Die liberianischen Sicherheitsbehörden haben nahe der Hauptstadt Monrovia eine große Menge Kokain beschlagnahmt. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um den bislang größten Drogenfund in der Geschichte des westafrikanischen Landes.
Bei einer Razzia in einem mutmaßlich illegalen Lagerhaus in Duazon, rund 20 Kilometer östlich von Monrovia, entdeckten die Ermittler zahlreiche versiegelte Koffer, Kartons und Pakete. Auf veröffentlichten Bildern ist zu sehen, wie die sichergestellten Gegenstände in einem Lastwagen abtransportiert werden.
Forensische Untersuchungen hätten bestätigt, dass es sich bei der Substanz um hochreines Kokain handele, sagte Polizeichef Gregory Coleman. Der geschätzte Straßenverkaufswert liege bei mehr als 370 Millionen Dollar.
Mehrere Menschen wurden bei dem Einsatz festgenommen, darunter zwei ausländische Staatsangehörige und mehrere Liberianer. Formelle Anklagen sind bislang nicht bekannt gegeben worden.
Nach Angaben der Polizei war der Zugriff das Ergebnis langfristiger Ermittlungen gegen mutmaßliche Drogenschmuggelnetzwerke. Die Behörden hätten verdächtige Aktivitäten bereits seit längerer Zeit beobachtet. In den vergangenen anderthalb Jahren seien die Ermittlungen intensiviert worden.
Woher das Kokain stammt und für welches Zielland es bestimmt war, ist noch unklar. Einer der festgenommenen Ausländer soll sowohl einen spanischen als auch einen kolumbianischen Pass bei sich gehabt haben. Der zweite Mann habe einen serbischen Reisepass vorgelegt.
Liberias Vizepräsident Jeremiah Koung lobte die beteiligten Sicherheitskräfte. Jeder, der für den Drogenschmuggel verantwortlich sei, müsse mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen – unabhängig von seiner Identität oder Stellung.
Der Fund folgt auf eine weitere größere Beschlagnahmung am internationalen Flughafen von Monrovia. Dort hatten Sicherheitskräfte im vergangenen Monat sechs Frachtkisten kontrolliert, die angeblich Lebensmittelgewürze und Textilien enthielten. Tatsächlich fanden die Ermittler darin fast 200 gepresste Kokainblöcke, die offenbar für den Export vorgesehen waren.
Der Flughafenfund hatte eine politische Debatte ausgelöst. Kritiker warfen den Behörden vor, bei der Identifizierung möglicher Verdächtiger zu langsam gehandelt zu haben. Es bestand der Verdacht, dass einzelne Beteiligte das Land verlassen konnten, bevor Festnahmen erfolgten.
Präsident Joseph Boakai ordnete daraufhin gemeinsame Ermittlungen von Polizei und Drogenbekämpfungsbehörde an. Mehrere Verdächtige wurden inzwischen angeklagt, gegen weitere mutmaßliche Beteiligte sollen internationale Haftbefehle beantragt worden sein.
Westafrika gilt seit Jahren als bedeutende Transitregion für Kokain, das aus Südamerika nach Europa geschmuggelt wird. Kriminelle Netzwerke nutzen dabei schwach kontrollierte Grenzen, unzureichend ausgestattete Behörden und politische Instabilität in Teilen der Region.
Nach Einschätzung der Global Initiative Against Transnational Organised Crime gelangt mittlerweile ein erheblicher Anteil des für Europa bestimmten Kokains über Westafrika. Gleichzeitig nimmt auch der Konsum innerhalb der Region zu.
Bereits 2022 hatten die liberianischen Behörden im Hafen von Monrovia mehr als eine halbe Tonne Kokain sichergestellt. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2024 hat Präsident Boakai die Führung der nationalen Drogenbehörde mehrfach ausgetauscht. Seine Regierung steht zunehmend unter Druck, entschiedener gegen internationale Schmuggelnetzwerke vorzugehen.
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