ein erheblicher Vorteil.

Fortuna muss den finanziellen Vorsprung allerdings auf dem Platz sichtbar machen. Wenn ein Verein mit einem der höchsten Etats gegen Aufsteiger und kleinere Klubs regelmäßig Punkte liegen lässt, wird aus dem Vorteil sehr schnell zusätzlicher Druck.

Die größte Stärke ist zugleich das größte Risiko

Die Verpflichtung vieler erfahrener Spieler kann Fortuna Stabilität geben. Sie birgt aber auch Gefahren.

Mehrere Leistungsträger sind über 30. Bei einer langen Saison mit englischen Wochen, körperbetonten Spielen und schwierigen Platzverhältnissen wird entscheidend sein, ob Schleusener, Heintz, Hendrix, Zimmermann und Förster dauerhaft fit bleiben.

Fallen zwei oder drei dieser Spieler gleichzeitig aus, muss die nächste Generation übernehmen.

Genau dafür umfasst der Kader derzeit 28 Profis. Darunter befinden sich zahlreiche junge Spieler wie Elias Arden, Anas Slimani, Kilian Sauck, Lukas Eixler, Noah und Elias Egouli sowie Mechak Quiala Tito. Der offizielle Kader verbindet damit erfahrene Führungsspieler mit einer großen Gruppe entwicklungsfähiger Talente.

Trainer Alexander Ende muss daraus mehr machen als zwei getrennte Mannschaften – hier die Routiniers, dort die Nachwuchsspieler. Die Jungen müssen früh Verantwortung übernehmen können, ohne dass das gesamte System zusammenbricht.

Ein neuer Kader braucht Zeit, die Fortuna kaum hat

Die Düsseldorfer haben im Sommer eine enorme personelle Veränderung vollzogen. Philipp Förster war bereits der 15. Neuzugang. Viele Spieler lernen sich erst seit wenigen Wochen kennen.

Das ist die vielleicht größte Unsicherheit.

Individuell gehört Fortuna zu den besten Mannschaften der Liga. Doch ein Aufsteiger benötigt funktionierende Abläufe, klare Automatismen und gegenseitiges Vertrauen. Diese Dinge lassen sich nicht auf dem Transfermarkt kaufen.

Während eingespielte Konkurrenten im August bereits genau wissen, wie sie verteidigen und angreifen wollen, könnte Düsseldorf zu Beginn noch nach der richtigen Formation suchen.

Ein schlechter Start wäre besonders gefährlich. Nach dem Abstieg ist die Erwartungshaltung enorm. Zwei Niederlagen genügen, und die ersten Diskussionen über Trainer, Transfers und Mentalität beginnen.

Fortuna muss deshalb möglichst schnell Ergebnisse liefern, selbst wenn spielerisch noch nicht alles funktioniert.

Auch auf einigen Positionen bleiben Fragen

Der Kader wirkt breit, aber nicht überall vollständig ausbalanciert.

Nach Medienberichten suchte Fortuna zuletzt noch nach einer weiteren Lösung für das defensive Mittelfeld und nach einer Alternative auf der linken Abwehrseite.

Auch die Torwartposition muss sich erst bewähren. Der bisherige Kapitän Florian Kastenmeier verließ den Verein nach Vertragsende. Mit Lasse Rieß, Louis Lord und Milan Czako verfügt Fortuna über vergleichsweise junge Torhüter.

In einer Aufstiegssaison kann ein erfahrener Torwart mehrere Punkte retten. Fortuna muss zeigen, dass die neue Besetzung dem Druck gewachsen ist.

Zudem stehen bei Kilian Sauck und Steven van der Sloot offenbar noch Entscheidungen über die sportliche Zukunft aus. Der Kader könnte sich bis zum Ende der Transferperiode weiter verändern.

Die Konkurrenz schläft nicht

Der direkte Wiederaufstieg führt nur über Platz eins oder zwei. Der Tabellendritte muss in die Relegation – und auf dieses Glücksspiel dürfte in Düsseldorf niemand freiwillig setzen wollen.

Hansa Rostock wird von den Drittligatrainern sogar noch häufiger als Aufstiegskandidat genannt als Fortuna. Rot-Weiss Essen, Preußen Münster, der MSV Duisburg und weitere ambitionierte Klubs werden ebenfalls im Rennen erwartet.

Gerade Traditionsduelle gegen Essen, Duisburg, Rostock oder Münster werden nicht allein durch spielerische Qualität entschieden. Für viele Gegner wird das Heimspiel gegen Fortuna eines der größten Ereignisse der Saison sein.

Düsseldorf wird kaum irgendwo unterschätzt werden.

Jeder Gegner wird besonders motiviert sein. Jedes Unentschieden gegen Fortuna wird gefeiert, jeder Sieg gegen den großen Absteiger erst recht.

Der Favoritenstatus ist deshalb nicht nur Vorteil, sondern Belastung.

Alexander Ende steht sofort unter Beobachtung

Trainer Alexander Ende konnte den Abstieg in den letzten fünf Saisonspielen nicht mehr verhindern, erhielt aber das Vertrauen der neuen sportlichen Führung. Samir Arabi hielt nach seiner Verpflichtung am Trainer fest und setzt auf einen gemeinsamen Neustart.

