Allgemeines

Kreml

Stroganova (CC0), Pixabay
Teilen

Der Kreml wirkt nervös. Rund um Wladimir Putin wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft, wie ein europäischer Geheimdienstbericht nahelegt. Auslöser sind eine Serie von Attentaten auf hochrangige Militärs – und die wachsende Furcht vor einem Umsturz im eigenen Machtapparat.

Selbst im engsten Umfeld gelten neue Regeln. Köche, Leibwächter und Fotografen dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr nutzen. Besucher werden doppelt kontrolliert, Vertraute arbeiten nur noch mit internetfreien Telefonen. In den Wohnungen ausgewählter Mitarbeiter sollen Überwachungssysteme installiert worden sein.

Putins Bewegungsradius schrumpft. Der Präsident meidet offenbar vertraute Residenzen rund um Moskau und am Waldai-See, Militärstützpunkte hat er in diesem Jahr bislang nicht besucht. Stattdessen zeigt der Kreml zunehmend vorproduzierte Bilder. Seit Beginn des Ukrainekriegs verbringt Putin laut Bericht zudem immer wieder längere Zeit in modernisierten Bunkeranlagen, unter anderem in der Region Krasnodar.

Der Krieg setzt das System unter Druck. Hohe Verluste, begrenzte Geländegewinne und ukrainische Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland nähren Zweifel. Gleichzeitig werden die wirtschaftlichen Folgen spürbarer – selbst in den bislang abgeschirmten urbanen Eliten.

Im Machtzentrum selbst wächst das Misstrauen. Der Bericht beschreibt Spannungen zwischen Militärführung und Geheimdiensten, ausgelöst unter anderem durch die Ermordung eines Generals Ende 2025. In einer hitzigen Sitzung sollen sich Spitzenvertreter gegenseitig Versagen vorgeworfen haben. Kurz darauf weitete Putin den Schutz durch seinen Föderalen Schutzdienst auf weitere hochrangige Kommandeure aus.

Besonders brisant: Der frühere Verteidigungsminister Sergej Schoigu wird in dem Bericht als potenzieller Risikofaktor genannt. Trotz seiner aktuellen Rolle im Sicherheitsrat verfüge er weiterhin über erheblichen Einfluss im Militär. Die Festnahme eines engen Vertrauten im März gilt demnach als Bruch informeller Absprachen innerhalb der Elite – und als mögliches Signal wachsender interner Machtkämpfe.

Konkrete Belege für Umsturzpläne liefert das Dossier nicht. Doch allein die Tatsache, dass solche Szenarien ernsthaft erwogen werden, zeichnet ein Bild zunehmender Unsicherheit. Bereits 2023 hatte Putin einen Aufstand überstanden, als Söldnerführer Jewgeni Prigoschin Richtung Moskau marschierte.

Wie belastbar die Informationen sind, lässt sich schwer überprüfen. Geheimdienstberichte folgen eigenen Logiken – und können selbst Teil politischer Strategien sein. Der Kreml äußerte sich bislang nicht.

Fest steht: Vier Jahre nach Beginn des Krieges wirkt die Macht in Moskau weniger unangreifbar, als sie es lange schien.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

TGI AG Beitrag den uns eine Userin übermittelt hat

TG LIVE: Gold, Größenwahn und die Jagd auf die „Nichtgläubigen“ Ein Abend...

Allgemeines

Trumps Racheprojekt gerät ins Stocken

Wie das US-Justizministerium im Fall John Brennan unter Druck geriet Im amerikanischen...

Allgemeines

Chaos im Trump-Gesundheitsapparat

FDA-Chef Marty Makary steht offenbar vor dem Aus Im amerikanischen Gesundheitsministerium herrscht...

Allgemeines

KI-Wüste in Utah

Warum sich Bürger gegen ein gigantisches Datenzentrum von „Mr. Wonderful“ wehren Kevin...