Im zentralen Gazastreifen sind nach Angaben örtlicher Quellen mindestens zehn Palästinenser bei israelischen Luftangriffen sowie bei Gefechten zwischen Hamas-Kräften und einer von Israel unterstützten palästinensischen Miliz getötet worden.
Nach Berichten richteten sich die Luftangriffe gegen Hamas-Sicherheitskräfte, die zuvor östlich des Flüchtlingslagers Maghazi mit Mitgliedern der Miliz aneinandergeraten waren. Unklar ist bislang, wie viele Menschen direkt durch die Luftangriffe und wie viele bei den Kämpfen am Boden ums Leben kamen.
Ein Sprecher des Al-Aqsa-Krankenhauses in Deir al-Balah erklärte, dass zehn Leichen vom Ort der Auseinandersetzungen in die Klinik gebracht worden seien. Zudem gebe es zahlreiche Verletzte, einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr.
Weder das israelische Militär noch die Hamas äußerten sich zunächst zu den Vorfällen.
Ablauf der Ereignisse weiter unklar
Die genaue Abfolge der Geschehnisse am Montag ist bislang nicht vollständig geklärt.
Augenzeugen berichten jedoch, dass Mitglieder der von Israel unterstützten Miliz östlich von Maghazi einen Kontrollpunkt eingerichtet hätten. Dort seien sie von Hamas-Sicherheitskräften angegriffen worden, woraufhin es zu heftigen Gefechten gekommen sei.
Laut Zeugen sollen anschließend israelische Drohnen eingegriffen haben, um die Miliz zu unterstützen. Demnach wurden Hamas-Kräfte an drei verschiedenen Orten aus der Luft angegriffen.
Waffenruhe weiter brüchig
Israel und die Hamas werfen sich seit Monaten gegenseitig vor, die vor knapp sechs Monaten vereinbarte Waffenruhe immer wieder zu verletzen.
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen wurden seit Inkrafttreten der Feuerpause bereits mindestens 723 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet.
Das israelische Militär wiederum erklärt, dass im selben Zeitraum fünf israelische Soldaten bei Angriffen palästinensischer Gruppen ums Leben gekommen seien.
Streit um Entwaffnung blockiert nächste Friedensphase
Ein zentrales Hindernis für den Übergang in die zweite Phase des 20-Punkte-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump bleibt die Frage der Entwaffnung palästinensischer Gruppen.
Vergangene Woche traf sich eine Hamas-Delegation in Kairo mit Vermittlern aus Ägypten, Katar und der Türkei, um erstmals auf einen Vorschlag des US-geführten Board of Peace zu reagieren. Dieser sieht vor, dass palästinensische Gruppen ihre Waffen abgeben.
Am Sonntag wies der Sprecher des militärischen Hamas-Arms Gespräche über eine Entwaffnung entschieden zurück – zumindest solange Israel seine Verpflichtungen aus der ersten Phase des Plans nicht erfülle.
„Wir werden nicht akzeptieren, dass die Waffenfrage auf diese plumpe Weise aufgeworfen wird“, erklärte Abu Ubaida.
Er fügte hinzu: „Was der Feind uns nicht mit Panzern und Zerstörung nehmen konnte, wird er uns auch nicht durch Politik oder am Verhandlungstisch nehmen.“
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte die Hamas zuvor gewarnt, sie werde „entweder auf die einfache oder auf die harte Weise entwaffnet“.
Hamas verknüpft Gaza-Krieg mit regionalem Konflikt
Abu Ubaida stellte den Krieg im Gazastreifen zudem in einen größeren regionalen Zusammenhang. Er lobte die Raketen-, Drohnen- und Raketenangriffe iranischer Streitkräfte sowie der mit Iran verbündeten Gruppen Hisbollah im Libanon und Huthi-Miliz im Jemen auf Israel als eine „Fortsetzung dessen, was Hamas am 7. Oktober 2023 begonnen hat“.
Der Gaza-Krieg wurde durch den Hamas-Angriff auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023 ausgelöst. Dabei wurden rund 1.200 Menschen getötet und 251 weitere als Geiseln verschleppt.
Israel reagierte mit einer großangelegten Militäroffensive gegen die Hamas im Gazastreifen. Nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums wurden seitdem mehr als 72.300 Menschen getötet.
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