Hamburg hat sich mal wieder selbst aus dem Spiel genommen. Noch bevor überhaupt entschieden worden wäre, welche deutsche Stadt tatsächlich ins Rennen um Olympische Spiele geschickt wird, haben die Hamburger vorsorglich den Stecker gezogen. Das ist keine „kluge Vorsicht“. Das ist provinzieller Rückzug im Gewand hanseatischer Vernunft.
Denn eines wird in der Debatte völlig vergessen: Hamburg hätte die Spiele ja noch gar nicht bekommen. Zunächst wäre es überhaupt nur darum gegangen, sich dem nationalen Wettbewerb zu stellen – gegen Berlin, München und die Rhein-Ruhr-Region. Allein dieser Wettbewerb hätte Hamburg über Jahre enorme Aufmerksamkeit, Investitionen, internationale Berichterstattung und politischen Druck für Infrastrukturprojekte gebracht.
Stattdessen entscheidet sich die Stadt erneut für die sicherste aller Optionen: gar nichts riskieren, bloß keine Vision entwickeln und bloß keine große Bühne betreten.
Natürlich gibt es berechtigte Fragen zu Kosten, Wohnungsmarkt und Großprojekten. Aber wer schon vor dem Startschuss aus Angst vor dem möglichen Marathon nach Hause geht, wird niemals erfahren, ob er überhaupt konkurrenzfähig gewesen wäre.
Besonders absurd wirkt der Hamburger Rückzug im Vergleich zu anderen Regionen. München und Rhein-Ruhr haben den Wettbewerb angenommen. Berlin verzichtet sogar ganz auf ein Referendum und denkt strategisch größer. Nur Hamburg sendet wieder das Signal: „Lieber nicht.“
Dabei hätte die Stadt gerade jetzt die Chance gehabt, sich als moderne europäische Metropole zu präsentieren. Olympia-Bewerbungen sind längst nicht mehr nur Sportprojekte. Sie sind gigantische Marketingkampagnen für Städte und Regionen. Wochenlange internationale Berichterstattung, politische Aufmerksamkeit in Berlin, Diskussionen über Infrastruktur, Verkehr, Wohnungsbau und Stadtentwicklung – all das hätte Hamburg nutzen können, selbst ohne am Ende den Zuschlag zu erhalten.
Genau darin liegt der eigentliche Fehler dieses Neins: Hamburg hat nicht nur eine theoretische Olympia-Chance aufgegeben. Die Stadt hat sich selbst aus einer nationalen Zukunftsdebatte verabschiedet.
Und wieder bleibt das Gefühl zurück, dass Hamburg zwar gerne Weltstadt sein möchte – aber bitte nur solange niemand etwas Weltstädtisches wagt.
Die Bürger Entscheidung von Hamburg spiegelt doch eine Tendenz in Deutschland wieder, die mittlerweile gegenüber Großveranstaltungen wie zum Beispiel Olympia oder die Fußball-Weltmeisterschaft, recht negativ eingestellt ist. Doping Serien, schlechte Arbeitsbedingungen für Menschen, die am Aufbau der Spielstätte mit wirkten oder sogar WM Boykott. Wegen Trump zeigt die Stimmung in Deutschland. Hamburg hat also ein ehrliches Votum abgegeben. Das Interesse der Jugend an Hochleistungssport mit Ausnahme von Fußball nimmt auch tendenziell ab. Auch dies ist eine gesellschaftliche Entwicklung. Die Stadt München profitiert nach 50 Jahren, Olympia immer noch von der Verbesserung der Struktur. Aber genau diese Vorteile will man heute nicht mehr erkennen, auch hier waren die Berichterstattungen wegen der Eingriffe in die Natur durch die Medien in der Vergangenheit Markt führend. Wer will unter diesen Umständen nach Olympia?