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Kaschmir prüft Bücher auf unerwünschte Gedanken

Hermann (CC0), Pixabay
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Die Behörden im indisch verwalteten Kaschmir haben Bildungseinrichtungen angewiesen, sämtliche Bücher, Forschungsarbeiten und Abschlussarbeiten auf „unangemessene und anstößige“ Inhalte zu überprüfen. Was genau darunter fällt, bleibt offen. Schließlich funktioniert eine Kontrolle besonders reibungslos, wenn niemand genau weiß, was erlaubt ist.

Schulen, Universitäten und Bibliotheken sollen künftig Material melden, das religiöse Gefühle, Gesetze, nationale Interessen oder „etablierte Normen“ verletzen könnte. Damit erhält praktisch jeder Text die Chance, verdächtig zu sein – abhängig davon, wer ihn liest und wie empfindlich die zuständige Stelle gerade ist.

Die Regierung betont, es gehe keinesfalls darum, das Lesen einzuschränken. Man wolle lediglich verhindern, dass Menschen Inhalte lesen, die aus Sicht der Behörden falsch, gefährlich oder unerwünscht sind. Der Unterschied dürfte vor allem verwaltungsrechtlicher Natur sein.

Auslöser war ein Streit über zwei Bücher in Schulbibliotheken, denen die Regierungspartei BJP vorwarf, Separatisten zu verherrlichen. Die Werke wurden entfernt, mehrere Beteiligte festgenommen und acht Beamte suspendiert. Damit wurde pädagogisch eindrucksvoll demonstriert, welche Folgen eine unpassende Literaturauswahl haben kann.

Bereits zuvor waren 25 Bücher verboten worden, darunter Werke bekannter Autoren und Wissenschaftler. Im vergangenen Februar beschlagnahmte die Polizei zudem Hunderte Bücher in Buchhandlungen. Kritiker behaupteten, viele davon hätten sich lediglich mit Konflikt, Geschichte und politischer Unterdrückung beschäftigt – also genau mit jenen Themen, die in einer konfliktfreien Geschichtsschreibung unnötig stören.

Akademiker und Oppositionspolitiker warnen vor Zensur und einem Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit. Regierungsvertreter widersprechen: Akademische Freiheit dürfe nicht dazu dienen, Separatismus zu verherrlichen oder „unnötige Kontroversen“ auszulösen.

Damit ist das Ziel klar: Geschichte soll weiterhin unterrichtet werden – allerdings möglichst so, dass sie niemanden beunruhigt, keine Fragen aufwirft und mit der jeweils gültigen politischen Gegenwart übereinstimmt.

Die eigentliche Prüfung betrifft deshalb womöglich weniger die Bücher als ihre Leser: Wer entscheidet, was Wahrheit ist – Wissenschaftler, Lehrkräfte oder jene Behörde, die vorsorglich schon einmal den Rotstift bereithält?

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