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Luxus über den Wolken: Ontarios Premier Doug Ford leistet sich Privatjet – und kassiert dafür Spott

Goodfreephotos_com (CC0), Pixabay
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21 Millionen Dollar für einen gebrauchten Regierungsflieger: Während viele Menschen in Ontario mit Mieten und Lebensmittelpreisen kämpfen, gönnt sich Premier Doug Ford ein neues Symbol politischer Bodenhaftungslosigkeit.

Es gibt politische Entscheidungen, die wirken in Zeiten sozialer Anspannung ungefähr so sensibel wie ein Champagnerempfang in der Suppenküche.

In der kanadischen Provinz Ontario sorgt Premier Doug Ford derzeit genau mit so einer Entscheidung für Empörung: Seine Regierung hat einen gebrauchten Privatjet für 28,9 Millionen kanadische Dollar gekauft – umgerechnet rund 21 Millionen US-Dollar.

Das Flugzeug: ein Bombardier Challenger 650, Baujahr 2016, hergestellt in Kanada.
Die offizielle Begründung: mehr Flexibilität, mehr Sicherheit, mehr Vertraulichkeit bei Regierungsreisen.

Die politische Übersetzung:
Wenn schon Krise, dann wenigstens komfortabel.

Ein Regierungsflieger für den Anti-Trump-Feldzug

Fords Büro bestätigte den Kauf nach Berichten der Toronto Star. Der Jet solle vor allem für die Reisen des Premiers genutzt werden – unter anderem für seine zahlreichen Besuche in den USA, wo Ford nach eigener Darstellung gegen die Zollpolitik von Donald Trump lobbyiert.

Das klingt zunächst fast patriotisch: Ontario verteidigt seine Wirtschaft, sein Premier fliegt in die USA, um gegen Trumps Strafzölle zu argumentieren.

Nur leider klingt es für viele Wähler eben auch nach etwas anderem:

Ein Regierungschef, der mitten in einer Lebenshaltungskostenkrise einen Businessjet kauft und das als Kampf für den kleinen Mann verkauft.

„Gravy plane“ statt Sparpolitik

Die Opposition ließ sich die Vorlage nicht entgehen.

Fords politische Gegner tauften den neuen Flieger prompt:

„Gravy plane“

Eine Mischung aus Regierungsjet und Selbstbedienungsladen – also ziemlich genau das Bild, das man in solchen Fällen vermeiden möchte.

Die Vorsitzende der linken Ontario New Democratic Party, Marit Stiles, formulierte es direkter:

„Er sollte Economy fliegen wie wir alle.“

Später legte sie im Frühstücksfernsehen nach:

Die Menschen in Ontario kämpften mit Miete, Lebensmitteln und den alltäglichen Kosten – und der Premier halte ausgerechnet jetzt den Kauf eines Privatjets für eine gute Idee.

Man muss nicht sonderlich oppositionell sein, um zu erkennen:
Das Timing ist katastrophal.

Fords Verteidigung: Großes Land, große Wege, große Ausreden

Das Büro des Premiers weist die Kritik zurück. Der Jet werde „nur für Regierungszwecke“ eingesetzt. Er ermögliche „verlässlichere, flexiblere, sichere und vertrauliche Reisen“ – schließlich sei Ontario riesig, „doppelt so groß wie Texas“.

Das ist politisch nicht ungeschickt: Wer Größe sagt, meint Notwendigkeit.
Wer „Sicherheit“ sagt, will Debatten beenden.
Und wer „Vertraulichkeit“ sagt, klingt automatisch staatsmännischer.

Außerdem verweist Fords Team darauf, dass der Premier schon bisher regelmäßig Privatmaschinen charterte. Der Kauf sei daher quasi rationales Haushalten – nicht Luxus, sondern Effizienz.

Das ist ungefähr die Argumentationslinie:

„Wir flogen ohnehin teuer privat. Jetzt besitzen wir das Problem einfach selbst.“

Der Klassiker: Andere haben noch teurere Flugzeuge

Besonders beliebt bei Regierungen in Rechtfertigungsnot ist bekanntlich der Vergleich mit anderen, die noch mehr Geld verbrannt haben.

