Die südafrikanische Musiklegende Albert Mazibuko, langjähriges Mitglied der weltberühmten Vokalgruppe Ladysmith Black Mambazo, ist im Alter von 77 Jahren gestorben.
Wie die Gruppe am Montag auf Facebook mitteilte, starb Mazibuko bereits am Sonntag nach kurzer Krankheit. Mit ihm verliert Ladysmith Black Mambazo nicht nur einen herausragenden Sänger, sondern auch eine prägende Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg das Gesicht und die Seele des Ensembles mitgestaltet hat.
Mazibuko gehörte der Gruppe seit 1969 an – also über fünf Jahrzehnte lang. In dieser Zeit wurde Ladysmith Black Mambazo zu einem weltweiten Symbol südafrikanischer Chormusik. Die Formation gewann fünf Grammy Awards und erlangte internationale Berühmtheit durch ihre Mitwirkung auf Paul Simons legendärem Album „Graceland“ aus dem Jahr 1986.
Ein „heiliger Mensch“ und Vorbild für Jüngere
In ihrem Nachruf würdigte die Gruppe Albert Mazibuko als einen Menschen, der „zu gut für diese Welt“ gewesen sei – „freundlich bis zur Selbstlosigkeit“, ein „Heiliger“ und ein „weiser Ältester“ für die jüngeren Mitglieder.
Er habe es geliebt, um die Welt zu reisen und die Musik sowie die Botschaft von Ladysmith Black Mambazo zu verbreiten. Besonders am Herzen lag ihm laut der Gruppe stets die Idee von „Frieden, Liebe und Harmonie“ – eine Botschaft, die er überallhin trug, wo Menschen bereit waren zuzuhören.
Von Ladysmith in die Welt
Mazibuko wuchs in der ostsüdafrikanischen Stadt uMnambithi auf, die früher als Ladysmith bekannt war. Schon früh verließ er die Schule, um auf einer Farm zu arbeiten. Sein Cousin Joseph Shabalala, der Gründer von Ladysmith Black Mambazo, holte ihn später in die Gruppe.
Die Formation verband traditionelle Zulu-Gesänge und Tänze mit dem südafrikanischen Isicathamiya, einer a-cappella-Tradition, die oft von sanften, gleitenden Tanzbewegungen begleitet wird.
Bereits 1970 brachte ein Radioauftritt den Durchbruch. 1973 veröffentlichte die Gruppe mit „Amabutho“ das erste Album Afrikas, das Goldstatus erreichte.
Stimme der Hoffnung in dunklen Zeiten
Während der Apartheid wurde Ladysmith Black Mambazo zu einer musikalischen Stimme der Hoffnung und Einheit. Ihre Lieder spendeten Trost in einer Zeit, in der rassistische Unterdrückung in Südafrika gesetzlich verankert war.
In einem BBC-Interview erinnerte sich Mazibuko 2015 daran, wie er als junger Mann nach der Arbeit von der Polizei kontrolliert wurde. Schwarze Südafrikaner mussten damals sogenannte Passbücher mit sich führen – Instrumente des Apartheid-Regimes, um ihre Bewegungsfreiheit einzuschränken.
„Wenn man es nicht dabeihatte, wurde man verhaftet“, sagte Mazibuko damals. Die Angst vor einer Festnahme habe ihn nie ganz verlassen.
Umso bewegender sei für ihn die erste freie Wahl nach dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 gewesen. Die langen Schlangen von Menschen, die damals zum ersten Mal abstimmen konnten, seien für ihn „wie der Himmel“ gewesen.
Große Trauer in Südafrika
Auch Südafrikas Kulturminister Gayton McKenzie würdigte Mazibuko. Er sei weit mehr als nur ein Künstler gewesen – vielmehr ein Hüter eines einzigartig südafrikanischen Klangs, der Menschen auf der ganzen Welt durch Musik verbunden habe.
Ladysmith Black Mambazo besteht heute aus einer Mischung langjähriger und jüngerer Mitglieder. Die Gruppe war seit Februar auf US-Tournee und sollte dort eigentlich am Freitag ihr letztes Konzert geben.
Mit Albert Mazibuko verliert Südafrika eine Stimme, die über Generationen hinweg Hoffnung, Würde und Menschlichkeit in die Welt getragen hat.
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