US-Vizepräsident JD Vance hat den Watergate-Skandal offenbar in ein neues Zeitgefühl eingeordnet: irgendwo zwischen „Vergangenheit“ und „würde heute kaum noch einen News-Alert überleben“.
Bei einem Auftritt in der Richard Nixon Presidential Library ließ Vance keinen Zweifel daran, dass er historische Skandale durchaus flexibel bewertet. Watergate, so seine Einschätzung, wäre heute höchstens noch ein „Zwölfstunden-Headline-Event“. Frei übersetzt: früher Staatskrise, heute Push-Benachrichtigung mit Ablaufdatum.
Die Vorstellung, dass dieser Skandal einst eine Präsidentschaft zu Fall gebracht habe, bezeichnete Vance sinngemäß als „leicht überdramatisiert“. Geschichte, so scheint es, hat in seiner Version gelegentlich ein Timing-Problem.
Ganz ohne größere politische Brücke ging es allerdings nicht. Vance zog Parallelen zwischen dem ehemaligen Präsidenten Richard Nixon und dem heutigen Präsidenten Donald Trump – und streifte dabei auch das bekannte Narrativ eines sogenannten „Deep State“, den er für die Schwierigkeiten beider Präsidenten mitverantwortlich machte. Belege für diese These nannte er nicht.
Watergate selbst gilt in der Realität weiterhin als einer der größten politischen Skandale der USA: Einbruch in die Wahlkampfzentrale der Demokraten 1972, Vertuschung im Weißen Haus, Ermittlungen – und am Ende der Rücktritt Nixons 1974.
Besonders persönlich wurde es, als Vance den historischen Spiegel für sich selbst testete. Nixon, so seine Lesart, erinnere ihn durchaus an ihn selbst: ein politischer Aufsteiger, Medienkritik, Bestseller – die Ähnlichkeiten seien „irgendwie offensichtlich“.
Ob Geschichte sich wirklich so leicht in persönliche Lebensläufe umrechnen lässt, bleibt offen. Sicher ist nur: In dieser Version der politischen Welt ist Watergate weniger ein Wendepunkt der US-Demokratie als ein ziemlich missverstandener Dauerbrenner – der heute vermutlich nach einem halben Arbeitstag schon wieder aus den Trends verschwunden wäre.
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