Klaus-Michael Kühne war weit mehr als der Erbe eines traditionsreichen Familienunternehmens. Über Jahrzehnte formte er aus Kühne+Nagel einen international führenden Logistikkonzern und baute anschließend ein Beteiligungsimperium auf, das von der Schifffahrt über die Luftfahrt bis zum Fernbusgeschäft reicht.
Der gebürtige Hamburger gehörte zugleich zu den reichsten Deutschen. Schätzungen seines Vermögens gingen zuletzt weit auseinander und reichten von gut 20 Milliarden bis zu rund 36 Milliarden Euro.
Aus dem Familienbetrieb wird ein Weltkonzern
Kühnes unternehmerische Karriere war eng mit Kühne+Nagel verbunden. Das Unternehmen war 1890 von seinem Großvater August Kühne und Friedrich Nagel gegründet worden.
Klaus-Michael Kühne trat in jungen Jahren in den Familienbetrieb ein und übernahm bereits mit 29 Jahren die Führung. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Unternehmen zu einem weltweit tätigen Logistikkonzern. Später zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück, blieb dem Unternehmen aber als Großaktionär und Ehrenpräsident eng verbunden.
Seinen Lebensmittelpunkt verlegte Kühne bereits vor Jahrzehnten in die Schweiz. Von Schindellegi im Kanton Schwyz aus steuerte er große Teile seiner unternehmerischen Aktivitäten.
Milliardenbeteiligungen an Lufthansa und Hapag-Lloyd
Sein Einfluss ging längst weit über Kühne+Nagel hinaus. Über seine Holding baute Kühne Beteiligungen an mehreren großen europäischen Unternehmen auf.
Besonders bedeutend sind die Engagements bei der Containerreederei Hapag-Lloyd und bei der Lufthansa. Hinzu kommen Beteiligungen unter anderem am Chemikalienhändler Brenntag und am Mobilitätsunternehmen Flix.
Kühne entwickelte sich dadurch vom Logistikunternehmer zu einem der mächtigsten privaten Investoren Deutschlands. Seine Entscheidungen wurden auch deshalb genau beobachtet, weil er bei mehreren börsennotierten Unternehmen zu den größten Einzelaktionären gehörte.
Enge Verbindung zu Hamburg
Trotz seines jahrzehntelangen Wohnsitzes in der Schweiz blieb Kühne seiner Geburtsstadt Hamburg eng verbunden.
Besonders sichtbar war das beim Hamburger SV. Über Jahre unterstützte der Milliardär den Fußballverein mit hohen Millionenbeträgen und versuchte dabei wiederholt, auch auf die sportliche Entwicklung Einfluss zu nehmen.
Daneben engagierte er sich als Stifter für Wissenschaft, Medizin und Kultur. Zuletzt gehörte ein geplantes neues Opernhaus in Hamburg zu seinen prominentesten Vorhaben.
Kühne hinterlässt keine Kinder
Eine zentrale Frage nach Kühnes Tod ist, was mit seinem Milliardenvermögen und seinen Unternehmensbeteiligungen geschieht.
Kühne und seine Ehefrau Christine haben keine Kinder. Der Unternehmer hatte deshalb schon zu Lebzeiten Vorkehrungen für seine Nachfolge getroffen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Kühne-Stiftung, die er 1976 gemeinsam mit seinen Eltern gegründet hatte.
Die Stiftung engagiert sich heute in den Bereichen Logistik, Medizin, Klima und Kultur und will allein 2026 Projekte mit rund 65 Millionen Schweizer Franken fördern.
Nach bisherigen Angaben soll Kühnes Vermögen nach seinem Tod im Wesentlichen in die Stiftungsstruktur übergehen. Damit dürfte die Stiftung künftig noch größere Bedeutung für den langfristigen Erhalt seines Unternehmens- und Beteiligungsvermögens bekommen.
Kühne+Nagel bestätigt den Tod
Erste Berichte über Kühnes Tod waren am Montagvormittag unter Berufung auf sein Umfeld bekannt geworden. Anschließend bestätigte Kühne+Nagel, dass der Unternehmer in der Nacht zum Montag im Alter von 89 Jahren in Schindellegi gestorben sei.
Damit endet eine der bemerkenswertesten deutschen Unternehmerkarrieren der vergangenen Jahrzehnte.
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