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Jeff Bezos fordert radikale Steuerwende: Die Hälfte der Amerikaner soll gar keine Einkommensteuer mehr zahlen

DIGI5IM (CC0), Pixabay
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Jeff Bezos ist einer der reichsten Menschen der Welt – und ausgerechnet er fordert nun eine drastische Steuerentlastung für Millionen Amerikaner. Der Amazon-Gründer sprach sich in einem Fernsehinterview dafür aus, dass die untere Hälfte der US-Bevölkerung künftig überhaupt keine Bundes-Einkommensteuer mehr zahlen sollte.

„Ich denke nicht, dass sie drei Prozent zahlen sollten“, sagte Bezos mit Blick auf die aktuelle Steuerlast vieler Geringverdiener. „Ich denke, sie sollten null zahlen.“

Die Aussage fiel in der CNBC-Sendung „Squawk Box“ und sorgt in den USA bereits für heftige Diskussionen. Denn während progressive Politiker seit Jahren höhere Steuern für Milliardäre fordern, schlägt Bezos nun einen völlig anderen Weg vor.

Der Milliardär mit der Null-Steuer-Idee

Bezos argumentiert, dass Menschen mit niedrigem Einkommen stärker entlastet werden müssten, um überhaupt die Chance auf sozialen Aufstieg zu haben. Dabei verwies er auf seine eigene Familiengeschichte.

Sein Vater sei als kubanischer Einwanderer in die USA gekommen, seine Mutter habe ihn bereits mit 17 Jahren bekommen. Trotzdem habe sie sich ein Leben aufgebaut.

Genau diese Möglichkeit müsse auch heutigen Generationen offenstehen, sagte Bezos. Und dafür sei eine vollständige Steuerbefreiung für viele Arbeitnehmer sinnvoller als komplizierte Hilfsprogramme.

„Es hat etwas unglaublich Kraftvolles, wenn die Steuerlast einfach bei null liegt“, erklärte der Amazon-Gründer.

Ein überraschender Vorstoß mitten in der Steuerdebatte

Die Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem in mehreren US-Bundesstaaten über höhere Abgaben für Superreiche diskutiert wird. Besonders in Kalifornien sorgt derzeit eine sogenannte „Milliardärssteuer“ für Aufsehen.

Geplant ist dort eine einmalige Vermögensabgabe von fünf Prozent auf große Milliardenvermögen. Der Staat könnte dadurch laut Schätzungen rund 100 Milliarden Dollar einnehmen.

Einige der reichsten Unternehmer des Landes drohten bereits offen damit, Kalifornien im Falle einer Einführung zu verlassen.

Bezos geht nun rhetorisch in die entgegengesetzte Richtung: Nicht die Reichen stärker belasten, sondern die unteren Einkommensgruppen komplett von der Einkommensteuer befreien.

Klingt revolutionär – ist aber komplizierter

Tatsächlich zahlen die unteren Einkommensschichten in den USA bereits heute vergleichsweise wenig Bundes-Einkommensteuer. Nach Berechnungen der Tax Foundation trägt die untere Hälfte der Steuerzahler aktuell nur rund drei Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens.

Die obere Hälfte zahlt dagegen bereits 97 Prozent.

Würde Bezos’ Idee umgesetzt, würde die Steuerlast also vollständig auf die obere Hälfte der Bevölkerung verlagert werden.

Kritiker halten den Vorschlag deshalb für weniger spektakulär, als er zunächst klingt. Experten verweisen darauf, dass es schon heute zahlreiche Steuervergünstigungen, Freibeträge und Hilfsprogramme für Geringverdiener gibt.

Kritik an Bezos selbst

Besonders pikant: Während Bezos niedrigere Steuern für arme Amerikaner fordert, steht Amazon selbst seit Jahren wegen seiner Steuerstrategie in der Kritik.

Nach Berechnungen des linken Instituts ITEP soll Amazon allein 2025 von Steuervergünstigungen in Höhe von rund 17 Milliarden Dollar profitiert haben.

Kritiker argumentieren deshalb, dass der eigentliche Missstand nicht bei normalen Arbeitnehmern liege, sondern bei milliardenschweren Konzernen und Superreichen, die ihre Steuerlast oft massiv reduzieren können.

Bezos selbst wies diese Kritik im Interview zurück. Selbst wenn man seine Steuern verdoppeln würde, helfe das dem normalen Bürger kaum, sagte er.

„Du kannst meine Steuern verdoppeln, und trotzdem wird das der Lehrerin in Queens nicht wirklich helfen“, erklärte Bezos.

Die Antwort aus der Politik ließ nicht lange auf sich warten. Der demokratische Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, reagierte trocken auf X:
„Ich kenne einige Lehrer in Queens, die das anders sehen würden.“

Zwischen sozialer Botschaft und Eigeninteresse

Politisch ist Bezos’ Vorstoß ungewöhnlich. Die Idee verbindet klassische konservative Forderungen nach niedrigeren Steuern mit einem sozialpolitischen Ansatz, der eigentlich eher von Demokraten vertreten wird.

Allerdings bleibt völlig offen, wie ein solcher Plan finanziert werden soll. Bezos sprach zwar davon, sich in Washington für Steuererleichterungen einsetzen zu wollen, konkrete Vorschläge präsentierte er jedoch nicht.

Trotzdem zeigt die Debatte einmal mehr, wie stark die Frage nach Steuergerechtigkeit inzwischen auch in den USA polarisiert. Während manche Milliardäre höhere Abgaben kategorisch ablehnen, versucht Bezos nun offenbar, sich als Fürsprecher der unteren Einkommensschichten zu positionieren.

Ob aus Überzeugung oder aus strategischem Eigeninteresse, darüber dürfte in Amerika noch länger diskutiert werden.

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