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Kommentar: Klopp ist nicht die Wunderwaffe – Deutschlands Fußballproblem sitzt viel tiefer

Leovinus (CC0), Pixabay
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Kaum scheidet die deutsche Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft aus, beginnt in Fußball-Deutschland wieder das traditionelle Casting: Wer wird der nächste Bundestrainer? Und wie so oft fällt dabei sofort ein Name: Jürgen Klopp.

Das klingt auf den ersten Blick verlockend. Klopp ist charismatisch, kann Menschen begeistern und hat bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool Außergewöhnliches geleistet. Doch genau deshalb sollte man sich vor einer vorschnellen Euphorie hüten.

Denn Bundestrainer ist eben kein Vereinscoach.

Motivationsreden gewinnen keine Weltmeisterschaften

Jürgen Klopp ist zweifellos ein Meister der Antrittsrede. Aus „Doubters“ machte er in Liverpool „Believers“. Er kann Menschen mitreißen, Emotionen erzeugen und eine Mannschaft über Monate und Jahre entwickeln.

Nur: Beim DFB funktioniert das System völlig anders.

Ein Bundestrainer sieht seine Spieler nur wenige Male im Jahr. Es gibt keine tägliche Trainingsarbeit, keine Möglichkeit, Automatismen über Monate einzustudieren und keine Zeit, eine Mannschaft komplett neu aufzubauen.

Klopp müsste – genau wie Julian Nagelsmann – mit exakt demselben Spielermaterial arbeiten.

Und genau da liegt das eigentliche Problem.

Ein anderer Trainer zaubert keine besseren Fußballer

Wer glaubt, ein paar flotte Klopp-Sprüche würden plötzlich aus einer durchschnittlichen Mannschaft einen WM-Kandidaten machen, unterschätzt die Realität.

Die Defizite beginnen nicht auf der Trainerbank, sondern viele Jahre früher.

  • zu wenige deutsche Nachwuchsspieler erhalten Einsatzzeiten,
  • zu viele Vereine kaufen lieber fertige Profis,
  • technische Ausbildung wird vielerorts vernachlässigt,
  • Talente verschwinden auf der Bank.

Das ist das eigentliche Drama.

RB Leipzig ist kein Vorbild

Besonders bemerkenswert ist dabei Klopps heutige Rolle bei Red Bull.

Ausgerechnet der Konzern, für den er inzwischen als Fußballchef arbeitet, liefert in Deutschland kein überzeugendes Beispiel für nachhaltige Förderung eigener deutscher Talente.

RB Leipzig gilt zwar als Talentschmiede – allerdings vor allem für internationale Spieler, die teuer verpflichtet, entwickelt und weiterverkauft werden.

Für den deutschen Fußball ist das nur bedingt hilfreich.

Wer nun glaubt, ausgerechnet der Red-Bull-Fußballchef werde als Bundestrainer plötzlich das Nachwuchsproblem des DFB lösen, darf zumindest skeptisch sein.

Menschlich wirft Klopp inzwischen Fragen auf

Hinzu kommt ein weiterer Punkt.

In den vergangenen Wochen hat Jürgen Klopp nicht unbedingt den Eindruck vermittelt, souverän mit Erfolg oder Misserfolg anderer umzugehen.

Die Trainerentlassung in Leipzig trägt zumindest politisch seine Handschrift. Ob man diese Entscheidung richtig oder falsch findet, spielt dabei fast keine Rolle.

Sie zeigt vor allem eines:

Klopp ist längst nicht mehr nur der sympathische Trainer mit Dreitagebart und Kappe. Er ist inzwischen Top-Manager in einem milliardenschweren Fußballkonzern.

Damit verändert sich auch die Wahrnehmung seiner Person.

Wer auf der einen Seite ständig Teamgeist predigt und auf der anderen Seite Trainer austauscht, sobald Ergebnisse nicht passen, muss sich kritische Fragen gefallen lassen.

Das eigentliche Problem heißt Ausbildung

Seit Jahren diskutiert Deutschland über Bundestrainer.

Dabei müsste man viel häufiger über Jugendtrainer sprechen.

Über Leistungszentren.

Über Amateurvereine.

Über Nachwuchsförderung.

Über Einsatzzeiten für junge Spieler.

Denn Weltmeister werden nicht im Bundestrainerbüro gemacht.

Sie entstehen zehn Jahre vorher auf Trainingsplätzen.

Fazit

Jürgen Klopp ist einer der erfolgreichsten Vereinstrainer der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Das macht ihn aber nicht automatisch zum idealen Bundestrainer.

Deutschland braucht keine neue Motivationsrede.

Deutschland braucht wieder mehr technisch starke Fußballer, mutige Nachwuchsarbeit und Vereine, die jungen deutschen Spielern echte Chancen geben.

Solange sich daran nichts ändert, wird auch der nächste Bundestrainer – egal ob Klopp, Nagelsmann oder sonst jemand – am Ende mit denselben Problemen kämpfen.

Denn am Spielfeldrand kann man vieles verändern.

Den Spielerkader aber nicht.

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