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Klimawandel trifft das Gehirn: Warum extreme Hitze nicht nur den Körper belastet

NickyPe (CC0), Pixabay
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Hitzewellen werden weltweit häufiger, länger und intensiver. Während die gesundheitlichen Folgen für Herz und Kreislauf seit Jahren bekannt sind, rückt zunehmend ein weiteres Organ in den Fokus der Forschung: das menschliche Gehirn.

Neurologen und Klimaforscher warnen, dass steigende Temperaturen weitreichende Auswirkungen auf die Gehirnfunktion haben können – von Konzentrationsproblemen und Stimmungsschwankungen bis hin zu einer Verschlechterung schwerer neurologischer Erkrankungen.

Wenn das Gehirn überhitzt

Das menschliche Gehirn ist äußerst temperaturempfindlich. Obwohl es nur rund zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es etwa 20 Prozent der gesamten Energie und produziert dabei kontinuierlich Wärme. Normalerweise sorgt die Durchblutung dafür, dass überschüssige Hitze abgeführt wird.

Steigen jedoch die Außentemperaturen deutlich an, gerät dieses empfindliche Kühlsystem unter Druck. Wissenschaftler vermuten, dass dadurch Signalübertragungen zwischen Nervenzellen beeinträchtigt werden können. Die Folge sind unter anderem Konzentrationsstörungen, verlangsamtes Denken und eine erhöhte Risikobereitschaft.

Besonders gefährlich für neurologische Patienten

Menschen mit neurologischen Erkrankungen gehören nach Einschätzung von Experten zu den besonders gefährdeten Gruppen.

Dazu zählen unter anderem Patienten mit:

  • Epilepsie
  • Multipler Sklerose
  • Demenz
  • Schlaganfall
  • Migräne
  • Gehirnentzündungen

Bereits während früherer Hitzewellen in Europa registrierten Mediziner einen deutlichen Anstieg neurologischer Notfälle sowie hitzebedingter Todesfälle.

Einige Medikamente gegen neurologische oder psychiatrische Erkrankungen erschweren zusätzlich die körpereigene Temperaturregulierung und erhöhen damit das Risiko für Hitzeschläge.

Schlafmangel verschärft die Probleme

Vor allem warme Nächte setzen vielen Menschen zu.

Schlechter Schlaf wirkt sich unmittelbar auf Gedächtnis, Konzentration und Stimmung aus. Bei Epilepsiepatienten kann Schlafmangel nach Angaben von Neurologen sogar das Risiko weiterer Anfälle erhöhen.

Auch Menschen mit Demenz sind während Hitzeperioden besonders gefährdet. Sie trinken häufig zu wenig, erkennen Warnsignale ihres Körpers nicht oder setzen sich unbewusst großer Hitze aus.

Mehr Schlaganfälle durch steigende Temperaturen

Studien zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und einer steigenden Zahl von Schlaganfällen.

Berechnungen internationaler Forscher deuten darauf hin, dass extreme Hitze weltweit bereits heute für tausende zusätzliche Schlaganfall-Todesfälle pro Jahr verantwortlich sein könnte. Besonders betroffen sind Regionen mit ohnehin hohen Temperaturen und einer schwächeren medizinischen Versorgung.

Auch ungeborene Kinder betroffen

Die Auswirkungen beginnen möglicherweise bereits vor der Geburt.

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Hitzewellen das Risiko für Frühgeburten erhöhen können. Frühgeborene haben wiederum ein größeres Risiko für spätere neurologische Entwicklungsstörungen oder kognitive Einschränkungen.

Forscher stehen erst am Anfang

Trotz zahlreicher Studien bleiben viele Fragen offen. Wissenschaftler untersuchen derzeit unter anderem, welche Rolle genetische Unterschiede spielen und warum manche Menschen Hitze deutlich besser vertragen als andere.

Ebenso ist noch unklar, ob besonders hohe Tagestemperaturen, lang anhaltende Hitzeperioden oder warme Nächte den größten Einfluss auf das Gehirn haben.

Fazit

Der Klimawandel stellt nicht nur Herz und Kreislauf vor neue Herausforderungen, sondern offenbar auch das menschliche Gehirn. Mit zunehmenden Hitzewellen rechnen Experten damit, dass neurologische Erkrankungen häufiger verschärft werden und auch gesunde Menschen verstärkt unter den Folgen extremer Temperaturen leiden.

Die Forschung steht zwar noch am Anfang, doch eines gilt bereits heute als gesichert: Hitze ist weit mehr als ein Wetterphänomen – sie entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Gesundheitsrisiko für das Gehirn.

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