Nach dem Brand in einer Bar in Bangkok mit mindestens 32 Todesopfern stellt sich erneut die Frage, ob aus früheren Katastrophen endlich Konsequenzen gezogen werden. Dieselbe Frage wurde bereits 2009 nach 67 Toten im Santika Club und 2022 nach 26 Toten im Club Mountain B gestellt. Die Antwort befindet sich offenbar noch in behördlicher Bearbeitung.
Das Muster ist stets ähnlich: ein überfüllter Raum, leicht entzündliches Material, dichter Rauch und zu wenige oder blockierte Ausgänge. Danach folgen Trauer, Untersuchungen und das feierliche Versprechen, dass so etwas nie wieder geschehen dürfe – bis zum nächsten Mal.
Dabei gelten in Thailand seit 2012 strengere Brandschutzvorschriften für Nachtclubs. Sie schreiben unter anderem feuerfeste Dämmstoffe, breitere Fluchtwege, Notbeleuchtung und teilweise Sprinkleranlagen vor.
Allerdings gelten diese Regeln hauptsächlich in offiziell ausgewiesenen Vergnügungsvierteln. Viele Bars melden sich deshalb lieber als „Restaurants mit Livemusik“ an. Offenbar verändert ein Mikrofon neben dem Essen nicht nur das Geschäftsmodell, sondern auch die Brennbarkeit des Gebäudes.
Die betroffene Bar war erst drei Monate vor dem Unglück kontrolliert und für sicher erklärt worden. Bangkoks Gouverneur kündigte nun unangemeldete Kontrollen an. Auch Lokale außerhalb der Vergnügungszonen sollen künftig strengere Standards erfüllen.
Ob die Stadt genügend Personal besitzt, um Tausende Betriebe zu überprüfen, ist unklar. Ebenso offen ist, ob Lokale tatsächlich geschlossen werden, wenn sie die Vorgaben missachten. In Thailand sollen viele Betreiber regelmäßig Zahlungen an Polizei oder Behörden leisten, damit gewisse Vorschriften nicht unnötig den Geschäftsbetrieb stören.
Nach früheren Bränden wurden Beamte suspendiert und Betreiber verurteilt. Durch langjährige Berufungsverfahren blieben viele jedoch zunächst auf freiem Fuß. Politische Verantwortung erwies sich dabei erneut als deutlich feuerfester als Dämmmaterial.
Auch auf Thailands Straßen, in Bussen und auf Baustellen wiederholen sich tödliche Sicherheitsmängel. Jeder Unfall führt zu neuen Ankündigungen, strengeren Prüfungen und entschlossenen Pressekonferenzen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob die Verantwortlichen handeln werden. Sie lautet, wie viele Menschen noch sterben müssen, bevor eine Ankündigung tatsächlich zur Vorschrift wird – und eine Vorschrift irgendwann sogar kontrolliert wird.
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