Manchmal ist ein Verbrechen so dumm, dass es fast schon wieder Kunst ist.
In Kalifornien sind drei Männer zu Haftstrafen verurteilt worden, nachdem sie versucht hatten, Versicherungen mit einer Geschichte hereinzulegen, die offenbar nur in einem sehr schlechten Drehbuch plausibel wirkt: Ein angeblicher Bär soll mehrere Luxusautos attackiert haben. Tatsächlich steckte wohl schlicht ein Mensch im Bärenkostüm dahinter.
Die Szene, die später viral ging, sollte zunächst als Beweismaterial dienen. Auf dem Video ist zu sehen, wie ein „Bär“ in einem Rolls-Royce Ghost von 2010 in Lake Arrowhead wütet. Ort und Datum: 28. Januar 2024. Parallel wurden am selben Tag an derselben Stelle ähnliche Schadensmeldungen für zwei hochpreisige Mercedes-Modelle eingereicht.
Ein erstaunlich aktiver Bär also. Vielleicht mit Vorliebe für deutsche und britische Oberklasse.
Nur: Die Geschichte hielt nicht lange.
Biologen statt Betrüger-Fantasie
Als das Material geprüft wurde, schaltete sich die California Department of Fish and Wildlife ein. Dort sahen sich Wildtierexperten das Video an – und kamen zu einem vernichtenden Befund:
Das sei kein Bär.
Sondern ein Mensch im Bärenanzug.
Spätestens an diesem Punkt kippte die Geschichte von „ungewöhnlichem Wildschaden“ in die Kategorie „lächerlichster Versicherungsbetrug des Jahres“.
Die kalifornische Versicherungsaufsicht startete daraufhin unter dem erstaunlich passend benannten Codenamen „Operation Bear Claw“ Ermittlungen. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Beamte schließlich, was man in solchen Fällen ungern im Schrank liegen hat: ein Bärenkostüm.
Luxusautos, billiger Trick
Laut Behörden belief sich der versuchte beziehungsweise erschlichene Versicherungsbetrag auf insgesamt 141.839 Dollar – umgerechnet rund 105.000 Pfund.
Verurteilt wurden:
- Alfiya Zuckerman (39)
- Ruben Tamrazian (26)
- Vahe Muradkhanyan (32)
Alle drei legten ein „no contest“-Geständnis ab, also ohne formelles Schuldeingeständnis, aber mit Akzeptanz des Urteils. Das Ergebnis:
- 180 Tage Gefängnis
- zwei Jahre Bewährung unter Aufsicht
Wenn selbst der Bär unglaubwürdig wirkt
Kaliforniens Versicherungsbeauftragter Ricardo Lara kommentierte den Fall mit trockenem Spott:
„Was vielleicht unglaublich wirkte, stellte sich am Ende als genau das heraus – und die Verantwortlichen werden nun zur Rechenschaft gezogen.“
Eine höfliche Behördenformulierung für:
Wer im Bärenkostüm einen Rolls-Royce demoliert und glaubt, damit durchzukommen, sollte vielleicht nicht in die Betrugsbranche gehen.
Fazit
Der Fall zeigt vor allem zweierlei:
- Versicherungsbetrug kann kreativ sein.
- Kreativität ersetzt keine Intelligenz.
Dass am Ende nicht Polizisten, sondern Biologen den Schwindel entlarvten, ist vielleicht die schönste Pointe dieser Geschichte.
Der „Bär“ war eben keiner.
Nur drei Männer mit zu viel Fantasie – und deutlich zu wenig Plan.
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