Der erste schwere Taifun der Saison hat im Süden Chinas eine Katastrophe ausgelöst. Taifun „Maysak“ brachte sintflutartige Regenfälle, zerstörte Dämme, überflutete ganze Landstriche und löste sogar seltene Tornados aus. Mindestens 21 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben, Zehntausende mussten ihre Häuser verlassen. Rettungskräfte kämpfen unter schwierigsten Bedingungen gegen die Folgen der Naturgewalt.
Besonders schwer betroffen ist die südchinesische Provinz Guangxi. Dort verwandelten sich Flüsse innerhalb weniger Stunden in reißende Ströme. Ganze Dörfer wurden überflutet, Straßen unpassierbar und Häuser bis zum ersten Stock unter Wasser gesetzt.
Bewohner berichten von dramatischen Szenen. Viele hätten kaum Zeit gehabt, sich in Sicherheit zu bringen. Das Wasser sei innerhalb weniger Minuten so schnell angestiegen, dass zahlreiche Familien ihre Häuser ohne Lebensmittel oder persönliche Gegenstände verlassen mussten. Einige Menschen retteten sich auf Hausdächer oder höher gelegene Gebiete und warteten dort stundenlang auf Hilfe.
Nach Angaben der Behörden mussten allein in Guangxi rund 60.000 Menschen evakuiert werden. Insgesamt sind mehr als 90.000 Einwohner von den Überschwemmungen betroffen. Zahlreiche Orte sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten, weil Stromversorgung, Mobilfunk und Straßen ausgefallen sind.
Besonders dramatisch ist die Lage in abgelegenen Bergdörfern. Angehörige berichten, dass viele Familien seit Tagen keinen Kontakt mehr zu ihren Verwandten aufnehmen können. Teilweise fehlen Trinkwasser, Babynahrung und Medikamente. Rettungskräfte setzen Schlauchboote ein, stoßen jedoch wegen der gewaltigen Wassermassen und der Vielzahl betroffener Orte an ihre Grenzen.
Zusätzliche Sorgen bereiten Schlangen, die durch die Fluten in Wohngebiete gespült werden. Neben wild lebenden Tieren sollen auch zahlreiche Exemplare aus Schlangenfarmen entkommen sein, in denen sie für medizinische Zwecke oder die Gewinnung von Gegengiften gehalten werden.
Während der Süden mit Überschwemmungen kämpft, sorgte das Sturmsystem hunderte Kilometer entfernt in der Provinz Hubei für ein weiteres außergewöhnliches Wetterereignis. Dort bildeten sich mehrere Tornados – ein in dieser Region äußerst seltenes Phänomen. Die Wirbelstürme rissen Dächer ab, schleuderten Fahrzeuge und zerstörten Gebäude.
Videos in sozialen Netzwerken zeigen fliegende Trümmer, umherwirbelnde Straßencafés und Menschen, die panisch Schutz suchen. Nach Medienberichten wurde ein Mann durch die enorme Windkraft aus seiner Wohnung im zwölften Stock gerissen und schwer verletzt. Zahlreiche weitere Menschen erlitten Schnittverletzungen durch berstende Fensterscheiben.
Chinas Staatspräsident Xi Jinping ordnete umfassende Rettungs- und Hilfsmaßnahmen an. Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Militärs und des Katastrophenschutzes sind im Dauereinsatz, um Eingeschlossene zu evakuieren und die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
Meteorologen führen die außergewöhnliche Wetterlage auf das Zusammentreffen kalter Luftmassen aus dem Norden mit den feuchtwarmen Ausläufern des Taifuns zurück. Gleichzeitig warnen Klimaforscher seit Jahren davor, dass extreme Wetterereignisse durch den Klimawandel häufiger und intensiver auftreten könnten.
Die Lage dürfte sich in den kommenden Tagen weiter zuspitzen. Bereits jetzt steuert mit „Super-Taifun Bavi“ das nächste schwere Sturmsystem auf die Ostküste Chinas zu. Die Behörden bereiten sich auf weitere Evakuierungen und mögliche neue Überschwemmungen vor.
Für viele Menschen in den betroffenen Regionen beginnt der Kampf jedoch erst jetzt. Während das Wasser langsam zurückgeht, bleibt die Ungewissheit über das Schicksal vermisster Angehöriger – und die Frage, wie lange der Wiederaufbau nach einer der schwersten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre dauern wird.
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