Die Schweiz hat Fußballgeschichte geschrieben. Mit einem nervenaufreibenden 4:3-Erfolg im Elfmeterschießen gegen Kolumbien zogen die Eidgenossen erstmals seit der Heim-Weltmeisterschaft 1954 wieder ins Viertelfinale einer Weltmeisterschaft ein. Dort wartet nun Titelverteidiger Argentinien um Superstar Lionel Messi.
Über 120 Minuten lieferten sich beide Mannschaften einen intensiven Abnutzungskampf, in dem spielerische Glanzmomente eher Mangelware blieben. Beide Defensivreihen standen sicher, Torchancen waren entsprechend selten.
Die größte Möglichkeit der regulären Spielzeit gehörte Kolumbien. Nach einem Eckball köpfte Jhon Lucumí den Ball an die Latte. Auf der Gegenseite fehlte der Schweiz ohne den verletzten Offensivspieler Johan Manzambi sichtbar die Durchschlagskraft im Angriff.
Auch in der Verlängerung blieb Kolumbien zunächst die gefährlichere Mannschaft. Jaminton Campaz zwang Gregor Kobel mit einem Distanzschuss zu einer starken Parade. Kurz vor Schluss vergab ausgerechnet Campaz die Riesenchance zum Sieg, als er nach einem Fehler von Granit Xhaka freistehend über das Tor schoss.
Diese verpasste Gelegenheit sollte sich bitter rächen.
Im Elfmeterschießen entwickelte sich anschließend ein echtes Nervendrama. Zunächst scheiterte Davinson Sánchez unglücklich, als sein Schuss von der Unterkante der Latte zurück ins Feld sprang. Doch weil Manuel Akanji seinen Elfmeter deutlich über das Tor setzte, war plötzlich wieder alles offen.
Dann wurde Gregor Kobel endgültig zum Helden des Abends. Mit einer spektakulären Parade gegen Cucho Hernández brachte der Schweizer Keeper seine Mannschaft endgültig auf Viertelfinalkurs. Granit Xhaka, Zeki Amdouni und Cedric Itten behielten zuvor bereits die Nerven.
Den entscheidenden Elfmeter verwandelte schließlich Ruben Vargas eiskalt. Der Offensivspieler war nach seiner Verletzung zunächst nur auf der Bank gesessen, avancierte aber mit seinem sicheren Schuss zum Matchwinner.
Für Kolumbien endet damit ein insgesamt starkes Turnier auf äußerst bittere Weise. Die Südamerikaner kassierten während der gesamten Weltmeisterschaft nur ein Gegentor und galten als einer der unangenehmen Außenseiter. Doch trotz zahlreicher Chancen fehlte ihnen im entscheidenden Moment die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Besonders die vergebene Großchance von Campaz in der Verlängerung dürfte die Mannschaft noch lange verfolgen.
Die Schweiz dagegen darf weiter träumen. Nach dem Achtelfinal-Erfolg gegen Algerien ist es bereits der zweite K.-o.-Sieg dieses Turniers – ein Novum in der Schweizer WM-Geschichte.
Jetzt wartet allerdings die wohl größte Herausforderung überhaupt: Im Viertelfinale kommt es zum Duell mit Weltmeister Argentinien und Lionel Messi. Spätestens dort wird sich zeigen, ob das Schweizer Fußballmärchen noch ein weiteres Kapitel schreiben kann.
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