Die 55 Mitgliedsverbände der UEFA haben einstimmig beschlossen, künftige Wettbewerbe der FIFA zu boykottieren, solange der Weltverband an seinem umstrittenen Investorenmodell festhält. Betroffen wären sowohl die Männer-Weltmeisterschaft 2030 als auch die Frauen-WM 2027 in Brasilien.
FIFA plant milliardenschwere Gesellschaft
FIFA-Präsident Gianni Infantino möchte eine neue kommerzielle Tochtergesellschaft mit dem Namen „FIFA Forward Enterprise“ gründen. Diese soll wichtige operative und wirtschaftliche Rechte an großen Turnieren verwalten.
Das geplante Unternehmen soll einen Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar haben und teilweise für private Investoren geöffnet werden. Die FIFA arbeitet dabei mit der US-Bank JP Morgan zusammen. Als möglicher Hauptinvestor wird Thrive Eternal genannt, ein Unternehmen des US-Investors Joshua Kushner.
Die FIFA argumentiert, dass die Einnahmen wieder in die weltweite Entwicklung des Fußballs fließen sollen.
UEFA spricht von Ausverkauf
Die UEFA lehnt das Vorhaben entschieden ab. Nach ihrer Auffassung darf die Weltmeisterschaft nicht wie ein gewöhnliches Anlageprodukt behandelt werden. Sie sei über Generationen von Spielern, Nationalmannschaften und Fans aufgebaut worden und gehöre nicht der FIFA allein.
Besonders kritisiert wird, dass die Pläne ohne ausreichende Abstimmung mit den nationalen Verbänden entwickelt worden seien. Mehr als 40 Vertreter sollen während einer Videokonferenz ihrem Ärger über das Vorgehen der FIFA Luft gemacht haben.
Die UEFA verlangt, dass das Investorenmodell vollständig aufgegeben wird. Zusätzlich soll die FIFA verbindlich zusichern, ihre Wettbewerbe und Führungsstrukturen künftig nicht für private Eigentümer zu öffnen.
WM ohne Europas Spitzenteams
Ein Boykott hätte erhebliche sportliche und wirtschaftliche Folgen. Mannschaften wie Weltmeister Spanien sowie Frankreich, England und Deutschland würden bei der WM 2030 fehlen.
Auch die Frauen-WM wäre stark betroffen. Europäische Teams gehören dort regelmäßig zu den erfolgreichsten Teilnehmern. Ohne sie würden die Wettbewerbe erheblich an sportlichem Wert, Zuschauerinteresse und Vermarktungspotenzial verlieren.
Kritik auch aus anderen Regionen
Auch die asiatische Konföderation AFC und der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF kritisieren die mangelnde Einbindung in die Planungen. Afrikas Verband CAF will das Vorhaben prüfen. Südamerika und Ozeanien haben sich bislang nicht öffentlich positioniert.
Der Konflikt zeigt die gegenseitige Abhängigkeit: Die FIFA benötigt Europas große Mannschaften und Stars, während die UEFA weiterhin Teil des weltweiten FIFA-Systems ist. Der Streit dürfte deshalb vor allem ein harter Machtkampf um Kontrolle, Geld und die Zukunft der wichtigsten Fußballturniere werden.
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