Der Papst will also reden. Ausgerechnet mit Marco Rubio. Offenbar glaubt man im Vatikan noch daran, dass sich geopolitische Spannungen mit einem höflichen Gespräch und etwas Weihrauch entschärfen lassen.
Rubio reist Ende der Woche nach Rom und darf dort gleich mehrere Termine abhaken: Außenminister, Verteidigungsminister, Regierungschefin – und zwischendurch ein Treffen mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche. Diplomatie im Akkord, gewissermaßen. In italienischen Medien ist bereits von „Tauwetter“ die Rede. Man könnte auch sagen: Man versucht, das Eis zu schmelzen, das andere zuvor mit großem Eifer produziert haben.
Der Hintergrund ist unerquicklich. Donald Trump liefert sich einen öffentlichen Schlagabtausch mit Papst Leo XIV., weil dieser es gewagt hat, Krieg als „sinnlose und unmenschliche Gewalt“ zu bezeichnen. Eine steile These, zumindest aus Sicht eines Präsidenten, der militärische Lösungen gern für alternativlos hält.
Trump reagierte erwartungsgemäß empört und warf dem Papst vor, sich mit dem Iran gemein zu machen. Der Papst wiederum erklärte, er habe keine Angst vor der US-Regierung – was vermutlich eine der höflicheren Arten ist, Desinteresse an Einschüchterungsversuchen auszudrücken. Später stellte er klar, man habe ihn da wohl missverstanden. Natürlich.
Für zusätzliche Reibung sorgt eine Personalentscheidung aus dem Vatikan: Ein ehemaliger illegaler Migrant wird zum Bischof ernannt. In Zeiten, in denen Washington Migration am liebsten als Sicherheitsproblem behandelt, wirkt das fast wie eine gezielte Provokation – oder wie ein stiller Hinweis darauf, dass christliche Nächstenliebe nicht immer deckungsgleich mit nationaler Abschottung ist.
Auch Italiens Regierungschefin Meloni mischt mit, nennt Trumps Kritik „inakzeptabel“ und kassiert prompt selbst Kritik aus Washington. Der Ton bleibt also freundlich wie gewohnt. Nebenbei droht Trump damit, US-Soldaten aus Europa abzuziehen, weil Verbündete im Iran-Krieg nicht ausreichend Begeisterung zeigen. Dankbarkeit sieht anders aus.
Währenddessen eskaliert der Konflikt im Nahen Osten weiter: Luftangriffe, Drohnen, blockierte Häfen, gesperrte Seewege. Die große Bühne der Weltpolitik, auf der jeder seine Rolle kennt – und trotzdem niemand so recht weiß, wie das Stück enden soll.
Und irgendwo dazwischen sitzt nun Marco Rubio bald im Vatikan. Vielleicht gibt es Kaffee. Vielleicht auch Erkenntnisse. Sicher ist nur: Ein bisschen „Tauwetter“ wäre schon ein Fortschritt. Selbst wenn es nur an der Oberfläche bleibt.
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