Der mutmaßliche Amokfahrer von Leipzig soll seine Tat offenbar schon Wochen vorher angekündigt haben. Laut „Zeit“ schrieb der 33-Jährige bereits im April an seine Ehefrau, es sei „lange kein Auto mehr in eine Menschenmenge gefahren“.
Eine Aussage, bei der man sich im Nachhinein fragt: Hat wirklich niemand Alarmglocken gehört – oder war man in Leipzig gerade zu beschäftigt damit, neue Parkzonen zu markieren?
Denn nun zeigt sich: Die Polizei kannte die Nachricht nach eigenen Angaben erst am Abend der Tat. Gleichzeitig gab es offenbar bereits zuvor Anzeigen wegen Bedrohung, Beleidigung und sogar Todesdrohungen gegen Familienmitglieder. Die Ehefrau hatte sich laut Bericht sogar an das Jugendamt gewandt.
Und genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Debatte, die über den Täter hinausgeht.
Denn wenn ein einzelner Mann mit einem Auto mitten durch die Leipziger Innenstadt rasen kann, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie belastbar war das Sicherheitskonzept dieser Stadt eigentlich überhaupt?
Oder anders formuliert:
Warum haben weder Stadtverwaltung, noch Polizei, noch Feuerwehr erkannt, dass die Leipziger Innenstadt offenbar an entscheidenden Stellen problemlos mit einem Fahrzeug durchbrochen werden kann?
Denn nach jeder Großveranstaltung hört man normalerweise dieselben Sätze:
„Umfassendes Sicherheitskonzept.“
„Hohe Polizeipräsenz.“
„Abstimmung aller Behörden.“
„Modernste Schutzmaßnahmen.“
Offenbar fehlte dabei nur ein kleines Detail:
Die Erkenntnis, dass Autos fahren können.
Natürlich trägt allein der Täter die Verantwortung für diese grausame Tat. Aber zur ehrlichen Aufarbeitung gehört eben auch die unbequeme Frage an Bürgermeister Heiko Rosenthal und die Stadt Leipzig:
Warum wurde diese Schwachstelle im Sicherheitskonzept nicht erkannt?
Denn wenn Zufahrten, Fluchtwege oder Veranstaltungsbereiche so offen sind, dass ein einzelnes Fahrzeug zur tödlichen Gefahr werden kann, dann reden wir nicht mehr nur über individuelles Versagen eines Täters – sondern auch über mögliches Organisationsversagen.
Besonders pikant: Nach jeder internationalen Terrorlage werden Innenstädte normalerweise mit Pollern, Sperren und Zufahrtsschutz ausgestattet. In Leipzig dagegen hatte man offenbar großes Vertrauen in die allgemeine Vernunft der Menschheit.
Das Ergebnis ist tragisch:
Zwei tote Menschen, mehrere Verletzte und eine Stadt, die sich nun fragen lassen muss, ob ihre Sicherheitskonzepte vielleicht eher PowerPoint-Präsentationen als tatsächliche Schutzmaßnahmen waren.
Und genau deshalb gehört diese Frage zwingend zur Aufarbeitung dazu – auch wenn sie im Rathaus vermutlich niemand gerne hören möchte.
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