Das ist konsequent, erhöht aber den Druck.

Ende bekommt einen Kader, der klar auf den Aufstieg ausgerichtet ist. Er muss aus den vielen Neuzugängen schnell eine Einheit formen, die sowohl Fußball spielen als auch kämpfen kann.

Seine Mannschaft sollte aktiv, mutig und dominant auftreten. Gleichzeitig darf sie nicht naiv werden. Die 3. Liga bestraft Ballverluste, schlecht verteidigte Standards und mangelnde Zweikampfhärte gnadenlos.

Ende muss die richtige Balance finden: Fortuna soll wie ein Favorit spielen, aber nicht glauben, allein wegen des Namens gewinnen zu müssen.

Der Auftakt wird sofort zum Charaktertest

Fortuna startet am Freitag, 7. August, auswärts bei Waldhof Mannheim. Anschließend folgt das erste Heimspiel gegen die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim.

Gerade das Auftaktspiel in Mannheim wird zeigen, wie weit die Mannschaft tatsächlich ist.

Dort wartet kein freundliches Begrüßungskomitee. Waldhof wird körperlich dagegenhalten, die Atmosphäre wird laut sein und Fortuna sofort testen.

Ein überzeugender Start könnte Euphorie auslösen. Die Fans haben bereits beim Testspiel gegen Dortmund gezeigt, dass sie trotz des Abstiegs bereit sind, die Mannschaft zu tragen.

Ein holpriger Beginn wäre noch keine Katastrophe. Doch je länger Fortuna braucht, um sich zu finden, desto schwieriger wird die Aufholjagd.

Wie groß sind die Chancen wirklich?

Fortuna Düsseldorf besitzt alle Voraussetzungen, um direkt aufzusteigen:

  • einen der höchsten Etats der Liga,
  • einen qualitativ starken und breiten Kader,
  • zahlreiche Spieler mit Erst- und Zweitligaerfahrung,
  • eine klare Führungsstruktur,
  • große Unterstützung von den Rängen,
  • und eine sportliche Leitung, die den Kader gezielt für den sofortigen Erfolg zusammengestellt hat.

Gegen den Aufstieg sprechen der enorme personelle Umbruch, die fehlende Eingespieltheit, offene Fragen auf einzelnen Positionen und das Verletzungsrisiko bei mehreren älteren Schlüsselspielern.

Fortuna ist deshalb ein Topfavorit, aber kein sicherer Aufsteiger.

Eine realistische Einschätzung lautet: Düsseldorf gehört vor dem Saisonstart zu den drei stärksten Teams der Liga. Der direkte Aufstieg ist absolut möglich und muss das Ziel sein. Er ist aber keineswegs selbstverständlich.

Viel wird davon abhängen, ob die Routiniers gesund bleiben, die jungen Spieler schnell wachsen und Alexander Ende aus 28 Profis eine Mannschaft formt, die auch dann funktioniert, wenn es einmal schmutzig wird.

Fazit: Fortuna kann aufsteigen – aber nicht im Spaziergang

Samir Arabi hat kein Team für eine lange Drittliga-Romantik zusammengestellt. Er hat eine Mannschaft gebaut, die möglichst im ersten Anlauf zurück in die 2. Bundesliga soll.

Die erfahrenen Neuzugänge verleihen Fortuna Qualität, Mentalität und Führung. Schleusener soll treffen, Förster gestalten, Hendrix ordnen und Heintz verteidigen. Um sie herum sollen junge Spieler für Tempo und Energie sorgen.

Das Konzept kann funktionieren.

Doch die 3. Liga interessiert sich nicht für Fortunas Vergangenheit, das große Stadion oder den höheren Etat. Sie verlangt Woche für Woche Konzentration, Härte und Geduld.

Die sechs alten Haudegen können der Schlüssel zum Wiederaufstieg sein. Sie dürfen aber nicht zu sechs unverzichtbaren Spielern werden, deren Ausfall das gesamte Gebilde ins Wanken bringt.

Fortuna hat sehr gute Chancen.

Jetzt muss aus einem interessanten Kader nur noch eine Aufstiegsmannschaft werden.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Hat der Fußball damit gewonnen?

Na endlich: Der Fußball wird gerettet. Nicht durch schönere Spiele, bezahlbare Tickets,...

Allgemeines

Newcastle United in der Krise: Eddie Howe geht – und selbst Saudi-Milliarden lösen das Problem nicht

Die Vision war gewaltig: Newcastle United sollte bis 2030 zu den besten...

Allgemeines

Mutmaßlich russische Rakete schlägt tief in Polen ein – Donald Tusk spricht von Kh-101-Marschflugkörper

Ein Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet sorgt für neue Spannungen an der NATO-Ostflanke....

Allgemeines

Drohnenangriff auf ägyptischen LNG-Hafen: Zwei Gastanker geraten in Brand

Ein Drohnenangriff auf den ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta hat nach Angaben der ägyptischen...