Also verweist Fords Büro darauf, dass Québec für seine Flotte aus einem gebrauchten und zwei neuen Challenger-650-Maschinen rund 107 Millionen kanadische Dollar gezahlt habe.
Und der Bund habe gleich 753 Millionen Dollar für sechs neue Bombardier Global 6500 ausgegeben.

Die Pointe daran:
Wenn man erklären muss, dass der eigene Luxusflieger gar nicht so schlimm sei, weil andere noch größere Luxusflieger gekauft haben, ist die politische Schlacht meist schon verloren.

Ontario kennt diese Debatte – und sie endet selten gut

Brisant ist der Fall auch deshalb, weil Ontario mit solchen Flugzeugkäufen bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Schon 1981 geriet der damalige Premier Bill Davis unter Druck, nachdem er einen teuren Challenger-Jet gekauft hatte. Die Kritik war so massiv, dass die Regierung das Flugzeug später zu einem Luftrettungsflieger umrüsten ließ. Am Ende wurde es verkauft – ersetzt durch zwei Löschflugzeuge für Waldbrände.

Mit anderen Worten:
Ontario hat diese politische Lektion schon einmal gelernt.

Offenbar nur nicht nachhaltig.

Ein Premier mit schwachen Zustimmungswerten und starkem Hang zur Bühne

Doug Ford regiert Ontario seit 2018 und gewann im vergangenen Jahr sogar eine seltene dritte Mehrheitsregierung in Folge. Politisch unverwundbar ist er deshalb trotzdem nicht.

Seine Zustimmungswerte liegen laut einer Angus-Reid-Umfrage nur bei rund 31 Prozent – einer der schwächsten Werte unter Kanadas Provinzchefs.

Gleichzeitig inszeniert sich Ford gern als grenzüberschreitender Kämpfer gegen Trumps Wirtschaftsdruck. In den USA ist er inzwischen ein bekanntes Gesicht, nicht zuletzt wegen seiner häufigen TV-Auftritte und teuren Anti-Zoll-Werbekampagnen, die seine Regierung dort schalten ließ.

Diese Spots verärgerten Trump so sehr, dass er zeitweise sogar Handelsgespräche zwischen den USA und Kanada stoppte.

Auch das passt ins Bild:
Ford ist ein Politiker, der gern groß auftritt, gern laut sendet – und nun eben auch gern im eigenen Jet.

Die eigentliche Frage: Staatsraison oder Selbstinszenierung?

Natürlich kann man argumentieren, dass ein Regierungschef eines riesigen Bundeslandes effizient reisen können muss.
Natürlich sind Charterflüge ebenfalls teuer.
Natürlich kann ein eigenes Flugzeug in Einzelfällen praktisch sein.

Aber Politik lebt nicht nur von Effizienz. Sie lebt von Symbolen.

Und das Symbol dieses Kaufs ist unerquicklich eindeutig:

  • Menschen kämpfen mit hohen Lebenshaltungskosten
  • die Opposition fordert Sparsamkeit
  • das Vertrauen in politische Eliten sinkt
  • und der Premier kauft einen Privatjet

Das ist kein Verwaltungsakt.

Das ist ein Bild.

Und zwar eines, das sehr viele Wähler sofort verstehen:
Oben fliegt man komfortabel, unten zahlt man weiter die Rechnung.

Fazit

Doug Ford verkauft den neuen Challenger 650 als Werkzeug moderner Regierungsführung.
Seine Gegner sehen darin etwas deutlich Banaleres: einen Luxusflieger zur falschen Zeit für den falschen Mann.

Vielleicht wird der Jet tatsächlich ausschließlich für Staatsgeschäfte genutzt.
Vielleicht spart er sogar langfristig Geld.
Vielleicht ist all das technisch erklärbar.

Politisch aber bleibt vor allem eines hängen:

Ein Premier mit schwachen Umfragewerten kauft sich mitten in einer Teuerungskrise einen Privatjet – und wundert sich, warum das nach Abgehobenheit klingt.

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