Die Luftfahrtindustrie hat ein neues Problem entdeckt: Es fehlen Flugzeugfenster. Nachdem bereits Triebwerke, Ersatzteile, Personal und gelegentlich auch Geduld knapp waren, sind nun also die Scheiben an der Reihe.
Auslöser ist ein Zwischenfall in einem Werk des Zulieferers GKN Aerospace in Kalifornien. Dort musste die Produktion Ende Mai zeitweise eingestellt werden, weil ein überhitzter Tank eine Explosionsgefahr verursachte. Rund 50.000 Menschen in der Umgebung mussten vorsorglich ihre Häuser verlassen.
Das Werk produziert Fenster für verschiedene Modelle von Boeing und Airbus, darunter die 737 MAX, den A220 und den A350. Bis Ende 2026 soll die Fabrik wieder vollständig ausgelastet sein. Bis dahin heißt es in der Branche offenbar: Durchblick bewahren und Kratzer möglichst ignorieren.
Boeing soll Fluggesellschaften geraten haben, Fenster nur noch bei „dringendem Bedarf“ auszutauschen. Rein kosmetische Gründe reichen nicht mehr aus. Ein kleiner Kratzer bleibt also künftig möglicherweise einfach Teil des Borddesigns und wird als „aeronautische Patina“ verkauft.
Bei der aktuellen Sommerhitze wäre ein Flug mit offenem Fenster sicherlich ohnehin angenehmer. Ein wenig Frischluft auf Reiseflughöhe, dazu natürliche Klimatisierung und ein völlig neues Erlebnis für Passagiere in der letzten Reihe. Aus technischen Gründen dürfte diese Idee allerdings weiterhin am entschiedenen Widerspruch von Physik, Druckkabine und Überlebensinstinkt scheitern.
Airbus und Boeing versichern unterdessen, dass die Flugzeugproduktion nicht stillsteht. Es komme lediglich zu Verzögerungen und wachsender Nervosität bei Airlines und Wartungsbetrieben. Auch Lufthansa Technik berichtet, dass Flugzeugfenster schon länger schwer zu beschaffen seien.
Für Reisende ändert sich vorerst wenig. Die Fenster bleiben geschlossen, der Blick nach draußen bleibt hoffentlich möglich und die Klimaanlage übernimmt weiterhin jene Aufgabe, die ein geöffnetes Fenster in 10.000 Metern Höhe nur sehr kurz erfüllen würde.
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