Fortuna Düsseldorf hat wieder zugeschlagen. Mit Miguel Gonçalves kommt ein A-Nationalspieler an den Rhein. Das klingt zunächst nach großer Fußballwelt, nach internationaler Erfahrung, nach einem Mann, der schon Hymnen gehört hat, bevor der Ball rollt.
Dann folgt die unvermeidliche Fußnote: Der 21-Jährige hat bislang genau zwei A-Länderspiele bestritten. Für Luxemburg.
Und spätestens an diesem Punkt beginnt in Düsseldorf die Diskussion.
Kann ein Fußballer aus Luxemburg Fortuna Düsseldorf überhaupt weiterhelfen?
Die Frage ist natürlich ebenso unfair wie naheliegend. Denn der Pass schießt bekanntlich keine Tore. Luxemburg hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, ärgert regelmäßig größere Nationen und produziert inzwischen Spieler, die in ordentlichen europäischen Ligen ihr Geld verdienen.
Trotzdem wird man das leichte Schmunzeln nicht ganz los. Wenn deutsche Drittligisten einen Nationalspieler verpflichten, denkt man gewöhnlich an Kroatien, Serbien oder vielleicht Dänemark. Nicht unbedingt an ein Land, dessen Einwohnerzahl ungefähr der von Düsseldorf entspricht.
Die Vorstellung ist einfach zu reizvoll: Fortuna präsentiert stolz einen Nationalspieler, und die erste Reaktion vieler Fans lautet nicht „Wow“, sondern „Für wen spielt der eigentlich?“
Dabei könnte genau darin die Chance liegen. Große Namen waren in Düsseldorf ohnehin selten eine Garantie für große Leistungen. Die Fortuna hat in ihrer Geschichte schon genügend Spieler mit beeindruckenden Lebensläufen erlebt, die auf dem Platz eher den Eindruck hinterließen, sie seien versehentlich beim Probetraining gelandet.
Gonçalves dagegen bringt etwas mit, das heutzutage fast schon exotisch wirkt: Entwicklungspotenzial. Mit 21 Jahren steht er noch am Anfang seiner Karriere. Die zwei Länderspiele sind weniger Auszeichnung als Versprechen.
Dennoch bleibt ein gewisses Restrisiko. Wer in Düsseldorf den Aufstieg anpeilt, verpflichtet keinen Spieler, um internationale Quizfragen zu beantworten. Entscheidend wird sein, ob Gonçalves auf dem Platz die Qualität besitzt, Fortuna besser zu machen.
Denn am Ende interessiert sich in der Merkur-Spiel-Arena niemand dafür, wie oft die luxemburgische Nationalhymne gespielt wurde. Die Fans wollen Zweikämpfe, Tore, Punkte und möglichst einen Platz ganz oben in der Tabelle.
Sollte Gonçalves liefern, wird die Herkunft schnell zur Randnotiz. Sollte er scheitern, wird die Frage nach dem Nutzen eines luxemburgischen Nationalspielers vermutlich noch lange durch die Düsseldorfer Fußballstammtische geistern.
Bis dahin gilt: Fortuna hat einen Nationalspieler verpflichtet. Auch wenn man in Luxemburg vermutlich etwas genauer hinschauen muss, um den internationalen Glanz zu erkennen.
Fortuna ist Drittligist
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